Full text: Hessenland (9.1895)

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Die älteste Geschichte der Malsburg und ihrer Besitzer 
Von W. Grotefend. 
Nach dem Vortrag im Verein für hessische Geschichte und Landeskunde am 25. März 1895. 
® enn das Dichterwvrt: „Auf deu Bergen 
die Burgen" für eine Gegend des deutschen 
> Vaterlandes seine Berechtigung hat, so 
gilt es vom Kreise Wolf Hagen in unserer 
engeren Heimath, in welchem auf 47 Städte und 
Dörfer nicht weniger als 13 Bergschlösser ent 
fallen. Bei den meisten bezeichnen freilich nur 
noch spärliche Mauerreste die Stätte, wo einst 
angesehene Adelsgeschlechter ansässig waren. So 
ist es auch mit jenem steilen Basaltkegel, von 
welchem einst die Malsburg, jedenfalls eine 
der ältesten Burgen der Gegend, weit über 
Thäler und Höhen hinausschaute. Hinter dem 
Falkenberge, welcher das anmuthige und an 
geschichtlichen Erinnerungen reiche Warmethal 
nach Nordosten abschließt, erheben sich zwei 
mächtige Kegel, der Escheberg und die Mals 
burg. Westlich sieht man die beiden Guden- 
bnrgen, aus denen ehemals drei Geschlechter 
hausten, die von Gudenberg, die Grope von 
Gudenberg und die noch heute blühenden Wölfe 
von Gudenberg. Den Gudenburgen gegenüber 
steigt der Thurm der Burg Schartenberg empor. 
Etwas entfernter, von Schartenberg durch die 
Warme getrennt, mit den Gudenburgen ein 
Dreieck bildend, lag die schon um 1270 zerstörte 
Burg Falkenberg. Die Malsburg hinter ihr 
ist seit dem Anfange des 17. Jahrhunderts 
zerfallen. Nach wie vor aber besteht die gleich 
namige Adelssamilie, deren Vorfahren dort einst 
gesessen haben. 
Ter Name Malsburg wird von bedeutenden 
Forschern wie Wilhelm Arnold aus das alt 
hochdeutsche mahal, mal — Sprache, lat. concio. 
dann — Gerichts- und Volksversammlung zurück 
geführt, eine Ableitung, die bislang noch von 
keiner Seite mit Erfolg angefochten worden ist: 
denn der Versuch des Chronisten Letzn er (üm 1000) 
Malsburg mit „Ausmalen" in Verbindung zu 
bringen, ist von keiner Seite ernst genommen. 
Wir dürfen demnach wohl sagen, die Malsburg 
scheint zu den alten Gerichtsstätten des sächsischen 
Hessengaues, des pagus Hessi Saxonicus zu 
zählen > in dessen Bereich sie liegt, ohne aber 
diese Annahme allzu bestimmt auszusprechen, so 
lange es an Quellenstellen fehlt, aus denen hervor 
geht, daß daselbst in ältester Zeit wirklich Gericht 
gehalten wurde. Die Unterabtheilung des sächsischen 
Hessengaues, welcher die Malsburg angehörte, 
war der nach denk Hemerberge bei Listingen 
so genannte Goh H e m e r f e l d u n, der später mit 
Grafschaft Meis er bezw. Schartenberg be 
zeichnet wird. 
Die ganz früh von Franken besiedelt gewesene 
Umgegend der Malsburg ist mit dem Gaue 
Hessi schon zeitig an Sachsen übergegangen, 
die dort festen Fuß faßten. Mit der Ein 
verleibung des gesammten Sachsenlandes in 
das Reich Karl's des Großen treten wir auch 
hier ans geschichtlichen Boden. Eine Reihe von 
Ortsnamen, die noch heute bestehen, werden z. Th. 
schon in jener Zeit, z. Th. unter dem sächsischen 
Kaiserhause zuerst erwähnt, das gerade im 
sächsischen Hessen reiche Besitzungen hatte, eben 
so die altsächsischen Geschlechter der Billnnger, 
Esikonen und Jmmendinger, die mit dem Kaiser- 
hause der Brunonen oder Ludolfinger eng ver 
wandt waren. Von Ansiedlungen in unmittel 
barer Nähe der Malsburg sind mehrere für 
das 10. bezw. 11. Jahrhundert quellenmäßig 
nachzuweisen, so Elfungen und Usseln 965, 
List in gen und Hof Escheberg (Asi- oder 
Esiberg) 1015, fast gleichzeitig Rangen, 
Meis er, wo der Sitz der Esikonen war, von 
denen vielleicht auch „Escheberg" abzuleiten ist, 
und Zwergen; Sieberhansen ist allem An 
schein nach schon in Karolingerzeit vorhanden 
gewesen. Die Malsburg selbst, deren Erbauung 
der fabulirende Letzncr in das jedenfalls bequem 
zu behaltende Jahr 777 versetzt und ans un 
mittelbare Einwirkung Kaiser Karl's des Großen 
zurückführt, welcher Ritter Otto, dem angeblichen 
Stammvater der Herren von der Malsburg, dort 
einen Bauplatz angewiesen haben soll, wird vor 
dem Jahre 1123 nicht genannt, kann jedoch 
recht wohl bereits früher bestanden haben. 
1123 erhielt Abt Havuko zu Paderborn von 
Graf Bernhard, dem Bruder Volkold's von 
der Malsburg, die Kirche zu Atlon, die zu 
dessen Eigengut gehörte. 1124 willigte dann 
Volkold in die Abtretung seines Antheils an 
der Malsburg an das Erzstist Mainz, nachdem 
der Inhaber des anderen Theiles Ulrich von Warpke 
auf sein Erbgut daselbst in Größe von 1500
	        

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