Full text: Hessenland (7.1893)

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Generation: a. Prinz Heinrich von Preußen, Bruder- 
Wilhelms II., deutschen Kaisers und Königs von 
Preußen 1888 mit Irene, Tochter Großherzogs 
Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein, und endlich 
d. Prinz Friedrich Karl von Hessen 1893 mit 
Margarethe Tochter Friedrichs III., deutschen Kaisers 
und Königs von Preußen." 
Aus Heimath und Fremde. 
(H es s e n d enkma l in Esch Wege). Das 
Comite, welches zu Eschwege die Ausführung 
des Hessen-Denkmals in die Hand genommen 
hat, ist nunmehr dem „Wie?" der Ausführung näher 
getreten. Unter den beiden Projekten Obelisk oder 
Löwe hatte von vornherein das letztere den größeren 
Beifall gefunden, und waren dieserhalb entsprechende 
Schritte gethan worden. Bildhauer Deutsch mann 
in Erfurt hat einen Entwurf eingesandt, der einen 
schlummernden Löwen darstellt, welcher auf einem 
einfach gehaltenen Postamente ruht. Derselbe würde 
aus gutem Sandstein hergestellt werden. Das Denkmal 
ist dem in der Karlsaue zu Kassel ähnlich, zeigt aber 
schärfer ausgeprägte Züge und würde, wenn es zur 
Ausführung kommt, ein prächtiger Schmuck der An 
lagen in Eschwege und der Stadt selbst ein schönes 
geschichtliches Erinnerungsmal werden. Zur Deckung 
der Kosten sind allerdings noch ein paar hundert 
Mark nöthig. Doch wird sich gewiß noch mancher 
bereit finden, einen Beitrag zu spenden, wie es auch 
eine große Anzahl auswärts wohnender Kinder unserer 
Stadt gethan haben, so daß die Ausführung baldigst 
in Angriff genommen werden kann. (Hess. Bl.) 
Viktor, Herzog von R a t i b o r. Am 
30. Januar verschied auf Schloß Räuden im schlesischen 
Kreise Rybnik in seinem 75. Lebensjahre der Herzog 
Viktor Moritz Karl Franz von Ratibor, Fürst 
von Corvey, Prinz zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillings- 
fürst, Präsident des preußischen Herrenhauses und 
General der Kavallerie ä la suite der Armee. Der 
Tod dieses Fürsten weckt alte Rotenburger Erinnerungen 
auf, da derselbe, wie die »Hessischen Blätter" melden, 
nicht nur in Rotenburg geboren war, — im Gotha- 
ischen Hofkalender wird freilich Langenburg als sein 
Geburtsort bezeichnet —, sondern seine Herrschaften 
in Schlesien und an der Weser einst landgräflich 
hessen-rotenburgischcr Besitz waren, und der Verblichene, 
der stets ein mildthätiger und leutseliger Herr war, 
sein Lebenlang für die Rotenburger Armen viel gethan 
hat. Prinz Viktor Moritz Karl Franz von Hohen 
lohe-Waldenburg - Schillingssürst, Herzog von 
Ratibor und Fürst von Corvey war geboren 
am 10. Februar 1818 als der älteste Sohn des 
Fürsten Franz Joseph und der Constantia, geb. Prinzessin 
von Hohenlohe-Langenburg, einer Schwester der zweiten 
Gemahlin des letzten, in drei Ehen kinderlos ge 
bliebenen Landgrafen Viktor Amadeus von 
Hessen-Rotenburg. Dieser letzte Landgraf 
von Hessen-Rotenburg besaß das ehemals reichs 
unmittelbare, später österreichische, durch den Breslauer- 
Frieden (1742) an Preußen abgetretene und von 
diesem im Jahre 1822 zum Mediatfürstenthum erhobene 
Fürstenthum Ratibor, welches er in dem letztge 
nannten Jahre als Entschädigung erhalten hatte für 
seine 1815 an Preußen abgetretenen Besitzungen in 
der niedern Grafschaft Katzenelnbogen (Hessen-Rheinfels) 
und in Hessen-Kassel, Abtretungen, die Preußen dann 
wieder gegen nassauische und hannoverische Gebietstheile 
austauschte. Auf Grund desselben Tauschrechtes 
besaß der Landgraf seit 1820 auch die säkularisirte 
gefürstete Benediktiner-Abtei Corvey a. d. Weser. 
Als der Landgraf am 12. November 1834 zu 
Zembowitz in Schlesien am Schlagfuß gestorben und 
mit ihm die männliche Deszendenz des Hauses Hessen- 
Rotenburg erloschen war, fand es sich, daß er die 
Fürstenthümer Ratibor und Corvey testamentarisch 
seinem Neffen, dem Prinzen Viktor Hohenlohe, vermacht 
hatte. Obwohl die kurhessische Negierung diese 
testamentarische Verfügung im Prozeßwege anfocht, 
vermochte sie doch kein obsiegendes Erkenntniß zu er 
zielen, und der Prinz trat nach seiner Mündigkeits 
erklärung (1840) die Erbschaft an und wurde auf 
Grund derselben von König Friedrich Wilhelm IV. 
von Preußen zum Herzog von Ratibor erhoben. 
Gleich ihm haben auch seine jüngeren Brüder ihre 
Kindheit zum großen Theile am Rotenburger Hofe 
unter den Augen ihrer Tante, der wegen ihrer 
Mildthätigkeit noch heute in Rotenburg gepriesenen 
Landgrüsin Elise (ft 6. Oktober 1830), verlebt. Der" 
nächst jüngere Bruder ist der frühere bayerische 
Ministerpräsident, jetzige Statthalter von Elsaß-Loth 
ringen, Fürst Chlodwig Hohenlohe, welcher nach der 
Rotenburger Erbschaft des ältern und dem im Jahre 
1845 erfolgten Ableben eines jüngeren Bruders 
die alte Hohenlohe'sche Familienherrschaft Schillings 
fürst im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken 
übernahm. Der folgende Bruder, Prinz Gustav, 
ist der zur Zeit des Kulturkampfes viel genannte 
Kardinal Hohenlohe, und der dritte, Prinz Kon 
stantin, war bis vor Kurzem der Oberhofmeister 
des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich. In 
Rotenburg hörte man immer mit einem gewissen 
lokalpatriotischen Stolze von der glänzenden Laufbahn 
dieser Hohenlohe'schen Prinzen, deren Spiele im dortigen 
Schloßhofe und deren Spaziergänge auf der Schloß 
bleiche sich die ältesten Rotenburger noch sehr wohl 
erinnern können".— 
Die politische Thätigkeit des Herzogs Viktor von 
Ratibor erstreckt sich hauptsächlich auf seine Mitglied 
schaft des preußischen Herrnhauses, des deutschen 
Parlamentes in Erfurt und des deutschen Reichstags. 
Noch nicht dreißigjährig wurde er Mitglied der Herren
	        

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