Full text: Hessenland (9.1895)

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Während der Klonte Crociorie, mit Ulassen 
Zackiger schroffen, dein Bild umfaßt, 
lieben iin Laubschrnuck die Ularmorterrassen 
Hoch sich zum herrlichen Steinpalast. 
Und in den kühlen und mächtigen Raumen 
Werd' ich zum Schwärmer erhab'ner Kunst, 
Denn aus den Ularmorgebilden noch schäumen 
Quellendes Leben und Göttergunst. 
Rings an dem Saalsries der Zug Alexander's, 
Thorwaldsen's ewige Uleisterthat, 
Wird meiner Seele zur Goldfluth Skamanders, 
Wird ihr, belebend, zum Zauberbad. 
Und wie die s)erle in goldener Schale 
Selbstlos berückende Schönheit zeigt, 
Also der Schmuck in den: grünen fokale, 
Der hier der spiegelnden Fluth entsteigt. 
Doch in dem Schauen dann zieht's meine Seele, 
plötzlich zum Thüringer Waldesgrund, 
Wo mich berauschte von diesem Juwele 
Einstens ein fürstlicher Frauenmund; 
Wo ich vernommen, wie Wonnen und Schauer 
ier schon durchzitterten all' die Fracht, 
aß im Gefühle von Liebe und Trauer 
Ulich es nun selber ergreift mit Ulacht. 
Und von dem Boden, der kaum mich empfangen, 
Draus ich als Gast nur gesetzt den Fuß, 
Send' ich zur Herne, in waldiges prangen, 
Schönheitsberauscht ineinen Dichtergruß. 
Billa Tarlotta, du Schönste der Schönen, 
herrlicher, fürstlicher Hriedensport: 
Uehmen nicht lächelnd die holden Kamönen 
Hier alles Leid von der Seele fort? 
III. 
Hinsegelnd, wie ein Schwan im Glanzgefieder, 
Entführt ein Rahn mich, in des Fährmanns Hut, 
Dem Reiz der hunta di Bellaggio wieder. 
Der Tag versinkt und stirbt in rother Gluth, 
Die höchsten Höh'n nur kann er noch erhellen, 
Nicht mehr die bergumkränzte dunkle Hluth. 
Da decken Dämmer weithin schon die Wellen, 
Und von den Usern her durchzieht den See 
Das Abendläuten ferner Dorfkapellen. 
lvächtersbach. 
Hoch droben über allem Ulenfchenweh 
Ein H>urpurglüh'n der letzten Tagesstrahlen, 
Drin Rosenwolken eins sind mit dem Schnee; 
Und hinter all' den Gipfeln hebt in fahlen, 
Noch matten, funken sich des Blondes Glanz, 
Um Silber in das Abendgold zu malen. 
Es säumt im See die Spiegelwand ein Kranz 
Bon Gluthenzittern, — Gluth aus jeder Welle, 
Als hielt man drunten einen Hackeltanz. 
Halt, Fährmann, halt! Auf dieser Wunderstelle, 
Des Zaubers übervoll und wonneschwer, 
Zieh ein das Segel, daß kein Hauch es schwelle. 
Genießen will ich hier, was nirgends mehr 
Die Erde mir zum zweiten Ulale spendet, 
Und doch, — wie ist sie groß und schön und hehr! 
Schon blaßt der Kirnen Röthe; träum'risch sendet 
Der Bollmond nun herab sein weiches Licht, 
Das aber mächtig Aug' und Sinne blendet. 
Denn wie auf blankem Schild sich strahlend bricbt 
Der Heuerglanz der Königin der Sphären, 
So strahlt der See vor meinem Angesicht. 
Die Nacht betropst dabei mit Wonnezähren 
Die Laubengänge rings am Bergeshang, 
Die Kühlung dort den Ruhenden gewähren. 
Doch mich umrauscht hell tönender Gesang, 
Ein Liederstrom, lobsingend Lenz und Lieben 
Bei Zitherschlag und Ulandolinenklang. 
Und all' die Hellen Klänge dann zerstieben 
3m süßen Rosen- und Glycinienduft, 
Born Nachthauch durch den Wellentanz getrieben. 
Leuchtkäfern gleich durchzieh'n die Wassergrust, 
Aus blankem Spiegel, zahllos leichte Kähne, 
Und mit den Segeln spielt die Hrühlingslust. 
3ch aber folge, wie die wilden Schwäne, 
Dem Zug nach Norden, scheidend von der Nacht, 
Zn der ich mich im Reich der Ulärchen wähne. 
Und läßt sich je zu dieser Wunderpracht 
Ein Zubelklang von deutschen Sängen nieder: 
Dann sind gewiß, vom Zauber angefacht, 
Darunter auch von mir die glüh'ndsten Lieder. 
Carl' ^reser.
	        

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