Full text: Hessenland (9.1895)

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Lage für die Territorialgewalten des sächsischen 
Hessenganes von großer Wichtigkeit, vor allem 
für den Besitzer der Orte Hofgeismar und Greben 
stein, den Erzbischof von Mainz. Denn schon 
gesellte sich zu den weltlichen Rivalen ein weiterer 
geistlichen Charakters, nämlich der Bischof von 
Paderborn. Spätestens um die Wende des 12. 
und 13. Jahrhunderts haben die Beziehungen 
der Ministerialen vom Schartenberge und von 
der Malsburg zu dein Erzbischof sich gelockert. 
Unbekümmert um den Erzbischof fochten die Brüder 
Hermann und Stephan von Schartenberg mit 
ihren Brüdern (vermuthlich aber nur Stiefbrüdern) 
Detmar und Adelung von Schartenberg und 
deren Anhängern und nahen Verwandten, den 
Gropen von Gudenberg, die von den beiden Burgen 
des Schartenberges die kleinere innehatten, während 
die von Schartenberg auf der größeren saßen, 
um die Hinterlassenschaft ihres Vaters eine Fehde 
aus, in die auch die übrigen Adelsgeschlechter 
der Nachbarschaft hineingezogen wurden. Mehrere 
Jähre hindurch tobte diese Fehde, durch die weit 
und breit alles verwüstet wurde, bis die streitenden 
Parteien schließlich im Jahre 1213 von -Erz 
bischof Siegfried von Mainz zu einem Vergleiche 
gezwungen wurden. Von irgend welchen näheren 
Beziehungen der von Schartenberg zu Mainz 
ist aus der damaligen Zeit nichts überliefert, 
wohl aber von solchen zu dem Bischöfe von 
Paderborn. Ein Mitglied der Familie, Ritter 
Albert von Schartenberg, befand sich fast regelmäßig 
am Hofe des kriegerischen Bischofs Simon, zu 
dessen angesehensten Paladinen er gehört haben 
muß. In den Urkunden der Jahre 1246—1266, 
wie sie im vierten Bande des westfälischen Ur 
kundenbuches nunmehr vorliegen, ist sein Name 
Glicht selten. Albert begleitete den Bischof 1246 
ans dem Feldzuge gegen König Konrad, den Sohn 
Kaiser Friedrich's II., und war u. a. auch 1266 
bei Abschluß eines Landfriedensbündnisses zwischen 
Heinrich, dem ersten Landgrafen zu Hessen, und 
dem Bischof thätig. Auf der Seite des Bischofs 
haben die von Schartenberg ausgehalten, als 
Bischof Simon sich dann nach 1269 mit dem Land 
grafen verfeindete, und wurden von dem letzteren 
deshalb schwer geschädigt. Der Bischof, der nicht 
ohne Glück versucht hatte, die Grafschaft Scharten 
berg immer mehr in die Hand zu bekommen, 
mußte tu Folge seines Zerwürfnisses mit dem Land 
grafen sich mit dem Erzbischof von Mainz aus 
söhnen und dessen Hoheitsrecht über die Grafschaft 
Schartenberg anerkennen. 
Gleichzeitig mit dieser Wiederannäherung der 
beiden geistlichen Fürsten oder besser im Anschluß 
daran scheint ebenfalls das Verhältniß zwischen 
der Familie von Schartenberg-Malsburg und 
dem Erzbischof sich wieder günstiger gestaltet zu 
haben, wenigstens mit bem einen Zweige derselben, 
der bald darauf den Namen von der Mals bürg 
für alle Zukunft annahm. Während die Mals 
burg um das Jahr 1270 nur vorübergehend in 
der Gewalt des Landgrafen gewesen war und 
vorläufig noch mainzisch blieb, gelang es ersterem 
mit dem Jahre 1294 den Schartenberg für immer 
an sich zu ziehen; damit war der Uebertritt der 
Burginhaber aus die hessische Seite von selbst 
gegeben. Die auf dem Schartenberg noch an 
sässigen Angehörigen der alten Ministerialenfamilie 
gleichen Namens erscheinen bis zu ihrem Aus 
sterben, also fast noch hundert Jahre, als treue 
Anhänger und Stützen der hessichen Macht, da 
gegen ihre Verwandten, die unter mainzischer Ober 
hoheit alsbald Besitzer der Malsburg wurden, 
bis in das 15. Jahrhundert hinein als Anhänger 
des Erzbischofs, der ihnen eine möglichst unabhängige 
Stellung auf der Burg gewährte bezw. gewähren 
mußte. 1284 fühlten und nannten sie sich in 
bereits erwähnter Urkunde Herren der Malsburg, 
und 1338 wurde der im Elmarshäuser Archiv 
noch heute vorhandene, im Laufe der Zeit mehr 
fach erneuerte, Vertrag mit Erzbischof Heinrich 
von Mainz geschlossen, in welchem die Herren 
von der Malsburg ihre Eigenschaft als Lehns 
mannen des Erzbischofs anerkannten und dem 
selben das Oeffnungsrecht für den Kriegsfall 
zugestanden; im übrigen aber waren sie durch 
nichts behindert oder beschränkt. 
Neben Schartenberg und Malsburg ist eine 
dritte Burg aus dem nahen Falkenberg für die 
Geschichte des hier behandelten Geschlechts von 
Bedeutung. Muthmaßlich erstand von dem 
Schartenberg aus, der vermuthlich verhältnißmäßig 
stark bevölkert war, um die Mitte des 13. Jahr 
hunderts Burg Falkenberg, die einem Zweige des 
Geschlechts von der Malsburg-Schartenberg den 
Namen gab. Die Burg Falkenberg selbst wurde 
nebst den beiden Gudenburgen bereits um das 
Jahr 1270 von Landgraf Heinrich I. von Hessen 
wahrscheinlich in den eben berührten Streitigkeiten 
mit dem Erzbischof von Mainz und Bischof von 
Paderborn zerstört. 
Ein seltsames Spiel des Zufalls hat es so 
gefügt, daß der Familienname vön Falkenberg 
fast zu derselben Zeit zum ersten Male urkundlich 
nachweisbar ist, in welcher die Zerstörung der 
gleichnamigen Burg erfolgte. Aus dieser Zer 
störung des Sitzes aus dem Falkenberg wird es 
zu erklären sein, daß die Malsburg von da an 
dauernd von einem Zweige des alten Ministerialen 
geschlechts in Besitz genommen und behauptet wurde.
	        

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