Full text: Hessenland (9.1895)

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Die Scheidung des alten Schartenbergischen 
Stammes in zwei Zweige war damit für die 
Folgezeit besiegelt. 1272 werden die Bruder- 
Stephan und Gerlach von Falkenbcrg zum ersten 
Male erwähnt, 1284 nennt sich Stephan von 
Falkenberg Herr der Malsburg (dominus castri 
Malesburg), und 1286 heißt er Stephan von 
der Malsburg, ein Name, der für ihn und seine 
Nachkommen mit dem Jahre 1300 der ständige 
wurde. Dieser Ritter Stephan wurde im Jahre 
1290 von Ritter Stephan von Schartenberg aus 
drücklich als sein Vetter bezeichnet, auch wissen 
wir aus der bereits angezogenen Urkunde des 
Elmarshäuser Archivs vom 26. September 1284, 
daß die beiden Zweige des Geschlechts Güter be 
saßen, die von ihnen gemeinsam verliehen wurden. 
1290 ist in Urkunden der Brüder Stephan und 
Gerlach von der Malsburg die Rede von deren 
Erben von Schartenberg. Endlich treffen Ritter 
Stephan und die Knappen Brüder Johann und 
Heinrich von Schartenberg mit ihren Ganerben, 
dem Ritter Stephan und den Knappen Hermann 
von der Malsburg und Stephan und Gerlach von 
Falkenberg, am 3. Juli 1340 in Erneuerung eines 
Vertrages ihrer Eltern vorn Jahre 1312 Bestim 
mungen über das Lehngut „daz vor Alters unser 
beyder Eldern von Schartenberg verlenet haben". 
Nach diesen Belegen kann über die Zu 
sammengehörigkeit der Ritter und Knappen 
von der Malsburg, vorr Schartenberg und von 
Falkenberg kein Zweifel mehr herrschen. Die 
Nachkommen der im Ausgang des 13. Jahr 
hunderts lebenden Brüder Ritter Stephan von 
der Malsburg (Falkenberg) und Gerlach von 
Falkenberg sind die heute noch blühenden Herren 
von Malsburg und die seit dem 14. Jahrhundert 
zu Herstelle an der Weser ansässigen, 1733 er 
loschenen Herren vor: Falkenberg, zu denen der 
tapsere Vertheidiger Magdeburgs im dreißig 
jährigen Kriege, Oberst Dietrich von Falkenberg, 
gehörte. Die ersteren stammen von Ritter Stephan 
lind seinen Söhnen, die letzteren aller Vermuthung 
nach von Stephan's Bruder Gerlach. Das Ver 
hältniß, in welchem die Familien von Scharten 
berg, von Falkenberg und von der Malsburg zu 
einander standen, läßt sich durch folgende einfache 
Zeichnung klarlegen: 
von Schartenberg 
(1143 und 1228 von der Malsburg) 
von Schartenberg von Falkenberg 
(ausgestorben 1383 (Herren der Malsburg) 
oder 1384) | 
von der Malsburg von Falkenberg 
(ausgestorben 1733). 
(Schluß folgt.) 
Heinrich Martin. 
C% m IC. März wurde in Kassel der Ober- 
appellationsrath a. D. Heinrich Robert 
^4 V Martin zu Grabe getragen. In ihm sah 
das Hessenland einen seiner treuesten Söhne 
scheiden, die Rechtswissenschaft einen ihrer scharf 
sinnigsten Jünger; darum sei auch an dieser Stelle 
des Verewigten in pietätvoller Erinnerung gedacht. 
Heinrich Martin wurde am 13. Juli 1815 
zu Homberg in Niederhessen geboren, während 
sein Vater, der aus der Geschichte des Dörn- 
berg'schen Aufstandes bekailnte frühere Frielen- 
dorferFriedensrichter Siegmund Peter Martin, 
sich als Polizeidirektor in preußischen Diensten 
aus dem Feldzuge in Frankreich befand. Die 
Familie Martin stammt aus Frankreich. Der 
erste Martin, welcher nach Hessen kam und sich 
in Kassel niederließ, heirathete noch als Mann 
voll 60 Jahren um das Jahr 1730 eine Tochter 
des Superintendenten G. Ungewitter des Aelteren. 
Aus dieser Ehe entsprossen 6 Söhne, von welchen 
der vorletzte Pfarrer in Holzhausen in Nieder 
hessen und seit 1782 Metropolitan in Homberg 
war. Dessen Sohn ist Siegmund Peter Martin, 
der Vater Heinrich's, welcher nach seiner Rückkehr 
aus Frankreich und seinem Rücktritt aus dem 
preußischen Staatsdienste in Homberg als Advokat 
seinen Wohnsitz nahm. Hier verlebte Heiilrich 
seine Killder- und ersten Schuljahre, die er in der 
Rektorschule am Kirchhofe gegenüber dein Haupt 
eingange zur Kirche zubrachte. Die Schule leitete 
damals Rektor Wilhelm Köster, ein interessanter 
Mann, wenn auch kein geschulter Pädagog (st 1862 
als Pfarrer emeritus), an dem seine Zöglinge 
mit großer Liebe hingen. Seiner Vaterstadt
	        

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