Full text: Hessenland (7.1893)

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war er Mitglied des Korps Alemannia, das aus 
der Teutonia hervorgegangen war, sich aber nach 
kurzem Bestehen wieder mit dem Stammkorps ver 
einigte. Bei dem Korps Teutonia war Berner 
dritter Chargirter, trat aber im Winter 1842, als 
die Richtung der Verbindung eine andere wurde, mit 
mehreren gleichgesinnten Korpsbrüdern aus der Ver 
bindung und stiftete mit diesen im Februar 1843 
das Korps Marcomannia, das später den Namen 
Hassia annahm und die Farben orange-weiß-roth in 
grün-weiß-roth umwandelte. Um das Korpsleben 
in Marburg hat sich Berner wesentliche Verdienste 
erworben. Er war ein wackerer Kämpe auf der 
Mensur, ein tüchtiger Vertreter der Interessen seines 
Korps im 8. 0., aber auch durch sittlichen Ernst 
und zielbewußtes Streben zeichnete er sich aus. Er 
zählte zu den angesehensten und beliebtesten Studenten 
der alma Philippina. Dem feurigen, für alles Gute, 
Schöne, Edle begeisterten jungen Manne flogen die 
Herzen seiner Kommilitonen zu, er erfreute sich der 
Sympathien nicht nur seiner eigenen Koipsbrüder, 
sondern, man kann es wohl sagen, der ganzen Mar- 
burger Studentenschaft, in ungewöhnlichem Grade, 
und diese Sympathien hielten an bis an seines 
Lebens Ende. Er war ein treuer, aufrichtiger Freund, 
Rechtschaffenheit, Biedersinn und Charakterfestigkeit 
waren Eigenschaften, die ihn zierten, sie spiegelten 
sich wieder in den ausdrucksvollen Zügen seines 
Antlitzes, wie denn seine imponirende äußer 
liche Erscheinung unwillkürlich für ihn einnahm. 
Aber auch ein fleißiger Student war Emmerich 
Berner, der seine Kollegien wohl besuchte und sich 
nicht allein mit dem Studium der Rechtswissenschaft 
begnügte. Seine juristischen Lehrer waren Platner, 
Loebell, Endemann, Vollgraf, von Vangerow, Richter, 
Büchel; bei Sengler und Nehm hörte er philosophische 
und geschichtliche, bei Huber literarhistorische, bei 
Hildebrand staatswissenschaftliche und Volkswirthschaft- 
liche Vorlesungen. Im Juli 184 4 bestand er 
das juristische Fakultätsexamen. Bei seinem Abgänge 
von der Universität bereitete das Korps Hassia seinem 
Ehrenmitgllede Emmerich Berner ein glänzendes 
Komital, wie wohl noch wenige in Marburg vor 
gekommen sein mochten. Den Vorreitern im vollen 
studentischen Wichse folgte ein sechsspänniger Wagen, 
in dem sich der Gefeierte mit dem zeitigen Senior 
des Korps, zur Seite, befand, am Schlage zu 
beiden Seiten mitten Ehrenmarschälle, dann kamen 
vierzehn vierspännige Wagen, in denen die Mitglieder 
des Korps und die Mitkneipanten Platz genommen 
hatten. Der Zug ging durch die Straßen der Stadt 
und dann nach dem benachbarten Orte Bürgeln, wo 
in der Brennemann'schen Wirthschaft nach alter 
Burschensitte das letzte Glas, der letzte Kuß gewechselt 
wurden. 
Nachdem Emmerich Berner im Dezember 1844 
zu Kassel sein juristisches Staatsexamen mit dem 
Prädikate gut bestanden hatte, war er zuerst Praktikant 
an dem Justizamte zu Nentershausen, von da kam er 
nach Sontra und durch Reskript vom 7. März 1849 
wurde er mit der Versetzung der Sekretariats-Geschäfte 
bei dem Obergerichte zu Hanau beauftragt. Bei der 
Aufhebung des Obergerichts zu Hanau im Oktober 
1851 wurde er zum Sekretär des neu gebildeten 
Kriminalgerichts in Schmalkalden ernannt. Der ge 
ringe Gehalt, welcher mit dieser Stelle verbunden 
war, veranlaßte ihn, sich um eine Aktuariatsstelle zu 
melden, die ihm auch im Frühjahr 1855 und zwar 
zu Herrenbreitungen verliehen wurde. Im Jahre 1860 
wurde er in gleicher Eigenschaft an das Justizamt 
zu Grebenstein versitzt, nach der Einverleibung 
Kurhessens in Preußen wurde er im Oktober 1867 
zum Sekretär an das neugebilb; te Königl. preußische 
Kreisgericht zu Fulda ernannt und ihm die Stelle 
eines Kontroleurs und Revisors bei der Kassen 
verwaltung übertragen In Folge der neuen Justiz- 
organisation trat er am 1. Oktober 1879 in den 
Ruhestand. 
In Herrenbreitungen hatte Emmerich Berner 
Fräulein Auguste Ritter, eine Tochter des dortigen 
Rentmeisters I. Ritter, kennen, schätzen und lieben 
gelernt, mit ihr verlobte er sich und fühtte dieselbe 
am 2 Oktober 1860 als Gattin heim. Die Ehe 
war die glücklichste. Vier Kinder sind derselben ent 
sprossen, eine Tochter und drei Söhne. Emmerich 
Berner war ein sorgsamer Familienvater, um das 
Wohl seiner Kinder auf das Eifrigste bemüht, in 
diesem Bestreben wetteiferte seine Gattin mit ihm, 
und so konnte es denn auch nicht fehlen, daß 
zwischen Eltern und Kindern das schönste Verhältniß 
bestand. 
Seit etwa Jahresfrist traten an den einst so rüstigen 
Mann, der sich stets einer dauerhaften Gesundheit 
erfreut hatte, des Alters Mühsal und Beschwerden 
heran, sichtbar nahmen seine körperlichen Kräfte ab 
und nachdem er wiederholt von Krankheitserscheinungen 
heimgesucht worden war, von denen er sich aber immer 
wieder erholt hatte, erkrankte er von Neuem am 
Sonntag den 19. März Nach fünftägigem Kranken 
lager entschlief er am Donnerstag den 24. März, 
Abends 5 Uhr. Seinen Freunden wird der edle 
ehrenfeste Verblichene unvergeßlich bleiben. Er ruhe 
in Frieden! 
N. Z- 
Hessische Sücherschau. 
Die hessischen Pfandschasten im Köl» 
nischen Westfalen im 15. u. 16. Jahr- 
hundert von August Heldmann. Mar 
burg bei N. G. Elwert 1891. Separat-
	        

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