Full text: Hessenland (7.1893)

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nach cinrm Leben voll heißer, mühevoller, aber auch 
mit bestem Erfolge gekrönter segensreicher Arbeit, ein 
ruhevoller, heiterer Lebensabend blühen. 
Dem Generalmajor Kleinhan.s, Kommandeur 
der 7. Infanterie-Brigade, früher kurhessischer Offizier, 
ist bei seinem Uebertritte in den Dispositionsstand 
der Charakter als „Generallieutnant" verliehen worden. 
K. Kleinhans war bis zur Einverleibung Kurhessens 
in Preußen Sekonde-Lreutnant und Bataillons-Adjutant 
im 3. Kurhessischen Infanterie-Regiment, trat dann 
in preußische Dienste, in welchen er seine sehr rasche 
Carrière machte. Sind wir recht unterrichtet, so be 
absichtigt er seinen Wohnsitz in seinem Heimathlande 
Hessen, und zwar in Marburg, zu nehmen. 
Doktor-Jubiläen. Am 16. März feierte 
Dr. Ludwig Ulrich in K as s el sein sechzigjä'hriges 
Toktorjubiläum. Von der medizinischen Fakultät der 
Universitär Marburg wurde ihm zu diesem Tage das 
Dokioediplom erneuert Die Dissertation, auf deren 
Grund er am 16. März 1833 zum Doktor medi- 
zinae Promovnt worden war, handelte „de formatione 
foetus humani rariore. — Am 20. März beging 
der Gymnasial-Oberlehrer a. D. Professor Dr. Eck 
hard Collmann zu Marburg gleichzeitig das 
Fest seines 82. Geburtstages und seines sechzigjährigen 
Doktor-Jubiläums. Reiche Ehrungen wurden dem 
Jubilar zu Theil. Die philosophische Fakultät der 
Universität Marburg, von welcher derselbe am 
20. März 1833 Grund seiner Dissertation „de 
Xenophontis circa ses devinas sententia“ das Doktor 
diplom erhielt, erneuerte dasselbe und ließ ihm durch eine 
Deputation, mit dem Dekane Professor Dr Kayser an der 
Spitze, die herzlichsten Glückwünsche zu dem seltenen 
Doppelfeste darbringen. Auch das Lehrerkollegium des 
MarburgerGymnasiums,demProfessorCollmann länger 
als fünfzig Jahre angehört hatte, war zur Gratulation 
durch eine Abordnung vertreten und gab Gymnasial- 
Direktor Dr. Buchenau in warm empfundenen 
Worten den Gefühlen der Lehrer Ausdruck. 
Universitätsnachrichten. Professor Dr. W. 
Roser in Marburg hat die ihm von den Farbwerken 
in Höchst am Main angetragene ehrenvolle Stellung 
eines Vorstandes vom wissenschaftlichen Laboratorium 
angenommen und wird zu Anfang April die Hoch 
schule Marburg verlassen. 
Wie die „Oberhejsische Zeitung" berichtet, gehört 
zu den Instituten der Universität M a r b u r g, welche 
sich bei der Weltausstellung in Chicago betheiligen 
werden, auch das mathematisch-physikalische 
Institut. Am 28. Januar dieses Jahres e,hielt 
der . Direktor desselben, Geheimer Regierungsrath 
Professor Dr. F. M e ld e, von dem Kultusministerium 
eine Einladung, sich insbesondere mit den von ihm 
erfundenen akustischen Apparaten bei der Ausstellung 
in Chicago zu betheiligen. Infolge dieser Einladung 
gingen am 15. Februar die betr. Apparate in sechs 
Kisten nach Berlin ab und wurden am 10. März 
von Hamburg aus mit dem Dampfer „Baumwall“ 
weiter befördert. Diese Apparate sind folgende: 
„Elektromonochard", „Stimmgabel-Apparat zur Er 
regung stehender Fadenwellen", „Doppelstimmgabel- 
Apparat zur Erzeugnng zweier gleichzeitigen Faden 
wellen,“ „Glockenapparat für Fadenschwingungen", 
„Universalkaleidophon“, „Flammenkaleidophon", 
„Wellenapparat für zwei Flächenschwingungen" und 
noch „Modelle zur Erläuterung der Farben dünner 
Kristallblättchen im polarisinen Licht". Theilweise 
find diese Apparate schon zweimal auf großen Aus 
stellungen gewesen, nämlich im Jahre 1876 auf der 
„Ausstellung wissenschaftlicher Apparate im South- 
Kensington-Museum zu London" und dann im Jahre 
1881 auf der „internationalen Ausstellung für 
Elektrizität in Paris," wonach dem mathematisch 
physikalischen Institute ein Diplom zuging. 
Emmerich Julius Berner f. Am 24. März 
starb zu Fulda nach kurzem Krankenlager im 76. 
Lebensjahre der Kreisgerichts-Sekretar z. D Emmerich 
Julius Berner. Das Hinscheiden dieses in den 
weitesten Kreisen unseres engeren Vaterlandes Hessen 
bekannten, allgemein hochgeachteten und beliebten 
Mannes hat die lebhafteste Theilnahme hervorgerufen. 
Der Verblichene war am 16. Dezember 1817 zu 
Holzheim im Kreise HerSfeld als Sohn des damaligen 
Amtmanns Georg Berner geboren, der im September 
1821 als Landrichter nach Schmalkalden versetzt 
wurde, wo er am 30. Mai 1839 gestorben ist. 
Die Mutter Emmerich Berner's, Katharina Mar 
garetha, geb. Ziegler, ist ihrem Gatten im Tode 
vorausgegangen. Sie starb am 18. Juli 1825 zu 
Schmalkalden. In seiner Jugend erfreute sich 
Emmerich Berner der sorgfältigsten Erziehung im 
elterlichen Hause. Seine Gymnasialstudien machte er 
in Eisenach und Hersfeld. Hier zählte er zu den 
Lieblingsschülern des rühmlichst bekannten verdienst 
vollen Gymnasial-Direktors Dr. W. Münscher. Nach 
gut bestandenem Maturitäts-Examen bezog Emmerich 
Berner Ostern 1840 die Landes-Universität Marburg 
und widmete sich daselbst dem Studium der Rechts 
wissenschaft. Zwei seiner Schwestern waren in Mar 
burg an Professoren der Jurisprudenz verheirathet, 
'die eine an den Vizekanzler Professor Dr. Sigmund 
Loebell, die andere an den Professor Dr. H. E. Ende 
mann. Durch diese Familienbeziehungen wurde er 
bald und auf das Beste in die höheren gesellschaft 
lichen Kreise Marburgs eingeführt. Das frische 
fröhliche Studentenleben, wie es zu jener Zeit in 
Marburg blühte, übte einen mächtigen Reiz auf ihn 
aus, er gab sich demselben voll und ganz hin, ohne 
jedoch die Schranken zu überschreiten, die sich ein 
gesitteter junger Mann schon von selbst zieht. Zunächst
	        

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