Full text: Hessenland (9.1895)

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Ser Merhoos. 
(Niederhessische Mundart.) 
„Dü Künge, schwinge 1 ), bummelt Üch! 
Der Osterhoos läuft drüßen! 
Morthlischen, Hänschen, Kunnerod, 
Sitt dä öch^) alle nü berot? 
Dann lööft an Goorden 3 ), bummelt Üch, 
Sist äß der Hoos schunt hüßen!^)" 
„Hürroh, der Osterhoos äß do!" 
Sv stürzen se än Goorden. 
„Gvoltdoch litt so, sist lääst hä weck, 
Un schmißt de Äier Üch än Drück!" 
De Eller hickelt hingenoh, 
De Känge wunn nit worden. 
„Der Hoos äß weck, bo äß der Hoos?" 
Fingt's Hänschen on zu krischen. 
„Der kann dos Gooken nit verdrah'nst, 
Lääst glich noh Nahbersch Christian. 
Kumm Hänschen, stich nnrt still ein Grovs, 
Durt, die den Heckenbischen." 
„Io, bans de Eller Hut gesähdst, 
Die weeß doch alles enken'Z". 
Denkt's Hänschen glich, un krischt nit meh, 
lln sicht boxhn, un fingt en Ae?") 
Dos Hut der Hoos dorthin gelähd n ), 
Me sills doch gor nit denken! 
En zwäbbelschollengüäles 12 ) Ae, 
En blolichtes 13 ), en rohres! 
De Hinner^) leng doch wiße bloß, 
Un die sing böngt^ 3 ), dos äß kvrjoß. 
Un schmecken diht son Osterae, 
Zemol u) son scheenes, rohres. 
Krida Ktorck. 
') Ihr Kinder geschwind; fi Leid ihr auch; ch iu den 
Garten; *) schon wieder hinaus; 5 ) ruft, ober schreit; 
s ) Großmutter; 7 ) rufen nicht vertragen; 8 ) hat gesagt; 
genau; 7 °) Ei; ") gelegt; ") zwiebelschaalengelbes Ei; 
'") blaues; ") rothes; ") Hühner; ") bunt; 7 7 ) zumal, 
besonders. 
Aus alter und neuer Jett. 
Die Statue des Landgrafen Karl ans 
deni Karlsplatze zn Kassel. Es war am 
24. Juni 1768, am Tage Johannes' des Täufers, 
als Landgraf Friedrich II. aus dankbarer Er 
innerung zu Ehren seines am 23. März 1730 ver 
storbenen Großvaters des Landgrafen Karl, eines 
der prachtliebendften Fürsten seiner Zeit, dem Kassel 
sehr viel zu verdanken hat, dessen Bildsäule ausrichten 
ließ. Ter Platz hinter der Oberneustädter 
Kirche, der K i r ch p l a tz genannt, war mit einer 
Reihe von Linden umgeben, welche mit einer 
hölzernen, roth angestrichenen Einfriedigung ver 
sehen waren In der Mitte dieses Platzes wurde 
die von einem berühmten Meister, dem Bildhauer 
E. Eggers im Jahre 1686 zu Rom aus 
italienischem Marmor in aufrechter Stellung und 
römischer Kleidung angefertigte, 0 Fuß hohe 
Statue des Landgrafen Karl, welche bisher in 
dem Kunsthause, das vor Erbauung des Museums 
dessen Stelle vertrat, gestanden hatte, aufgestellt. 
Das Piedestal ist ebenwohl 9 Fuß hoch, von 
Sandsteinen angefertigt, und das Ganze mit einem 
eisernen Stallet umgeben, an dessen vier Enden 
in dem Straßenpflaster mit weißen Sandsteinen, 
durch die Buchstaben 0. 8. W. N. die vier Himmels 
gegenden angedeutet werden sollten. Der Platz 
erhielt 1776 zuerst den Namen des Karls 
platzes. Um die Kirche herum befanden sich 
früher die Fleischbänke der ans der Oberneustadt 
wohnenden Metzger, welche in Ermangelung einer 
Fleischschirne hier ihre Waaren zum Verkauf aus 
stellen mußten. Diese Bänke aber sind als mit 
der Würde der Kirche und des Platzes überhaupt 
nicht verträglich, später hinweggeräumt worden, 
und an ihre Stelle nur während beider Messen die 
! zum Verkauf mit Fleischwaaren gefüllten Buden 
getreten. — 
Im Verlauf des siebenjährigen Krieges bei der 
Belagerung von Kassel im Jahre 1 762 war 
ein bedeutender Mangel au Brennmaterial in der 
Festung eingetreten, weshalb der französische 
Kommandant, General von Tiesbach, den Be 
fehl ertheilte, die in der Nähe der Festung be 
findlichen Bäume zu fällen, bei welcher Gelegenheit 
die damals am jetzigen Friedrichsplatze vor 
handene schöne Allee und die Lindenbäume am 
Karlsplatz bis auf vier Stück diesem Schicksal erlagen. 
K a s s e l e r W etter. Tie lange Regenzeit 
im vorigen Jahre und der in diesem Winter 
ungewöhnlich lange anhaltende Frost, der jetzt ja 
Gott sei Tank vor der milderen Witterung den 
Platz geräumt hat, veranlassen uns unseren Lesern 
aus früheren Jahrhunderten einige Beispiele von un 
gewöhnlichen Witterungsverhältnissen mitzutheilen, 
die damals oft Theuerung und Hungersnoth im 
Gefolge hatten. Es hat in Kassel im Jahre 
1221 von Ostern bis znm Herbst ohne Unterlaß 
geregnet. 1271 war ebenfalls ein regnerisches 
Jahr, in Folge dessen eine ungeheure Noth eintrat, 
und das Brot aus den Zapfen der Haselstauden 
und Flachsknoten bereitet werden mußte. Viele 
Menschen starben an Hunger. 1335 hat es nur
	        

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