Full text: Hessenland (9.1895)

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Morgen bereits vorher zu Gunsten des Erzstifts 
Verzicht geleistet hatte. Mainz bekam von 
Volkold außerdem ltodj Burg Schartenberg nebst 
allem Zubehör an Ländereien, die einst der Frau 
Anna gehört hatten. Frau Anna wird ver 
muthlich auch als ehemalige Besitzerin der Mals 
burg zu betrachten sein, deren 'Töchter werden 
dann wieder Vorfahren der genannten Edeln 
Volkold lind Ulrich geheirathet haben; der erste 
Volkold, der im sächsischen Hessen nachzuweisen ist, 
erscheint 1017 in Urkunde Kaiser Heinrich's II. 
Das alte Grafengeschlecht von der Malsburg 
scheidet mit der Uebertragung der beiden Bürger: 
Malsburg und Schartenberg an Mainz fast ganz 
aus der Geschichte des sächsischen Hessens, obgleich 
ausdrücklich gesagt ist, daß Volkold und Ulrich 
beide Burgen von Mainz bei der Uebergabe 
wieder zu Lehen empfingen; es dürfte sich unter 
dem Namen der Grafen vor: Nidda bald völlig auf 
seine schon für die Wende des 11. und 12. Jahr 
hunderts nachweisbaren Güter im Niddagau 
zurückgezogen haben, wo vielleicht seine ursprüng 
liche Heimath war. In: Jahre 1206 starben 
dann diese Grafen von Nidda aus. Was nun 
aus der Malsburg wurde, erfahren wir nicht, 
fest steht nur, daß die Grafen von Dassel im 
13. Jahrhundert die Grafschaft Schartenberg 
von Mainz zu Lehen hatten. Ob damit auch 
der Besitz der Burgen Malsburg unb Scharten 
berg verknüpft war wissen wir nicht, doch ist 
nicht ausgeschlossen, daß die Grafen von Dassel 
mittelbar oder unmittelbar die Rechtsnachfolger 
der alten Grasen von der Malsburg geworden 
sind. 
Die Uebergabe der Malsbnrg an den heiligen 
Martin zu Mainz erfolgte mit Einschluß aller 
zugehörigen Ländereien und der Ministerialen 
(Dienstmannen) Stephan und Udalrich (Ulrich), 
die wohl unbedingt in näherem Zusammenhang 
stehen mit zwei 1143 erwähnten Ministerialen 
Stephan und Dietrich von der Malsburg, 
die 1149 gleichfalls urkundlich als Stephan und 
Dietrich von Sch artend erg bezeichnet werden. 
Daß Stephan und Dietrich von der Malsburg und 
Stephan und Dietrich von Schartenberg identisch 
sind, ist höchst wahrscheinlich, zumal beide 
Burgen in derselben Hand unb andererseits die 
Geschlechtsnamen damals noch keineswegs fest 
waren, vielmehr ein und dieselbe Person nicht 
selten mit verschiedenen Namen bezeichnet wurde. 
Als Nachkommen dieser beiden Ministerialen 
Stephan und Dietrich von der Malsburg-Scharten 
berg sind die 1383 oder 1384 erloschenen Herren 
von Schartenberg, die 1733 erloschenen Herren 
von Falkenberg und die noch heute blühender! 
Freiherren von der Malsburg anzusehen. 
In der geschichtlichen Forschung besteht schon 
länger kein Zweifel darüber mehr, daß die eben 
genannten Geschlechter einheitlichen Ursprungs 
sind, aber zu den alten Grafen von der Mals 
burg keine verwandtschaftliche Beziehungen haben, 
sondern lediglich deren Dienstmanuen waren. 
Ihre ursprüngliche Heimath ist im sächsischen 
Hessen zu suchen und nicht in Gallia wie 
Letzn er will, oder gar in Rom, vorr wo ihre 
Stammväter, alte römische Ritter, um das Jahr 
100 nach Christi Geburt einer von Oeyuhauseu'- 
schen Sage zufolge mit Kaiser Trajau in Gesell 
schaft der angeblichen Ahnen der von Oeyn 
hausen, von Pappenheim, Meysenbug 
und von Kalenberg nach Agrippina (Köln) 
am Rheinstrom gezogen sein sollen und dort 
„lang sich ritterlich erhalten mit Streiten und 
Fechten, auch nach der Hand an andern Orten 
niedergelaßerr". 
Dem Namen von der Mals bürg begegnen 
wir nach 1143 zuerst wieder im Jahre 1228 in einer 
Urkunde des Abtes von Corvey, in welcher der 
Ministerial Hermann von der Malsburg als 
Zeuge erwähnt wird. Die Glieder der Familie, 
welche in der Zwischenzeit in den Urkunden vor- 
konrrnen, 1163, 1199 Stephan, 1203 Hermann, 
1210 Herman und Stephan, heißen immer nach 
dem Schartenberge, die Bezeichnung von der 
Malsburg findet sich aber nur dann, wenn aus 
drücklich das Wort ministerialis hinzugefügt ist, 
was kaum lediglich aus Zufall beruhen dürfte. 
Vielleicht lagen gerade die Besitzungen, auf deneu 
ihre Ministerialeneigenschaft besonders beruhte, 
in unmittelbarer Nähe der Malsburg, wo sie 
im Uebrigen vielleicht nur in Kriegsnöthen als 
Burgmannen einzurücken hatten, während sie 
ihren ständigen Wohnsitz aus dem Schartenberg 
hatten. Dahin deutet muthmaßlich auch die Be 
zeichnung in Scardenberg, die gelegentlich von 
ihnen gebraucht wird. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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