Full text: Hessenland (7.1893)

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außerhalb der ehemaligen Grafschaft Hanau 
wohl kaum verbreitet gewesenen Wochenschrift ist 
auf Seite 128 als „Vierter Beitrag zu der 
Geschichte der Fabriken und Manufakturen in 
Hanau" folgendes eingerückt: 
„Von der Fayence-Fabrik, aus den von 
ihr selbst mitgetheilten Nachrichten." 
„Als noch in ganz Deutschland keine Fayence 
oder ordinäres Porzellain fabrizirt wurde, so 
errichteten zwei ansehnliche Kaufleute aus den 
Niederlanden eine dergleichen Fabrike im Jahre 
1650 in Frankfurt am Main. Durch eben die 
selben wurde hernach eine in der hiesigen Neu- 
Stadt errichtet, welche in kurzer Zeit in besten 
Flor kam, da sie auch von dem damals regierenden 
Grafen zu Hanau mit ansehnlichen Freiheiten 
beschenkt wurde. Vor ohngefähr 70 Jahren hat 
sie Simon van Aphen an sich gekauft, dessen 
Nachkommen und Erben sie noch bis jetzt mit 
der größten Sorgfalt fortgeführt haben. Ob 
nun zwar unterdessen sehr viele dergleichen 
Fabriken in Deutschland entstanden sind, so hat 
doch die hiesige jederzeit wegen ihrer Ordnung 
und wegen ihrer schönen und guten Waare in 
einem guten Ruf gestanden, und noch jetzt ver 
sendet sie ihre Waare in alle Gegenden Deutsch 
lands. Landgraf Wilhelm VIII. zu Hessen, der' 
ein besonderes Augenmerk auf diese Fabrike ge 
habt hatte, hat sie deswegen mit vorzüglichen 
Freiheiten begnadigt?) die alle von unserm 
gegenwärtigen theuersten Landesfürsten bestätigt 
worden sind. 
Vor Zeiten, da wenige dergleiche Fabriken in > 
unseren Gegenden vorhanden waren, haben zu- | 
weilen 50 und mehrere Arbeiter in derselben | 
gearbeitet. Gegenwärtig arbeiten noch in der 
selben 21 Leute." 3 * 5 6 ) 
Als vorstehendes vor einer Reihe von Jahren 
zur Kenntniß des Verfassers gelangt war, konnte 
2) Zn Folge des am 26. Zuli 1643 mit der Landgräfin 
Amalia Elisabeth von Hessen-Kassel, einer ge 
borenen Gräfin von Hanau, abgeschlossenen Erbver 
trages gelangte im Zahre 1736 nach dem Aussterben des 
Hanauer Grafenhauses die Stadt Hanau mit den ehemals 
Münzenbergischen Landen an Hessen. Der spätere Land 
graf Wilhelm VIII., damals Statthalter seines Bruders 
Friedrich, welch' letzterer zugleich König von Schweden 
war, übernahm die Regierung der Grafschaft und hielt am 
25. April 1736 seinen Einzug in Hanau. 
3) Obenstehendes ist offenbar die Quelle für die sich in 
Gädicke, Fabriken- und Manufacturen-Adreß- 
Lexikon von Teutschland (Th. II. S. 214) findende 
Mittheilung über die Hanauer Fayencefabrik gewesen und 
dürfte es auf diesem Wege dann auch die Grundlage für 
die Angaben in Jännicke's Grundriß geworden sein. 
er sofort eine ihm bekannte Markes als die 
van Alphens deuten und darauf hin sein syste 
matisches Sammeln von. Hanauer Fayencen be 
ginnen. Behufs Feststellllng der Geschichte der 
Manufaktur blieb er auf die im Königl. Staats 
archiv zu Marburg a. L. vorsindlichen Urkunden, 
welche lediglich äußere Verhältnisse der Fabrik, 
namentlich Ertheilung und Verlängerung des 
Privilegs betreffen, angewiesen. Von befreundeter 
Seite ihm zugestellte Kopien und Auszüge aus 
den Rathsprotokollen von Neu-Hanau ergaben 
nichts von Belang. Aus den eigentlichen Fabriks 
akten, d. h. Rechnungen, Lohnbüchern, Brand 
zetteln, Waarenverzeichnissen u. dgl. scheint leider 
nichts vorhanden zu sein. Trotzdem konnte aus 
den Marburger Archivalien die nachstehends zum 
Abdruck gelangendeSkizze zusammengestellt werden. 
Eine vom Verfasser veranlaßte Durchsicht der 
Hanauer Kirchenbücher lieferte die Namen einer- 
großen Anzahl in der Fabrik beschäftigt ge 
wesener Personen; sie gelangen am Schlüsse des 
Aufsatzes in alphabetischer Reihenfolge mit den 
anderweit ermittelten zur Mittheilung. 
Der Beginn der Hanauer „Porzellaiu-Backerey" 
datirt, wie oben schon bemerkt, aus dem Jahr 
1661; am 1. März jenes Jahres gelangte an 
den Rath der Neustadt Hanau folgendes 
Gesuch um die Gestattung der Anlage?) 
Edel, Ehrenvest Vnd Wohlgelührt, Ehrsam, 
Fürsichtig Vnd Wohlweiße dießer Newstatt Hauaw 
Wohlverordnethe Herrn Schultheiß, BürgerMeister 
vnd Rath Erg. HvchgeEhrte Herrn rc. 
Ew. E. F. vnd Wohlgeb. geben wir die 
endtßvnderschrieben hiermit Vnderdienstlichen zu 
erkennen, Waß maßen wir Vns vorgenommen 
eine Newe Vnd dießer Landen bishero 
ohn bekannte P o r c e 1 a i n Backer ey ahn 
zurichten, Zu welchem ende wir bereits Von 
langer Handt Vndterschiedtliche großer onkosten 
Vnd Reißen nacher Niederlandt Vnß Dnder- 
fangen Vnd nunmehro So weit damit kommen, 
daß nur allein der orth wo wir solche Backerey 
anstellen mögten noch nit resolvirt haben?) 
Nachdeme dan wir berichtet worden, ob hetten 
E. E. F. Vnd Wgb. allen denen die Einige 
4 ) Nr. 1352 in Jännicke's Markenverzeichniß ; daselbst 
aber ebenso, wie bei Jacquemart, les merveilles de 
la ceramique. (Paris 1871) T. III. p. 209 verkehrt ge 
lesen. In Grässe. Guide de l’amateur de porcelaines 
et de poteries (Dresden 1873) findet sich die Marke (Nr. 
370) auch verkehrt abgebildet und auf Rouen bezogen, 
während die anderen Autoren sie wenigstens unter den 
deutschen Marken aufführen. 
5) Wie hielten es für zweckmäßig, diese ältesten auf die 
Gründung der Fabrik bezüglichen Urkunden ihrem ganzen 
Wortlaute nach hier mitzutheilen. 
6) Die endesunterzeichneten Bittsteller, Daniel Be 
haghel nnd Jakobus van der Walle, hatten zunächst
	        

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