Full text: Hessenland (7.1893)

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Newe Fabric oder Manufactur dießer orthen 
einführen würden, einige Jahr Freiheit Von 
allen bürgerlichen beschwehrden grg. Verordnet, 
Vnd wir ohne daß Zu dießer Statt allezeit 
Vnsere sonderliche Vnderthänige Affection ge 
tragen, So wehren wir wohl entschloßen, solche 
Nwe Vnd dießer Landen niemahlß ge 
übte Negoti /:durch welche keinem einzigen 
Menschen der geringste Eintrag oder Nachtheil 
nicht geschicht, Sondern Vielmehr die bürgerliche 
Nahrung Vnd gewerb gebeßert, auch selbst Ge 
meiner Statt Ruhm Vnd aufnehmen befördert 
wird:/ alhier in dießer löblichen Newen statt 7 ) 
Frankfürt a. M. für die Anlage in Aussicht genommen 
Am 21. Febr. 1661 wurde daselbst im Rath ein Gesuch 
beider verlesen, „Ihnen allhier eine Feuerstätte und Pur 
cellain-Backerey auf 20 Jahre zu vergönnen." Die That 
sache, daß sie schon nach wenigen Tagen sich nach Hanau 
wandten, beweist, daß in Frankfurt Schwierigkeiten ent 
standen waren. Wann am letzteren Orte eine Fayence- 
fabrik in Betrieb gesetzt wurde, ist noch unermittelt; die 
Angabe des Jahres 1650 im Hanauischen Magazin scheint 
mit Rücksicht ans vorstehendes irrig zu sein. 
7) Ueber die Gründung der Neustadt Hanau vgl. m. 
Junghans, Kurze Geschichte der Stadt und des 
Kreises Hanau rc. S. 29 ff. Daselbst sind auch die den 
Einwanderern, welche größtentheils aus im Jahre 1555 
aus der Heimath vertriebenen Wallonen und Niederländern 
ahnzufangen, Vnd daß darzu nothwendige er 
forderte Oaxitbal, welches im ersten Jahr Vnder 
6000 fl. nit würdt sein können in die wag zu 
stellen. 
Wofern dieses Privilegium Vnd Freyheit zu 
erhalten: 1) daß in denen nächst nacheinander 
folgenden fünf Vnd Zwantzig Jahren dergleichen 
Porcelain Backerey, Niemanden anderst als Vns 
Vnd den Vnsrigen in dieser Statt Vnd gantzen 
Grafschaft Hanau ahnzurichten erlaubet, 2) die 
darzu gehörige Materialien Vnd Materiata mit 
keiner beschwehrung deß ein- Vnd ausführens 
belegt, Vnd 3) Vnserem Zu solcher schwehren 
Arbeit bestelten Verwalter Vnd feinem Gesinde/: 
nach Verfließung abgedachter grg. Verwilligter 
befreyungs-Zeit:/ gegen erlegung Zimblicher und 
gebührenden Schutzgeltes Von allen Bürgerlichen 
Beschwehrden alhier zu wohnen Verstattet, Vnd 
über solcheß alleß Schriftlichen darzu benöttigter 
Schein Vnß ertheilt werde. 
(Fortsetzung folgt.) 
bestanden, die sich seitdem in Frankfurt a. M. niedergelassen 
hatten, jetzt aber auch dort in der freien Religionsübung 
gehindert wurden, durch die sog. Kapitulation vom 1. Juni 
1597 zugesicherten Freiheiten angegeben. Ueber die in 
Folge derselben zu Hanau entstandenen Fabriken findet sich 
näheres ebenda Seite 85 ff. 
j-^-F 
Agsseler Kagesneuigkeitlm aus dem 18. Jahrhundert. 
Von Otto Gerland. 
(Fortsetzung.) 
nfangs 1774 wurden zur Durchführung der 
Kleiderordnung Besichtigungen in den einzel 
nen Häusern vorgenommen, sie erwies sich aber 
als undurchführbar. Nicht besser erging es dem 
erneuerten Verbote des Kaffees, „das niemand 
verhinderte, ihn zutrinken, und dem der Schoko 
lade." 
Im Frühjahr starb der Leibneger des Land 
grafen , nachdem er vorher getauft worden war. 
Vom 20 — 24 Mai erfror alles Obst. 
In der Unterneustadt fand eine Hochzeit statt, 
„die wie die der Lapither endigte" und 
sehr traurige Folgen nach sich zog. Ein Bäcker 
aus der Unterneustadt heirathete eine Tochter des 
Stallschreibers Wenderot h. Die Gesellschaft 
war sehr zahlreich, und abends kam ein betrun 
kener Offizier vom rosenrothen Regiment, der 
ein Freund der jungen Frau gewesen sein 
sollte, hinzu und wurde unverschämt. 
Einige Bürger, namentlich der Gerber Pinhard 
und der Sohn des Mühlenmeisters Engelhard 
fielen deshalb über ihn her und schlugen ihn. 
Als der Offizier den Degen ziehen wollte, wurde 
er die Treppe hinunter geworfen, wo er einem 
Polizeidiener begegnete, der ihm Degen und 
Portepee abnahm, ihn durchprügelte und im Koth 
herumwälzte. Als er auf der Erde lag, wurde 
er noch sehr mißhandelt. Der Offizier erhielt 
einige Zeit Arrest, die Bürger wurden, nachdem 
sie sich auf der Polizei sehr unverschämt verant 
wortet hatten, in der Goldkammer *) eingesperrt, 
und es wurde dann Engelhard zu 9 Monaten 
Festung, Pinhard zu 6 Monaten Zuchthaus 
verurtheilt. 
Bald darauf machte eine andere Skandalgeschichte 
von sich reden. Die sich damals am kasseler 
Hof aufhaltende Prinzessin Soubise hatte als 
Hausmeister einen gewissen Fevé, der früher 
Advokat zu Nancy gewesen war. Da dieser 
sein Amt schlecht verwaltete, so beauftragte die 
Prinzessin den in hessischen Diensten stehenden 
Hauptmann Du moni damit, Fevé Rechnung 
*) Dem bürgerlichen Gefängniß im alten Rathhaus an 
der Fischgasse.
	        

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