Full text: Hessenland (9.1895)

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Die älteste Geschichte der Malstmrg und ihrer Besther. 
Von W. Grotefend. 
(Fortsetzung.) 
^M^onnte ein Ministerial an und für sich ebenso- 
WZ gut freier wie unfreier Abkunft fein, so ist doch 
^\\ die freie Abkunft der Familie von Scharten- 
berg-Malsburg mit Sicherheit anzunehmen, da 
sie schon vor dem Jahre 1210 über freies Eigen 
(Allod) in ansehnlichem Umfange verfügte, so 
über die Mühle und 300 Morgen Land zu 
Zwergen. Diese alten Ministerialen von 
Schartenberg-Malsburg waren überhaupt ein kühn 
aufstrebendes Geschlecht, das um das Jahr 1200 
bereits besonderes Ansehen genoß imb umfang 
reiche Besitzungen hatte. Ihr Ruf war so un 
tadelhaft, daß sich Geschlechter, die unzweifelhaft 
dem damaligen Adelstände angehörten, wie die 
von Ziegenberg, von Homburg und auch die von 
Gudenberg, mit ihnen verschwägerten, sie also als 
ihnen gleichstehend anerkannten, ohne Rücksicht 
auf das gültige Reichsrecht, welches derartige Ver 
bindungen zwischen Edeln und Ministerialen, selbst 
den angesehensten, immer wieder untersagte. Nun 
gehörten die von Schartenberg-Malsburg schon 
insofern zu den vornehmsten Ministerialen, weil 
sie in Beziehung zu dem Erzbischof von Mainz 
standen, dessen Dienstmannen nach denen des 
Kaisers den ersten Rang im ganzen Reiche hatten 
und bereits vor dem Jahre 1100 das Recht be 
saßen, ohne Erlaubniß ihrer Herren einzuholen, 
heirathen zu dürfen. Schon früh werden die 
Ministerialen des Schartenberges und der Mals 
burg die mit dem 12. Jahrhundert fast von 
keiner Seite mehr angefochtene Berechtigung zur 
Geltung gebracht haben, auch von anderen Herren 
als ihren ursprünglichen Lehen empfangen zil 
dürfen, wir treffen sie wenigstens außer in der 
Umgebung des Erzbischofs von Mainz bei Herzog 
Heinrich dem Löwen lind bald nachher bei Land 
graf Hermann von Thüringen, Bischof Bernhard 
von Paderborn und Abt Hermann von Corvey 
und gleichzeitig auch im Besitze vizegräflicher 
richterlicher Befugnisse in der Grafschaft Meiser- 
Schartenberg. Schon um die Mitte des 13. Jahr 
hunderts hatten die von Malsburg-Schartenberg, 
welche etwa seit 1240 als Ritter erscheinen, 
eigene Vasallen, die selbst ein rittermäßiges 
Leben führten, wie die von Zwergen, zählten 
also bereits zum vierten Heerschilde, nicht mehr 
zum fünften. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts 
müssen diese Vasallen bereits recht zahlreich ge 
wesen sein, werden doch in der ältesten Urkunde 
des von der Malsburgischen Archivs zil Elmars 
hansen bei Wvlfhagen vom 26. September 1284 
Bestimmungen über die Verleihung der von der 
Familie zu ertheilenden Lehen unter ausdrücklicher 
Hervorhebung der Zustimmung der Vasallen ge 
troffen. 
Ueber die Stellungnahme der Familie von der 
Malsburg-Schartenberg zu den politischen Er 
eignissen der damaligen Zeit ist nicht allzuviel 
überliefert, immerhin fehlt es nicht ganz an An 
haltspunkten darüber. Zunächst werden deren 
Glieder zum Erzbischof von Mainz gehalten haben, 
dem sie verpflichtet waren, zumal die Erzbischöfe 
darauf bedacht waren, die Gegend um Malsburg 
und Schartenberg urbar zu machen und zil be 
siedeln, wie aus der häufigen Erwähnung der 
Zehnten von Neubrnchsfeldern in auf eben diese 
Gegend bezüglichen Mainzischen Urkunden des 
12. Jahrhunderts zu entnehmen ist. In den 
Bereich derartiger Mainzischer Bestrebungen scheint 
auch die Ausgestaltung des Hofes Escheberg 
zum Dorfe zu fallen. In einer Urkunde von 
1162 verlieh Erzbischof Konrad von Mainz dem 
Kloster Hasungen Rodzehnten in der Nähe der 
Malsburg ans dem Gebiete des Dorfes Escheberg. 
Möglich ist freilich, daß der Aufenthalt Stephan's 
von Schartenberg 1163 zu Goslar am Hofe 
Herzog Heinrich's des Löweil bezw. 1199 bei 
Landgraf Hermann von Thüringen, von dem 
schon die Rede war, aus Beziehungen zu diesem 
mächtigen Fürsten hinweist, die mit der Mainz 
schuldigen Lehnstreue nicht recht vereinbar sind, 
vielleicht liegt die Erklärung dann aber darin, 
daß die mächtige Hand beider Fürsten mit vielen 
andern Geschlechtern auch das von Schartenberg 
zur Gefolgschaft zwang. Gerade die Burgen 
Malsburg und Schartenberg waren durch ihre
	        

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