Full text: Hessenland (7.1893)

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Während der Gastgeber froh war, mit einem 
anderen hinzutretenden Herrn ein Gespräch be 
ginnen zu können, das ihn gegenüber dem jungen 
Dichter aller beruhigenden Erklärungen überhob, 
blickte dieser der schlanken Gestalt nach, so lange 
er sie in dem bunten Schwarm der Gäste ver 
folgen konnte. Dann fuhr er mit der Rechten 
ein paar Mal durch sein welliges dunkelblondes 
Haar und mackte eine Bewegung, als ob er 
etwas von sich abschütteln wollte. Warum sollte 
er auch solchen thörichten Gedanken nachhängen? 
Trotz ihrer herben Aufrichtigkeit, die er höher 
schätzte als die Lobsprüche der Andern, war es 
ja doch nur vornehmes Wohlwollen gewesen, was 
sie ihm von jeher entgegen brachte. Dennoch 
freute er sich auf die nahe bevorstehende Auf- 
j führung seines Schauspiels, das, falls nicht alle 
Zeichen täuschten, ihren schönen Lippen das heiß 
ersehnte Lob abringen mußte. Freilich, wenn es 
so weit war, dann hatte ein Anderer, ein Be 
vorzugterer als er selbst, schon viel Beglückenderes 
von diesem holden Munde gehört und genossen! 
Franke durfte daran nicht denken. Um sich zu 
zerstreuen, machte er einigen jungen Damen 
eifrig den Hof, fuhr aber immer erschrocken zu 
sammen, wenn seine Blicke zufällig den schönen 
dunklen Augen der Baronesse Susanna begegneten. 
Sie ruhten viel öfter auf ihm, als er ahnte, 
suchten aber immer schnell einen anderes Ziel, 
sobald er einmal unwillkürlich zu ihr hinübersah. 
(Fortsetzung folgt.) 
Trügerische Sterne. 
O Sternenhimmel mit deiner Pracht. 
Mit deinem Glanze, so lieb und traut, 
Wie hab' ich so oft in heimlicher Nacht 
Zu dir bewundernd emporgeschaut! 
Und freute ich mich an deinem Schein, 
So wunderherrlich, so tröstlich mild, 
Dann zog mir Vertrauen in's Herz hinein 
Und zeigte mir freundlicher Tage Bild. — 
Die Nacht enteilte, der Tag brach an, 
Viel Wolken zogen im Sturme daher, 
Der Kampf um's Leben wieder begann —, 
Und oben blinkte kein Sternlein mehr. 
tz. Wefner. 
Das einsame Mädchen. 
Ich bin in uieinem Stübchen , im lieben Heim, 
allein, 
Ruh' aus von schwerer Arbeit nun bei der 
Lampe Schein. 
Das alte Hausgeräthe steht traulich um mich 
her, 
Es wurde, mich zu trennen von ihm, mir einst 
zu schwer. 
Die Bilder an den Wänden all meine Lieben 
sind. 
Du, Mütterlein, vor allen winkst freundlich 
Deinem Kind. 
Es ist so still und friedlich. — Die Hände 
feiern nicht, 
Sie sticken Zweig und Blüthen in's feine Leinen 
dicht. 
Und die Gedanken wandern weit in die Welt 
hinaus 
Und bleiben endlich stehen bei einem fernen 
Haus. 
Ich seh' ein hohes Zimmer, mir ist es wie ein 
Traum, 
Und eine Hausfrau waltet gar sorglich in dem 
Raum. 
Sie richtet her für Zweie das Mahl mit 
Emsigkeit 
Und stellt zum warmen Feuer den weichsten 
Stuhl bereit. 
Und ist so froh geschäftig, man merkt sie thut 
es gern, 
Thut sie's doch für den Einen, der immer bleibt 
noch fern. 
Nun endlich hört sie Schritte, sie eilt, so schnell 
sie kann, 
Läßt innig sich umfangen von dem geliebten 
Mann. 
Er ist für mich kein Fremder, hab' früher ihn 
geseh'n, 
Da träumte ich verwegen, so sollt' mir einst 
geschehen — 
Will denn das Licht verlöschen, wird's dunkel 
um mich ganz? 
Ach nein, nur bitt're Thränen verschleiern seinen 
Glanz. 
Hmlkle Scheet.
	        

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