Full text: Hessenland (9.1895)

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setzt. Letzterer war es alfa, der in dem Gefecht 
die Amerikaner führte (unter ihm Sterling, Sullivan 
und Woodhull). Ferner scheint es, als ab der 
Angriff am 27. doch genall nach der Gefechts 
disposition verlaufen ist, wie sie ganz richtig (S. 13) 
vom Verfasser mitgetheilt wird. Es heißt dort: 
Die Hessen unter Heister halten (im Zentrum) 
den Feind so lange fest, bis Clinton mit der 
englischen Rechtskolonne dem Feinde in den Rücken 
gekommen fein wird. Clinton war nun schon am 
26. Abends 9 Uhr aufgebrochen, hatte die vor 
gezeichnete Bewegung ausgeführt iinb stand gegen 
Tagesanbruch aus dem flachen Land zwischen den 
Höhen und Brooklyn. Generallieutenant Heister 
ließ gegen Tagesanbruch seine Artillerie ihr Feuer 
beginnen, blieb aber auf feinem Platz bei Flatbush, 
bis der rechte Flügel der Britten sich dein linken 
und der Arrièregarde der Amerikaner genähert 
hatte. Uin */28 Uhr Morgens am 27., als Clinton 
schon dem linken Flügel von Sullivan's Corps im 
Rücken stand, erfolgte dann der Angriff der Hessen, 
voran Donop. Es war dies zweifellos der in 
der Disposition vorgesehene Moment und ist der 
etwas verhüllte Vorwurf gegen Heister, gleich im 
ersten Gefecht die Befehle des General on oboi 
unbeachtet gelassen zu haben (indem er zu früh 
losschlug), unbegründet. Der hessische Schlachtruf 
wird gewöhnlich als „Schurri drus!" angegeben. 
Den Verlust der Engländer und Hessen beziffert 
Lord Howe selbst auf 22 Ossiziere und 346 Gemeine. 
Der Abzug der Amerikaner nach dem Gefecht 
in den „White plaìns“ ist ferner wohl nicht als 
freiwilliger zìi bezeichnen, weil General Leslie mit der 
zweiten Brigade der Britten, den hessischen Grenadieren 
unter Donop und einem hessischen Bataillon (den 
Hessen, welche außer der Brigade Rall im Feuer- 
waren), dem General Dougal eine für die Ent 
scheidung sehr wichtige Höhe abgenommen hatte 
und schon die Rückzugslinie Washingtons stark 
bedrohte. Hinsichtlich der Kapitulation des Fort 
Washington ist zu bemerken, daß dieselbe nach 
vorausgegangenem längeren Gefecht erfolgte; die 
Amerikaner fochten vor den Wällen und wurden 
von vier Kolonnen angegriffen, und zwar standen 
diese unter Knyphausen, Matthew, Stirling und 
Percy. Knyphausen führte nur die erste Division 
und hatte allerdings aus der nördlichen Seite der 
Werke den stärksten Widerstand zu überwinden. 
In Bezug aus die Expedition nach Rho de-Island 
muß wohl (S. 19) ein Druckfehler vorliegen: 
im Sommer 1776 kann kein Theil des Corps 
zurückgeschickt sein, weil am 23. November 1776 
die Erpedition erst unter Clinton nnb Parker von 
New York in See ging (also 1777). Dieselbe Fehler 
quelle liegt wohl auch der Notiz (S. 23) zu Grunde, 
wo von dem Aufbruch der Flotte Lord Howe's nach 
der Chefapeak-Bay die Rede ist; es muß dort 
statt 23. Juni heißen: 23. Juli. Die Einnahme 
von Fort Redbank (Mercer) ist nicht in der 
geschilderten Weise verlausen; die Kanonade War 
ans Fort Mifflin auf Mud-Island gerichtet, nicht 
auf Fort Redbank. Letzteres als Stütz- und Reserve- 
platz des ersteren dienend, hielt sich noch einige 
Tage nach dem Fall von Fort Mifflin und wurde 
ohne vorherige Beschießung geräumt, als sich ein 
starkes englisches Corps unter Cornwallis näherte. 
Als am 28. Juni 1778 bei M 0 nm 0n th gefochten 
wurde, war im ersten Theil des Tages der Vortheil 
aus Seite der Britten, am Nachmittag und Abend 
aber aus der der Amerikaner; sie behaupteten das 
Schlachtfeld und nöthigten Clinton, seinen Rückzug 
fortzusetzen. Die „Niederlage" der Amerikaner ist 
also cum grano salis zu verstehn. Die Landung 
bei Savannah betreffend ist zu bemerken, daß 
Campbell in den amerikanischen Berichten nicht 
als General, sondern als Oberstlieutenant bezw. 
Oberst bezeichnet wird (und zwar an mindestens 
sechs verschiedenen Stellen). Don Höhen finde ich 
in den genallen amerikanischen Quellen nichts er 
wähnt; die ganze Gegend ist Marschboden, ein 
großer Morast in der Front der Amerikaner- 
würde an deren rechtem Flügel von den Britten 
umgangen. ' Bei der Schilderung des Gefechts am 
James-Fluß (6. Juli 1781) hätte der Berfasser 
vielleicht den Umstand noch besser hervorheben 
können, daß Cornwallis das Gros ganz gedrängt 
auf dem Südwestuser aufgestellt und nur einen 
kteinell Theil nach dem Nordostuser der Halbinsel, 
aus welcher Pvrktown liegt, gesandt hatte; 
es handelte sich hier um eine de» nachdringenden 
Amerikanern absichtlich gelegte Falle. 
Als besonders hervorragend und wichtig für 
die Beurtheilung der damaligen hessischen Fecht 
weise sowohl, als des Einwirkens der letzteren aus 
die Entwickelung der Jnsanterietaktik im Allge- 
lneinen sind die kritisch-taktischen Ausführungen 
ans S. 16, 43 und 44 zu bezeichnen. 
Die vorliegende Arbeit ist, lvie lvir schon oben 
bemerkten, eine sehr schätzenswerthe Bereicherung 
der hessischen Literatur, und ist es nur zu be 
dauern, daß die Schrift in einem so engen Rahmen 
gehalten ist; wir würden es mit Freuden be 
grüßen , wenn der Verfasser, der als Fachmann 
für eine derartige Arbeit besonders geeignet 
erscheint, seine Studien über die in Betracht kom 
menden kriegerischen Ereignisse in einem größeren 
Werke niederlegte, wobei jedoch eine ausgedehntere 
Heranziehung des vorhandenen (amerikanischen lind 
englischen) Quellenmaterials nicht aus dem Auge 
zu lassen wäre. Dr. Lange.
	        

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