Full text: Hessenland (7.1893)

35 
~SS> 
1 Thl. 19 Alb. der gemeinen Bürgerschaft 
damals zue Bier gegeben". 
So erhalten ferner Bürgermeister und Raths 
mitglieder „Zehrungsgeld", wenn sie die Ge 
schosse erheben, oder wenn sie auf den Markwald 
(das Beuerholz) gehen, um zu sehen, was dort 
der Winter für Schaden angerichtet hat oder 
was für Atzung (Eicheln für die Schweine) 
darauf sei, wenn sie die ungebotenen Gerichte 
abhalten oder die Gemarkung begehen. Bei 
Abhörung und Schließung der Stadtrechnung 
gebühren den Herren sogar 4 Thl. 
Unter dem Titel „Ausgabe Geld ins 
gemein. Summa 79 Thl. 19 Alb. 8 Hell." 
finden sich auch einige interessante Notizen. 
Wie bescheiden damals die Ansprüche waren, 
beweist die Summe, die der Raths-Schößer 
Hans Gerlach und der Stadtschreiber liquidiren, 
als sie als „Abgefertigte" zum Landtage 
8 Tage in Kassel gewesen sind. Sie haben 
in der Herberge an Schlafgeld und anderem 
4 Thl. gebraucht. Während einer zweiten 
Landtags-Periode verzehren der Bürgermeister 
und der Stadtschreiber in 13 Tagen gar nur 
3 Thl. 18 Alb. 
„8 Alb. den Pögeltäntzern *) von Niedenstein 
verehrt. 
8 Alb. den Pölgeltenzern von der Lichtenau 
verehrt. 
1 Thl. dem Buchdrucker zu Kassel wegen 
3 Exemplaren der Tanz-Beschreibunge des Einzugs 
Landgrafs Otten." 
Für das Kleinmachen einer Klafter Holz 
zahlte man 6 Alb. 
Dem fürstlichen Kammer-Secretarius Mäuschen 
verehrt der Rath zur Hochzeit 2 harte Reichs 
thaler. 
Die Bademutter (die Hebamme, die man 
in Felsberg sonst Eltermutter nennt) erhält aus 
der Stadtkasse 1 Thl. 6 Alb. und aus dem 
Gotteskasten ebensoviel. 
Dem Gn. Fürsten und Herrn, sowie dem 
Landgrafen Otto sammt deren beidenGemahlinnen 
verehrt der Rath am 31. Juli 8 Viertel Wein. 
*) Was es mit den Pögel- oder Pölgeltänzern für 
eine Bewandtniß hat, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht 
kann mir Jemanv darüber Auskunft geben. 
Aus den Zinsen (— 20 Thl.) eines Kapitals 
von 400 Thl., das Pfarrer Hermann Bone zu 
Gudensberg. Henne Rode zu Felsberg und die 
gewesenen Bürgermeister Johann Fincke und 
Henrich Thomas daselbst zu Gottes Ehren 
gestiftet hatten, wurde alljährlich unter die 
Armen graues Tuch vertheilt, das Bürger 
meister und Rath dies Jahr von Thomas 
Bender in Melsungen gekauft haben. 
2 Alb. werden einein Studiosus, der sich im 
Hause des Bürgermeisters aufhält, verehrt. — 
9 Alb. erhält ein Edelmann, der auf dem 
Wasser Schaden erlitten, 6 Alb. ein anderer, 
der von Türken geplündert worden ist. — 2 Alb. 
schenkt man zwei Personen ans Frankreich, 
1 Alb. 6 Hell. einem armen Manne, mit der 
„schweren Plag" beladen, 1 Alb vier siechen 
Männern, „so hier umbgesungen". 
Besonders häufig verlangen und erhalten 
Brandbeschädigte Unterstützungen. 
3 Alb. verehrt der Rath einem lahmen 
Schulmeister, so scheube (schiefe) Füße gehabt. 
Von der Verpflichtung, dem Gn. Fürsten und 
Herrn 2 Reisige zu halten, ist die Stadt 
entbunden worden. Die Pferde hat man ab 
geschafft; jedoch müssen die beiden Designirten, 
Hans Gerlach und Konrad Löber, stets zum 
Dienste bereit sein, auch die Ausrüstung der 
Pferde in guter „Besserung" halten. 
Die Besoldungen waren herzlich gering. 
Es erhielten der Bürgermeister des Raths 2 Thl., 
der Gemeine Bürgermeister 2 Thl., die beiden 
Schößer 4 Thl. Der Schulmeister bekommt 
jährlich — in 2 Terminen zu zahlen — 5 Thl.; 
ebensoviel steht ihm aus dem Hospital und dem 
Gotteskasten zu. Dafür sollen aber die Bürgers 
kinder kein Schulgeld bezahlen. Der Stadtknecht 
hat eine Besoldung von 5 Thl. 17 Alb., der 
Förster erhält 6 Thl. 13 Alb., die beiden 
Wächter 11 Thl. 24 Alb., ferner 1 Thl. zu 
Schuhen, der Flurschütz 2 Thl., das höchste 
Gehalt mit 23 Thl. 6 Alb. hat der Stadt- 
schreiber, dem auch die meiste Arbeit zufiel. 
„Summa Summarum aller AusgabeGeldt dieses 
Registers 492 Thl. 9 Hell. Jnnahm und Aus 
gabe verglichen, übertrifft Einnahm die Ausgabe, 
und bleiben die Schößere in Stadt-Rechnung 
schüldigk 78 Thl. 12 A 
lb. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.