Full text: Hessenland (7.1893)

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in den Steigbügel nnb werde von dem wild 
dahinrennenden Ganl über das Feld in das 
Dorf hinein bis vor den Stall geschleift. Mein 
einfältiger Bursch bindet inzwischen erst sein 
Pferd an einen Baum fest und läuft dann mir 
nach, als schon keine Möglichkeit mehr da ist 
mein unbändiges Roß einzuholen. Ich lag, 
während mich das Pferd schleifte, Anfangs auf 
dem Hinterkopfe, hatte aber noch Ueberlegung 
genug mich herumzudrehen und die Hände vors 
Gesicht zu halten. Diesem Umstand allein verdanke 
ich meine Rettung, da der ungeschützte Hinterkopf 
gewiß zerschmettert worden wäre; der Vorderkopf, 
dem die Nase als Schntzmaner diente, konnte 
schon eher einen Stoß vertragen. Merkwürdig war 
es, daß ich noch kurz vorher, ehe mir die Be 
sinnung schwand, keine größere Besorgniß hegte, 
als der Vater möchte'.mich nach diesem Vorfall 
so bald nicht wieder ausreiten lassen. — Vor 
seinem Stalle blieb mein Pferd stehen, und 
herzukommende Soldaten machten mich von ihm 
los und brachten mich auf mein Bette. Ich war 
ohnmächtig und blieb in diesem bewußtlosen 
Zustand fast zwei Tage. Das Kinn war ge 
spalten, das Gesicht, besonders die Nase, zerrissen, 
der Kopf hatte mehrere tiefe Löcher, und das 
linke Schienbein war ganz zerschmettert. So 
fand mich mein Vater, den ein Eilbote ans 
Ziegenhain geholt hatte, so fand mich die Mntter, 
welche am Tage darauf von Treysa gekommen 
war und deren Thränen, als ich erwachte, ich 
durch die Versicherung zu stillen suchte, daß ich 
mich recht wohl befände und bald wieder der 
Parade beiwohnen zu können hoffte. Wie hatte 
ich mich verrechnet! 
(Fortsetzung folgt.) 
Geschichte der Worzellainsabrik in Hlm-Kanau.^ 
Von Professor <£. N. v. Drach. > 
n der keramischen Litteratur hat seither die 
in der Ueberschrift genannte Fayence - Fabrik 
trotz ihres fast 150 Jahre andauernden Be 
stehens — sie wurde im Jahr 1661 gegründet 
und endigte im ersten Dezenium unseres Jahr 
hunderts — kaum mehr als eine namentliche 
Erwähnung gefunden.') Dadurch, daß in der 
selben verfertigte und mit dem vollständigen 
Ortsnamen bezeichnete Stücke hier und da in 
Sammlungen sich finden, sowie ab und zu im 
Antiquitätenhandel vorkommen, erschien zwar 
die einstige Existenz der Manufaktur erwiesen, 
für die Geschichte der deutschen Keramik war 
*) Mit Genehmigung des Herrn Verfassers und des 
Herrn Verlegers der in Leipzig erscheinenden, von Paul 
Ludwig herausgegebenen „Deutschen-Töpfer-Zeitung" 
entnommen. 
r) In Jännicke, Grundriß der Keramik wird nur 
folgendes über dieselbe mitaetheilt: „In Hanau bestand 
etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts ab eine von 
zwei Niederländern errichtete Fayence-Fabrik, welche An 
fangs des *18. Jahrhunderts auf Simon van Alphen 
übergegangen ist. Ueber die Erzeugnisse derselben Näheres 
ausfindig zu machen, ist mir bis jetzt nicht gelungen." 
Das daselbst mit Vorbehalt als Hanauer Marke (M. V. 
1279) mitgetheilte Zeichen dürfte wohl eher ein etwas 
eigenthümlich mißrathenes Spezimen der Offenbacher 
Marke (M. Y. 1359) sein. 
Wodurch von Schorn in dem als LXV. Band von 
„D as Wissen der Gegenwart" erschienenen Schrist- 
chen-. „Die Kunster'ze'ugnisse aus Thon und 
Gl as" dazu veranlaßt wurde, a. S. 108 zu sagen: „Vor 
zügliche Arbeiten lieferten außerdem Hanau und Höchst", 
blieb uns unerfindlich. 
damit jedoch wenig gewonnen; es fehlte jeder 
Anhalt, nm eine bestimmte Fabrikmarke für 
Hanan in Ansprach nehmen und daraufhin 
sonstige Hanauer Fabrikate konstatiren zu können. 
Wären Hanauer Marken bekannt, so hätte sich 
wenigstens ein ohngefährer Schluß auf die 
Leistungen der Fabrik, d. h. den Umfang ihres Be 
triebes und die Beschaffenheit ihrer Erzeugnisse 
machen lassen; die wenigen mit „Hanau" signirten 
Stücke reichten dazu nicht aus. Am Orte selbst 
ist nach dem Eingehen des Etablissements die 
Erinnerung daran in verhältnißmäßig kurzer 
Zeit fast gänzlich verloren gegangen. Wie Ver 
fasser , welcher seine Jugend in Hanau verlebte, 
aus Erfahrung weiß, dachte daselbst, wenn, was 
noch häufig geschah, das stattliche Wohnhaus des 
früheren Fabrikherrn mit den angrenzenden, jetzt 
gleichfalls zu Wohnräumen eingerichteten Arbeits 
gebäuden, „die Porzellainfabrik" genannt 
wurde, kaum jemand mehr daran, daß vor nicht 
gar zu langer Zeit dort Töpferscheiben und 
Brennöfen in Betrieb gewesen seien, und von 
in den besseren Haushalten noch vorhandenen 
Tellern, Schüsseln und Tassen das eine oder 
andere Stück daselbst angefertigt sein könne. 
Daß die Hanauer Fayencerie bezüglich ihrer 
Geschichte und Erzeugnisse eingehendere Nach 
forschungen verdient, wird einleuchtend beim 
Lesen nachstehender, im „HanauischenMaga- 
zin" über sie gemachten Mittheilungen. In 
dem im Jahre 1784 erschienenen Band VII der
	        

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