Full text: Hessenland (7.1893)

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dem Marstaller Platz aufgestellt wurden; jeder 
mann durfte sie benutzen wie die Portechaisen. 
Die Herren Bröckelmänn und Genossen ließen 
sie durch die ganze Stadt fahren, man zahlte l / 4 
Gulden*) für die Fahrt. Auch wurden Stiefel 
putzer ,a I» Royale“ eingeführt, ebenso Eich- 
*) 50 Pfennig. 
Wasserträger, und endlich wurde den Kaufleuten 
aufgegeben, bis 10 Uhr abends ihre Läden er 
leuchtet zu halten. Am 4. Oktober fieng man 
an, den Saal zu erleuchten, in dem die großen 
nnd kleinen Spiegel auf dem Meßhaus unter 
gebracht waren. Auch wurde es untersagt, inner 
halb der Stadt Schweine zu halten. 
^Fortsetzung folgt.) 
Frage und Animort. 
Wann zieht der Frieden in mein Herz hinein? 
Wann höret auf sein oft so stürmisch Schlagen? 
Wo findet's Ruh', wenn's mutlos will verzagen? 
Das arme Herz, mit seiner Lust und Pein. — 
Wo ist der Ort, der alle Qualen endet? 
Der Alles birgt, gleich dem verschloss'nen Herzen, 
Des Lebens Lust, des Lebens Freud' und Schmerzen 
Und endlich mir die ew'ge Ruhe spendet? 
Es ist das Grab, auf das die Scholle fällt, 
Das allen Kummervollen und den Müden, 
Auch mir nicht fern, vielleicht schon bald 
beschicken;— 
Denn dieses ist das letzte Ziel der Welt. — 
Kommt dann der sanfte Abendwind gezogen, 
Dringt durch den Totenkranz ein leises Beben. 
Die Blumen fangen wieder an zu leben 
Und flüstern: „Endlich ruht nun seines Herzens 
Wogen!" — 
ßark Wever. 
Das Hetinalhlarid. 
Wo himmelan sich Hessens Berge heben, 
Wo froh erschallt des deutschen Sängers Lied, 
Wo holde Sagen ihren Schleier weben — 
Im tiefen Schacht des Schatzes Feuer glüht — 
Wo alle Herzen eint der Treue Band. 
Da liegt mein liebes theures Vaterland. 
Ich steh' allein in andachtsvollem Lauschen. 
Sanft schwebt der Abendglocken Klang empor, 
Und in des Frühlingswindes sanftem Rauschen 
Erklingen traute Weisen meinem Ohr. 
Wenn Schmerz die Brust im Weltgetümmel fand : 
Hier werde Frieden ihr — im Heimathland. 
Und wie im Lenzeshauch die Knospen schwellen 
Zieht neues Leben in das Herz hinein. 
Seid mir gegrüßt, ihr klaren Stromeswellen! 
Sei mir gegrüßt, Du Frühlingssonnenschein! 
Ich grüße Dich, Du Stadt am Fuldastrand. 
Du edle Perle in dem Heimathland! 
Doch sollte mich die Macht des Schicksals scheiden 
Von meines Heimathlandes Herrlichkeit, 
Und muß ich fern den Schmerz der Sehnsucht leiden, 
Getrennt vom Orte goldner Jugendzeit: 
Dir bleibt mein ganzes Sinnen zugewandt, 
Land meiner Träume, schönes Heimathland! 
Wenn bang die Trennungsstunde denn geschlagen 
Will ich noch einmal sein auf Hessens Höhn, 
Will ich, wie in des Glückes sonn'gen Tagen, 
Bewegten Blicks auf Flur und Auen sehn; 
Den letzten Gruß winkt bebend meine Hand 
Dem Land der Ahnen, meinem Hessenländ! 
K. K. 
Aus aller und neuer Zeit. 
Aus der Chronik des Wilhelm Buch. 
Heinz von Lüder. 
Um das hessische Vaterland hat sich unter andern 
Familien die der Buch hochverdient gemacht, aus 
welcher mehrere bedeutende Männer im Civil- und 
Militärdienst hervorgingen. Der älteste Buch, von 
welchem wir etwas Genaueres wissen, war Johannes 
Buch, Lehrer des nachherigen Landgrafen Wilhelm IV. 
Er ist noch in hohem Alter fürstlicher Bibliothekar 
und Rathsherr in Kastei gewesen. Sein Sohn 
Wilhelm ging in hessendarmstädtische Dienste, ward 
ähnlich seinem Vater Lehrer der landgrästichen Kinder 
und später Hospitalsverwalter in Hofheim. Dieser 
W. Buch ist ein „besonderer Liebhaber“ alter und 
neuer Geschichte gewesen und hat auf Befehl des 
Landgrafen Georg I. eine, hessische Chronik wohl aus 
mehr als 500 Seiten bestehend in Folio geschrieben, 
ohne den Willen sie drucken zu lasten, „so daß das 
Stück von Philipp dem Großmüthigen an bis auf's 
Jahr 1625 pro areana liistoria zu halten sei.“ 
(Strieder 2—6. S. 52) 
In dieser'. Buch'schen Chronik, die neuerdings in 
einer darmstädtischen Zeitung (1891) zum Abdruck 
gebracht worden ist, liest man allerdings viel Unbe 
deutendes, doch hat sie auch Partien, welche den ge 
duldigen Leser ansprechen, so vorzüglich folgende Stelle,
	        

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