Full text: Hessenland (7.1893)

39 
Aus alter und neuer Zeit. 
Blücher's Vater, hessischer Rittmeister. 
In der Leipziger ,'Jllustrirten Zeitung" las ich jüngst 
aus der Feder des Herrn v. Winterfeld, als man 
des vor 150 Jahren geborenen Feldmarschalls und 
Fürsten, der uns vom „Feinde losriß", gedachte, 
daß der Vater unseres Helden Hessen Kasselscher Ritt 
meister gewesen ist. Soweit es mir möglich war, 
suchte ich mich nun über die Beziehungen Christian 
Friedrich Blücher's (dies der Vorname des Vaters), 
der am Ende des 17. Jahrhunderts in's Leben 
gekommen war, genauer zu unterrichten. Es wäre 
mir sehr erwünscht gewesen, wenn mein Nach 
forschen das Resultat gehabt hätte: Blücher, der 
Vater, wäre ein geborener Hesse gewesen, der 
hier im Lande einer Familie Pflüger oder Pflücker 
entstammte, diesen Name aber mit dem schöner 
lautenden Blücher vertauschte. Die Sache verhält 
sich aber anders, als ich ausfindig zu machen hoffte. 
Dr. Fr. Wigger, dessen Schrift.- „Geschichte der 
Familie Blücher" ich im Allgemeinen als meine 
Quelle benutze, macht über Herkunft und Leben des 
Vaters Blücher's folgende Mittheilungen, die 
schwerlich weiter ausgeführt oder vervollständigt 
werden können: 
Die Blücher sind ihrer Herkunft nach deutschen 
Blutes und Lüneburgische Ministerialien 
gewesen Alle Linien haben in Niederdeutschland 
gewohnt. Blüchers Vater, Christian Friedrich, 
ist im Jahre 1696 zu Kirchmuldom geboren und 
ist frühe in ein Mecklenburg - Schwerinisches Reiter 
regiment eingetreten. Er hat in diesem einen Feldzug 
in die Ukraine mitgemacht, wohin der Herzog 
seine Armee geschickt. Am 24. Februar 1727 
aber ist er als Rittmeister in das Hessen- 
K asseis che Reiterreg im ent Prinz Maximilian 
eingetreten. Als solcher hat er ohne Zweifel unter 
diesem Prinzen (und dessen Brüdern), der ein Sohn des 
Landgrafen Karl von Hessen-Kassel war und ein 
Bruder des Gemahls der schwedischen Königin Ulrike 
Eleonore, Friedrichs, des Besiegers Tallard's 
bei Hochstädt, Feldzüge mitgemacht. Der Rittmeister 
Blücher erlebte in Hessen 1730 den Tod des Land 
grafen Karl. Friedrich, der in der hessischen Ge 
schichte als Friedrich I. aufgeführt wird, besuchte 
mehrmals die hessische Heimath und verweilte da 
selbst einige Zeit, z. B. 1731, und es läßt 
sich vermuthen, daß der Rittmeister Chr. Fr. Blücher 
zu dem Schwedenkönig Friedrich in Beziehungen ge 
standen, vielleicht ihn auf einer Reife nach Wismar, 
welches damals schwedisch war, als Adjutant begleitet 
hat. Im Jahre 1731 verheiratete sich Blücher, 
der Vater, mit Dorothea Marie von Both zu 
Totenwinkel, allein die junge Frau folgte dem 
Gemahl nicht nach Hessen, wohin derselbe Zurück 
kehrte, sie blieb ini elterlichen Haus. Blücher bekleidete 
jetzt in Hessen die Stelle eines Regimentsquartier- 
Meisters. Daß von Ausländern der Dienst im 
hessischen Militär vielfach gesucht wurde, beweisen 
uns die Wutginau, Donop, Schliessen, Knyphausen 
bis herab zu Radowitz, welcher im Jahre 1821 in 
Kassel Kapitain war. Was wir schließlich noch von 
dem Vater unseres Blücher erfahren, ist eine freilich 
in's Dunkel gehüllte Katastrophe, welche ihn zur 
Flucht genöthigt hat. Sie fand in Marburg 
statt. Es ist nämlich eine Familiensage, 
daß Chr. Fr. Blücher wegen einer Duellaffaire 
mit tödtlichem Ausgang, bei welcher er sekundirt 
hatte, im Jahre 1737 Marburg, seine Garnison, 
in großer Eile verließ. — Da als Mutter des am 
16. Dezember 1742 zu Rostock geborenen Gebhard 
Leberecht Blücher eine geborene von Bülow genannt 
wird, so ist Chr. Fr. Blücher mehr als einmal 
verheirathet gewesen. — Wir Hessen rechnen es uns 
übrigens zur Ehre, daß der Vater Blücher's im 
hessischen Militärdienst hessische Ehre und Tapferkeit 
(das blinde Hessenthum) sympathisch kennen gelernt 
und denkbarer Weise das hessische Vorwärts auf den 
Sohn vererbt hat. 0. Hh. 
Aus Heimath und Fremde. 
Am 25. Januar fand im Residenzschlosse zu 
Berlin die feierliche Vermählung des Prinzen 
F riedrich Karl von Hessen mit der Prin 
zessin Margaretha von Preußen, der 
jüngsten Schwester des Kaisers Wilhelm II., unter 
zahlreicher Betheiligung von Fürstlichkeiten statt. 
Nachmittags 4 l / 2 Uhr wurde nach vorausgegangener 
standesamtlicher Trauung in der Schloßkapelle die 
kirchliche Vermählung durch den Generalsuperintendenten 
Dr. Dryander vollzagen. Es folgte dann große 
Cour im weißen Saale, Ceremonientafel im Ritter 
saale, bei welcher der Kaiser das Wohl der Neu 
vermählten ausbrachte, und zum Schlüsse im weißen 
Saale der herkömmliche Fackeltanz. Aus Hessen 
war, wie die Kreuzzeitung berichtet, zu den Vermählungs 
feierlichkeiten eine Deputation der althessischen Ritter 
schaft, bestehend aus dem Vice-Marschall und Kammer 
herrn Freiherrn Hans von Malsburg - Escheberg, 
Obervorsteher und Kammerherrn Freiherrn Hugo 
von Dörnberg und Kammerherrn Freiherrn Rabe 
von Pappenheim-Liebenau in Berlin eingetroffen. 
Am 30. Januar hielt das neuvermählte fürstliche 
Paar seinen feierlichen Einzug in Schloß Philippsruhe, 
um dort einige Zeit zu verweilen und dann später 
seine Residenz in Schloß Rumpenheim zu nehmen. 
Die am Montag den 30. Januar abgehaltene 
Monatsversammlung des „Vereins für 
hessischeGeschichteundLand es künde- war 
zahlreich besucht. Der Vorsitzende Bibliothekar Dr. 
H. Brunner eröffnete dieselbe mit einer kurzen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.