Full text: Hessenland (7.1893)

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nach Verfließung derer Zweyen Jahren aber 
dieselbige, Jedoch der pillichkeit nach und leidentlich, 
die gebühr gleich andern mit beytragen, Vndt 
abstatten sollen; Worunter Wir jedoch nicht ver- 
standten haben wollen, dafern sie zu solcher Ihrer 
arbeit, Einen oder andern Vnßerer bereits ange- 
hörigen Bürger oder beysaßen, Vmb tag- odersonsten 
gewissen lohn Ziehen und gebrauchen wollten. 
Wir haben auch dießes mit Ihnen abreden 
laßen, daß, was Sie an Materialien in Vnßeren 
landten erlangen und finden werden können, Sie 
daßelbige Vor antderwärthigen Außländtischen, 
gegen Erstattung billichen Werthes, annehmen 
auch damit befördert werden sollen; Sodann 
auch, daß diejenigen Porzelleinegeschirr, welche 
Wir Zue Vnserer Hoffstadt einkauffen laßen 
werden, in etwas näherem alß dem gemeinen 
Kaufs überlassen werden, auch sonsten gegen 
mäniglich in dieser Vnserer Graffschafft sich eines 
billichen Kausfs benfleißigen sollen. Alles trewlich 
Vndt ohne geführte. Deßen Zur wahren Vhrkunth 
haben wir diesen Freyheitsbrieff mit eigenen Händten 
unterschrieben, Vndt mit Vnferem Gräflichen 
8eoret Jnsiegell bekräfftigen laßen. So geben 
Zu Hanaw dem fünfften Tag Martij anno 1661. 
Friedrich Casimir, 
(L. S.) Gr. Z. Hanaw. 
Ohne auf die Fragen nach den Personalien 
der Unternehmer, nach dem Ort der Anlage der 
Fabrik in Nenhanau und den Produkten ein 
zugehen, sei zunächst nur bemerkt, daß das 
Unternehmen prosperirte. Dies geht hervor aus 
folgendem der Gräfl. Regierung am 9. Nov. 
1675 zugegangenen Memoriale, worin der „All 
hiesige Porzeliainen Bäcker um Prolongation 
seiner freyheit angehalten, weilen er auch fein 
Poroellein machen will." 
Hochgebohrner Grafs, Gnädiger Herr, 
Was die vor vier Zehen Jahren in Ew. 
Hochgräfil. Gnaden Newen Statt Hanaw von 
vnß entsbemeldten lisoviter eingeführte Poroellain- 
Backerey vndt Handtlung deroselben keinen 
schaden, sondern viel mehr nutzen ge 
bracht Vndt noch bringen, darvon 
wird die erfahrung Vndt daß Werk 
selber reden können, indem Wir Zu 
deren Behufs in die 30. Haußgeseß 
daselbsten erhalten, Vndt vor die 
arbeits Leuthe jährlich über 3000 
Rthlr. fournieren vndt herschießen, 
Worbey doch Ew. hochgräfl. Gnaden Wir mit 
höchstem Wahrheitsgrundt versichern, daß wir 
noch zur Zeit nicht allein keinen pronvit von diesem 
noch nicht völlig im schwang gehenden Handel 
genoßen, sondern auch annoch ein starckes Capital 
darinnen stecken haben, ia noch mehr zurückgesetzet 
worden weren, Wofern Ew. hochgräfil. Gnaden 
Vnß nicht zugleich mit einnigen Freyheiten Gnädig 
angesehen vndt mildiglich begäbet hätten, wofür 
wir vntherthäniglichen schuldigen Dank sagen. 
Wenn dann nun, gnädiger Graff vndt Herr, 
berührte Privilegia innerhab Wenig iahren 
exspiriren vnd zu ende laufien, auch ohnedem 
hier vnd da angefochten vnd geschmälert zu 
werden beginnen, Vndt aber Wir diese Manu= 
faktur noch vmb ein Merckliges zu ver 
stärken, Vndt mit einer gantz Newen 
Invention, Wodurch daß feinest e dem 
Chinesischen nicht viel nachgebende 
Porzellain verfertigt wird, zu ver 
mehren intentionirt wären, wofern Vnß nicht 
nur die alte octroy ccmfirmiret, sondern auch ferner 
Gnädige hier Zu hochnöthige Vorschub vergünstiget 
werden möchte: 
Als gelanget ahn Ew. hochgräfil. Gnaden 
Vnser Vnterthäniges Bitten, Sie gnädig geruhen, 
die in Anno 1661, am 5. Martij ertheilte Be- 
freyungen vff Zehen Jahr Weiter hinauß zu 
erstrecken, Vndt diejenige Vnß in Hanaw zu 
stehende Behaußung, Worin die Porzeliainen 
Geschirr gemachet werden, vndt niemandt andres, 
als Vnser Verwalter mit seinen darzu Gehörige 
Wohnen kann vnd soll, denen renovirten vnd 
prolongirten hochgrüfilichen Privilegiis inseriren, 
Vndt einverbleiben zu laßen, auff daß sie gleich 
übrigen zugehörenden Materialien aller Schätzung, 
Vfflagen, Vndt beschwehrdten innerhalb solcher 
Zeit gäntzlich befreyet seyn möge, 
Diese hochgräfil. Gnade/: sonder Welche Wir 
Vnßeren Handel baldt einstellen und abschaffen 
müßen:/ Werden Wir mit vnderthänigl. Diensten 
zu ckemeriron keinen fleiß noch kräften spahren, 
Gott dem Allmächtigen bittende, E. Ew. hochgräfil. 
Gnaden bey allen selbstverlangenden prosperiteten 
lange Zeit erhalten wolle, Vndt damit Ver 
bleibenden 
Ew. hochgräfil. Gnaden 
vnterthänigst Gehorsamen 
Daniel Behagell vnd Jacob van der Walle. 
Diese Eingabe hatte nicht den erhofften Erfolg; 
am 20. Nov. wurde seitens der Grfl. Regierung 
beschlossen, „zumahlen gnäd. Herrschafft solcher 
gestald davon gantz keinen Nutzen, auch die 
Bürgerschafft sich darüber zu beschweren uhrsach 
haben wird", zu empfehlen, daß „Jhro Hochgräfl. 
Gnaden es bey der Vormahls ertheilten Freyheit 
allerdings bewenden, vnd solche weiter nicht 
prolongiren oder extendiren laßen 
möchten." Daß eine so ablehnende Haltung nicht 
lediglich auf sachlichen Gründen beruht haben, 
sondern vielmehr durch Intriguen des damaligen 
Werkmeisters der Fabrik veranlaßt gewesen sein 
mag, gewinnt große Wahrscheinlichkeit dadurch
	        

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