Full text: Hessenland (7.1893)

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lichkeit und der heitersten Laune Platz machte. 
Wie sein Vater, so suchte und fand auch er seine 
Erholung nur im Schooße seiner Familie und 
der Natur. Mit innigem Dank gegen Gott er 
kannte und pries er das Glück, das er als 
Gatte und Vater genoß. Am 3. Weihnachts 
tage 1841 feierte er im Kreise aller Seinigen 
seine silberne Hochzeit. Die Folgen der früheren 
Leiden und allzu anstrengenden Arbeitens machten 
sich mit der Zeit in einem verschlechterten Gesund 
heitszustand fühlbar. Dagegen lebte er ganz 
seinem Berufe. In dem Tagebuch, welches er 
seit seinem 15. Lebensjahr zur eigenen Belehrung 
und Besserung geführt und erst 18 Tage vor 
seinem Tode geschlossen hat, spricht er sich über 
sein Wirken mit edlem Selbstgefühl folgender 
maßen aus: „Das Schulhalten ist für mich wahres 
Bedürfniß geworden, und in keinem andern Stande 
würde ich mich glücklicher fühlen, als in dem 
gewählten. Ich werde arbeiten, so lange ich Kraft 
dazu habe, bin aber auch jeden Tag, jede Stunde 
bereit, wenn Gott es will, mein Arbeitszeug 
niederzulegen und Rechenschaft davon zu geben, 
welchen Gebrauch ich von dem anvertrauten 
Pfand gemacht habe. Mein Wille war immer 
gut, was ich aber doch gefehlt habe, das, hoffe 
ich, wird mir mein gnädiger Vater im Himmel 
verzeihen, dem mein Herz immer vertraut hat 
und auch ferner vertrauen wird im Leben und 
Sterben." 
In ehrender Anerkennung seiner Verdienste 
verlieh ihm die Universität Marburg 1827 bei 
der Feier ihres dritten Jubiläums das Ehren 
diplom eines Doktors der Philosophie. Im Jahr 
1835 ward er zum zweiten Lehrer und Professor 
an dem neu errichteten Gymnasium zu Kassel, 
im Sommer des Jahres 1839 zum Direktor 
des Gymnasiums zu Rinteln ernannt. Den 8. 
Mai 1841 seierte er sein fünfundzwanzigjähriges 
Dienstjubiläum. Von Kassel aus ward ihm zu 
dieser Feier das folgende von Dingelstedt ver 
faßte Gedicht übersandt: 
Jubel-Gruß 
an Dr. Karl Ed. Brauns, Dir. und Professor 
des Gymnasiums in Rinteln, von seinen früheren 
Kollegen O. F. L. Appel, F. Dingelstedt, F. 
A. Dommerich, I. C. Flügel, I. W. Fürstenau, 
C. F. Gayer, E. W. Grebe, C. W. Jacobi, 
W. Jäger, F. E. Lichtenberg, G. Matthias, 
G. W. Matthias, H. A. Müller. E. F. A. 
Rauschenbusch, H. Rieß, L. Schimmelpfeng, A. 
F. A. Theobald, I. H. I. P. Volkmar, L- F. 
Weber, I. Wiegand. 
. . . Ne forte credas 
Interitura! . . . . . 
Horaz. 
Es schwimmt ein Blatt, mit Grüßen reich beladen, 
Stromabwärts mit der Fulda gelber Fluth, 
Zur Weser strebt's auf reichen Wasserpfaden, 
Vertraut in der Najaden treue Hut, 
Und landet an den freundlichen Gestaden, 
Wo Rinteln in dem Schooß der Berge ruht. 
Dort strandet es an Deines Hauses Schwelle, 
Noch feucht, noch zitternd von dem Kuß der Welle. 
Freund, nimm es auf! Du ahnst, was es bedeute, 
Von wannen und warum es zu Dir eilt. 
Die Züge kennst Du: lauter gute Leute, 
Bei denen Du manch lieben Tag geweilt, 
Die mit Dir jubeln, mit Dir schwelgen heute, 
Wie sie die Sorgen einst mit Dir getheilt, 
Und könnten sie, sie kämen selber gerne 
Statt ihres Grußes aus der blauen Ferne. 
Nicht wahr, Du denkst zuweilen noch der Zeiten, 
Da Du mit ihnen, sie mit Dir vereint? 
Und doppelt heute, wo von allen Seiten 
Dein Haus, Dein Heerd, Dein Herz belagert scheint, 
Wo Lieb' und Ehrfurcht feiernd dich umschreiten 
Und Wehmuth ihre Freudenthränen weint, 
Wo von des Festes sonntäglichen Höhen 
Sinnend die Augen in's Vergang'ne sehen! 
Ein halb Jahrhundert! Breite Zeitenspanne, 
Verklärt in der Erinn'rung Mondenlicht! 
Fünf Lustren in des Amtes strengem Banne, 
Im Schweiß und Staub täglich erneuter Pflicht! 
Ziemt nicht an solchem Ziel dem Ehren-Manne 
Der Kranz, der heute Deine Stirn umflicht, 
Wenn er, wie um ihn Raum und Zeit auch gährte, 
Stets stark und treu und redlich sich bewährte? 
Wohl ist der Stab aus schwerem Holz geschnitten, 
Damit ein guter Hirt die Jugend führt; 
Viel hat die Hand gewankt, geglüht, gelitten, 
Die fünfundzwanzig Jahre ihn gerührt, 
Und viel der Fuß, der kühn vorangeschritten 
Und Fremden rechte Pfade ausgespürt, 
Und viel der Geist, der, immer aufgeschlossen, 
In Andere verleugnend sich ergossen. 
So thatest Du! die steilen Weges-Strecken 
Du hast sie leicht und mild zurückgelegt, 
Und mehr noch: um den unfruchtbaren Stecken, 
Der Mosis-Quellen aus dem Felsen schlägt, 
Schlangst Du, das Herz zu laben und zu wecken, 
Der Dichtung Reis, das Frucht in Blüthen trägt; 
Drum ruhet auch, gepflückt in jungen Jahren, 
Noch frisch ein Lorbeerzweig in Deinen Haaren. 
Was kümmert's Dich, daß nicht mit Schaugepränge 
Die größt Welt Dein Jubelfest begeht? 
Im Stillen reift, fern von der lauten Menge, 
Dein Ruhm, nicht prahlend auf- und abgeweht.
	        

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