Full text: Hessenland (9.1895)

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tingen 1885 zum Dr. phil. und hielt dann 
am landwirthschastlichen Institut der Universität 
im Aufträge des Unterrichtsministerinms UnterrichtS- 
kurse ab. Später ging Dr. Strecker zur königlichen 
Generalkommissivn in Kassel über, von welcher 
ihm 1890 die Leitung der neu geschaffenen Spezial 
kommision Witzenhauseu übertragen wurde. 
In dieser Stellung entfaltete er eine reiche Wirk 
samkeit, besonders in kultnrtechnischer Beziehung, 
eifrig bestrebt, durch Wort und Schrift zur 
Hebung des Wiesenbaues und zu einer praktischen 
Ausführung der Drainage beizutragen. Wünschen 
wir der Thätigkeit des verdienten Gelehrten und 
Praktikers, der nunmehr ans Hessen scheidet, 
auch in seinem neuen Wirkungskreise ein gleich 
gesegnetes Held. 
Universitätsnachrichten. Dr. Reinhard 
B r a uns, Sohn des zu Marburg verstorbenen 
Staatsanwalts Brauns, seither Professor am Poly 
technikum in Karlsruhe, ist als Professor der 
Mineralogie nach Gießen berufen worden, und 
zwar als Nachfolger des Ostern in den Ruhestand 
tretenden Geheimen Raths Professor Dr. Streng. 
Der außerordentliche Professor und Direktor 
des archivwissenschaftlichen Seminars zu Marburg 
Dr. P a n l Ke h r hat einen Ruf als ordentlicher 
Professor der Geschichte an die Universität 
Göttingen erhalten. 
Am 14. März verstarb Oberappellationsrath 
a. D. H e i n r i ch R o b e r t M a r t i n, einer der 
bedeutendsten Juristen des Hessenlandes, der mit 
jeder Faser seines Herzens an seiner hessischen 
Heimath hing, trotz seines reichen Wissens stets 
ein einfach schlichter Mann, der wegen seiner- 
gewinnenden Freundlichkeit und persönlichen Liebens 
würdigkeit von Jedermann geachtet und geschätzt 
wurde. Unsere Leser werden in der nächsten 
Nummer dieser Zeitschrift ans berufener Feder 
ein Lebensbild des Heimgegangenen erhalten. 
Dr, Konrad Schwarzenberg t. Nach nur 
zweitägigem Krankenlager ist in der ersten Morgen 
stunde des 25. März ein hochangesehener Bürger 
Kassels, ein seiner Zeit sehr gesuchter uiib beliebter 
Arzt, Dr. Schwarzenberg, aus diesem Dasein ab 
berufen worden. - Ueber sein Leben, das im Ganzen 
einen einfachen Verlauf genommen, theilen wir 
Folgendes mit: Der Verstorbene war ein Sohn 
des vorhinnigen Oberforstrathes Schwarzenberg in 
Kassel und hier geboren am 22. Februar 1823. 
Das Gymnasium (Lyceum Fridericianum) besuchte 
er von Quarta bis zur Absolvirung des Matnritäts- 
eramens, von den Jahren 1835 bis 1843. Auf 
den Universitäten Göttingen, Berlin und 
Marburg studirte er Medizin. In Marburg 
gehörte er dem Corps Teutonia an, und deshalb 
sahen wir auch zwei Vertreter desselben bei der 
Leichenfeier, die ihrem alten Herrn die letzte Ehre 
erweisen wollten. Nach wohl bestandenen Prüfungen 
wurde er zunächst unter dem Professor der Anatomie 
Dr. Ludwig Fick (gest. 31. Dezember 1858» 
Prosektor, ließ sich dann int Jahre 1847 in 
seiner Vaterstadt als praktischer Arzt nieder, wo 
ihm ein gütiges Geschick eine lange, erfolgreiche 
Thätigkeit auszuüben beschieden hat. Im Laufe 
der 50 er Jahre wurde er Arzt an der Kasseler 
Gefangenanstalt, »velche Stelle er erst niederlegte, 
als die Insassen derselben in die neu erbaute 
Strafanstalt Wehlheiden übergeführt wurden, 
und er die Beibehaltung dieses Amtes wegen der 
Entfernung der Anstatt von der Stadt mit seiner 
Praxis nicht vereinen konnte. Als die Beschwerden 
des Alters sich bei ihm in lästiger Weise bemerkbar 
machten, als eine schon längere Zeit bestehende 
Knrzathmigkeit zunahm und ihm namentlich das 
Treppensteigen sehr erschwerte, legte er vor wenigen 
Jahren seine Praxis nieder. Mit dem Bewußtsein 
treuester Pflichterfüllung konnte er sich in's Privat 
leben zurückziehen. Zehn Jahre vor seinem Tode 
hat ihn das Vertrauen der Bürgerschaft in die 
städtische Verwaltung berufen, eine Wahl, die in» 
Jahre 1890 aus weitere fünf Jahre erneut wurde. 
Seiner Thätigkeit im Bürgerausschuß hat der 
zeitige Vorsitzende dieser Körperschaft, Kommerzien- 
rath Karl Pfeiffer, in der Sitzung vom 26. März 
Worte der Anerkennung und Hochachtung geliehen, 
die nicht nur den Gesinnungen der einstigen Kollegen 
des Verblichenen entsprachen, sondern aus den» 
Herzen der ganzen Kasseler Bürgerschaft gesprochen 
waren. Ebenso hat der Kasseler Wahlverein der 
dentsch- freisinnigen Partei seinem langjährigen 
Vorstandsmitgliede einen warmen Nachruf gewidmetJ 
in dem er den Verstorbenen preist als ein leuchtendes 
Vorbild jeder Bürgertugend, als in unentwegter 
Treue den liberalen Grundsätzen aus innerster 
Ueberzeugung ergeben, als einen unermüdlichen 
Vorkämpfer für Volkswohl und Volksfxeiheit. *) 
Verheirathet hat sich Schwarzenberg im Frühjahr 
1861, und zwar war es eine Tochter der rothen 
Erde, die er heimführte, eine Tochter Christian 
*)' Auch außer seiner Berufswissenschaft nahm er 
lebhaften Antheil an wissenschaftlichen Bestrebungen. So 
war er seit 1857 ein eifriges Mitglied des Vereins für 
Naturkunde zu Kassel und gehörte Jahrzehnte lang dessen 
Vorstände an.
	        

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