Full text: Hessenland (9.1895)

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„Auch fürder allein, 
Stark stets zu sein." 
Und das ist er! Eine starke Männerseele, die das 
eigene Leid nicht über das Anderer stellt, unb 
„zu kämpfen für das hehrste Lovs" ansieht, diese 
Seele richtet sich im eigenen Schmerze empor, nm 
„Dem lieben Gott 
Das Schaffen nachzumachen", 
und was der Dichter in diesem Vorhaben, z. B. 
in seinen „Naturbildern", leistet, das zieht durch 
die Art unb Weise der Darstellung, in der er oft 
an den kernigen Karl Btisse erinnert, mächtig an. 
Sein ganzes Ich geht auf in der ewig schönen 
Gottesnatur, in den „kraftstolzen Liedern", die 
der Wald in den Frühlingsregen hinein rauscht; 
unb in dem „Vorwärtsdrängen und Frohlocken" 
seiner Lenzstimmung fragt er dann, bezeichnend 
für seine Auffassung von Wechselbeziehung zwischen 
Mensch und Natur: 
„Wann fällt der Menschheit erster Frühlingsregen, 
Daß neue Hoffnung blüht auf unsren Wegen?" 
Das kleine Buch enthält eine Fülle schöner Ge 
danken, eittgekleidet in eine edele Sprache, die sich 
zwanglos in die dichterischen Formen einfügt. 
Bedarf die neue Zeit neuer Sänger, — und wer 
wollte das leugnen! — so ist Traudt einer dieser 
neuen im besten Sinne des Wortes. Mögen da 
her diese Lieder eines durchaus selbstständigen 
Charakters allen Freunden poetischen Schaffens 
empfohlen sein. Dem Dichter selbst aber, der, 
wie man weiß, in Rauschenberg lebt, möchte ich 
aufrichtig bald andere „Pfade" wünschen, als die 
„einsamen", die einem so regen, schaffensdurstigen 
Geiste aus die Dauer nicht zusagen können. Und 
ist es denn nicht für diejenigen, die dazu die 
Macht haben, eine schöne Ausgabe, einen solchen 
Geist in die richtigen Sphären zu führen? 
Gerade diese Kreise mache ich auf das Buch auf- 
merksam, denn es handelt sich hier um einen 
w ir k li ch b e g ab t en Dichte r. G. H». 
Personalien. 
Verliehen: Sr. Excellenz dem Oberpräfidenten 
Magdeburg der Charakter als Wirklicher Geheimer 
Rath; dem Konsistvrialsekretär Kanzleirath Rall der 
Kromnordeu 3. Klaffe; dem Negierungssekretär Kauzlei 
rath Siebert der Kronenorden 3. Klasse; dem Eisenbahn- 
stationsvorsteher Becker in Wilhelmshöhe der Kronen 
orden 4. Klasse; dem Lehrer Kohl in Gemlinden die 
Rektorstelle daselbst. 
Ernannt: der Regierungs- und Forstrath Graß- 
hoff zum Oberforstmeister in Osnabrück; der Land 
gerichtsrath Kehler zum Oberlandesgerichtsrath in Kassel: 
Gerichtsasiessor Vial in Mayen zum Amtsrichter in 
Homberg i. H.; Lehrer Rosenkranz in Kassel zum 
Rektor daselbst. 
Verseht: der Oberlandesgerichtsrath Schwarzkopf 
von Celle nach Kassel; Postinspektor Liedtk.e von 
Kassel nach Stettin; Postkassirer Neu mann von Stral 
sund als Postinspektor nach Kassel. 
Gestorben: Oberappellationsrath a. D. Heinrich 
Martin, 79 Jahre alt (Kassel, 12. März); Sekretär 
des reformirteu Waisenhauses Konrad de la Crvix 
(Kassel, 14. März); ciind. phil. Wilhelm Kla mp 
(Niedermeiser bei Diez a. L., 14. März); Fräulein 
Johanna Koch (Hanau, 16. März); verwittwete Frau 
Oberstabsarzt Julie Döringer (Kassel, 16. März): 
Frau Lina Münch, geb. Rompf, 42 Jahre alt (Wehlar. 
16. März); verwittwete Frau Lehrer Anna Elisabeth 
Eisfert, 72 Jahre alt (Kassel, 17. März): Frau 
Christiane Schwan er, geb. Bang (Marburg, 
18. Mürz); Hertha Grau (Kassel, 19. März); Her 
mann Rind (Kassel, 21. März); Amtsrath Gustav 
Plaß (Mönchehof, 21. März); verwittwete Frau Elise 
Henze, geb. Mäckel (Kassel, 22. März); verwittwete 
Frau Katharina Pfennig, geb. Zahn (Kassel, 
24. März); praktischer Arzt Dr. med. Konrad 
Schwarzenberg, 72 Jahre alt (Kassel, 25. März): 
verwittwete Frau Forstmeister Louise D i t t m a r, 
53 Jahre alt (Kassel, 27. Mürz); Forstmeister a. D. 
Friedrich Cornelius, 82 Jahre alt (Kassel, 28. März); 
Buchdruckereibesitzer Heinrich Förster, 59 Jahre all 
(Kassel, 28. März). 
Briefkasten. 
Alle Sendungen für die Redaktion wolle man nach 
wie vor an die Buchdruckerei von Friede. Scheel, 
Kassel, Schloßplatz 4, richten. 
Dr. K. in Steinbach-Hallenberg. Die Besprechung des 
Werkes liegt in den bewährtesten Händen. die aber sehr 
beschäftigt sind. Also noch ein klein wenig Geduld, wenn 
wir bitten dürfen! 
Dr. Dr. in Wilhelmshöhe. Vielen Dank! Ihre Ein 
sendung ist mit mehreren anderen, die den gleichen Gegen 
stand betreffen, dem Herrn übergeben, der die Anfrage im 
Briefkasten wegen des Liedes veranlaßt hat. Wir denken 
in kurzer Frist das Lied in seinem vollen Umfange ver 
öffentlichen zu können. 
Wxv bitten unsere Abonnenten uns auch ferner treu zu bleiben 
unb in ihren schätzenswerten Bemühungen unserem Blatte immer 
neue freunde zu gewinnet: und dessen Verbreitung zu fördern nicht 
nachzulassen. 
Redaktion und Verlag.
	        

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