Full text: Hessenland (7.1893)

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gerundeten Kulturbilde des vorigen Jahrhunderts. 
Daß dabei der Erbprinz, spätere Landgraf 
Friedrich II. von Hessen schlecht wegkommen würde, 
war vorauszusehen; doch wird eine gerechte Kritik 
diesen echten Jünger frivoler Voltaire'scher und 
falsch verstandener Rosseau'scher Ideen nicht allein 
unter dem Gesichtswinkel ehelicher und streng- 
religiöser Moral betrachten dürfen; im Zeitalter 
Friedrich's des Großen galten beide in fürstlichen 
Kreisen recht wenig. Und für das Hessenland, 
besonders Cassel ist sein Wirken nach den Greueln 
des siebenjährigen Kriegs unvergeßlich segensreich ge 
wesen. Seiner religiösen Duldsamkeit und Gleich 
gültigkeit gegenüber wäre in unseren Tagen die grau 
same Härte Wilhelm's VUl. ebensowenig am Platze 
gewesen als die völlige Absonderung seiner Ge 
mahlin; doch andere Zeiten, andere Sitten. In 
Dr. Meyer's Buche wird neben dem Seelenleben 
der Maria naturgemäß der Erziehungsgeschichte ihrer 
drei Söhne, von denen der älteste 1821 als erster 
Kurfürst von Hessen starb, ein breiter Raum ge 
widmet. Wir können allen Kurhessen, besonders 
auch der Frauenwelt dies Buch als Festgeschenk 
angelegentlichst empfehlen. Auf dasselbe kommen 
wir ebenso wie aus Münscher's hessische Geschichte 
in Kürze eingehend zurück. Dr. Seekig. 
Aböls Liebreich, Assistent am mineralogischen 
Institut der technischen Hochschule Karlsruhe, 
Beitrag zur Kenntniß des Bauxits 
am Vogelsberge. (42 S. mit 3 Taf.) 
Gießen 1891. 
Bauxit nannte der französische Mneraloge 
Berthier ein in der Mhe von les Baux unweit 
Arles in Südfrankreich nahe der Rhonemündung 
vorkommendes kompaktes, erdiges Gestein, das im 
Wesentlichen aus amorphem Thonerdehydrat und 
Eisenoxydhydrat neben geringen Mengen von Kiesel 
säure, Titansäure und Kalk besteht. 
Auch in Deutschland haben sich später Fundorte 
für dieses Gestein ergeben, nämlich Mühlbach bei 
Hadamar und zwei hessische Gegenden: Kleinstein 
heim bei Hanau und außerdem als reicher Fundort 
der Westabhang des Vogelsberges. Die Unter 
suchung des Vogelsberger Bauxit bildet den Gegen 
stand des vorliegenden Merkchens, und zwar 
lieferten speziell folgende hessische Fundstätten das 
Material: der rothe Hang bei Garbenteich, die 
Grube am Schäserling bei Lich, der Einschnitt der 
Eisenbahn Laubach-Hungen im Walde südwestlich 
von Villingen, Grube am Firnwald nahe der 
Straße Annerod-Steinbach. 
.Sowohl Untersuchungen zahlreicher Dünnschliffe 
wie chemische Analysen, welche letzteren den Bauxit 
als ein im Wesentlichen z. Th. amorphes, z. Th. 
krystallinisches Thonerdehydrat feststellen, erbringen 
den Beweis, daß, was bisher nur vermuthet worden 
war, der Bauxit Umwandlungsprodukt basaltischen 
Gesteins bedeutet, insbesondere beweisen die Dünn 
schliffe. daß der Bauxit eine wirkliche vollkommene 
basaltische Struktur, speziell die Struktur aname- 
sitischer Basalte, besitzt. 
Das in Rede stehende Gestein gewährt, wie wir 
hinzufügen wollen, nicht bloß ein rein wissen 
schaftliches Interesse, sondern ist auch von prakti 
schem Werthe: es findet Verwendung bei der 
Cementfabrikation (bereits im Jahre 1882 hat 
L. Roth in Wetzlar eine Schrift „Der Bauxit 
und seine Verwendung zur Herstellung von Cement" 
erscheinen lassen) und ist auch zur Gewinnung von 
Aluminium, dem jetzt schon vielfache Anwendung 
findenden „metallischen Pappendeckel", ein beachtens- 
werthes Material. A. 
Dr. Theodor Petersen, Ueber den Anamesit 
vonRüdigheim beiHanau und dessen 
bauxitische Zersetzungsprodukte. — 
In „Jahresbericht des Physikalischen Vereins 
zu Frankfurt a. M.", S. 108—116. Frankfurt, 
Raumann, 1893. 
Verfasser hat den Basalt der an der Südspitze 
unseres Hessenlandes, östlich von Rüdigheim 
liegenden ausgedehnten Steinbrüche, die als Fund 
orte von schönen Einschlüffen (Hyalith, Halbopal 
und Zeolithe) allgemein bekannt sind, einer erneuten 
chemischen Analyse unterzogen, da die bisher 
darüber angestellten Untersuchungen ihm nicht ein 
gehend genug erschienen. Ohne über die Resultate 
hier näher zu referiren, was doch nur Fachgelehrte 
interessiren würde, sei nur kurz erwähnt, daß der 
Typus der untersuchten Basalte ziemlich genau 
demjenigen entspricht, welchen Professor Streng- 
Gießen von den Anamesiten der Gießener Gegend 
gegeben hat (28. Bericht der oberhessischen Ge 
sellschaft für Naturkunde in Gießen, 1891). 
In einem zweiten Theil der Arbeit bespricht 
Verfasser dann das Vorkommen von Bauxit in 
dem Rüdigheimer Basalt, der an vielen Stellen 
durch einen Umwandlungsprozeß entweder in 
thonigten Bauxit oder, wenn mehr Kieselsäure 
zurückgehalten wurde, in röthlichen oder grauen 
bauxitischen Thon übergegangen ist. A.
	        

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