Full text: Hessenland (7.1893)

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Geschichtsforschung dringend und bestens empfohlen 
werden: 
Geschichte von Hessen. Für Jung und Alt 
erzählt, von Dr. Friedrich M uns eher, weil. 
Gymnasialdirektor in Marburg. Verlag von 
N. G. Elwert in Marburg. 1894. 6 M. 
Dieses Buch, von dem schon fünf Lieferungen, 
bis 1816 für Kurhessen gehend, vorliegen, wurde 
anfangs von mir als überflüssig und einem besseren 
den Weg verbauend angesehen; doch bei näherem 
Einsehen gewann es immer mehr an Werth, 
obwohl die letzte Ausseilung des in hohem Alter 
verstorbenen Verfassers an manchen Stellen ver 
mißt wird. 
Da die Hehler'sche Geschichte aus Quellen 
zweiten, ja dritten Ranges schöpft und die durch 
v. Stamsord besorgte zweite Auflage des z. Zt. 
— ebenso wie die Werke von Wenk, Rommel 
und Reh m, die alle unvollendet blieben, — ver 
alteten Buches von Röth erst mit Philipp dem 
Großmüthigen wirklich Neues und für Kurhessen 
einen recht guten Schluß bietet, dagegen leider Hessen- 
Darmstadt völlig ausschließt, während die 
dortigen Darsteller ihrerseits Hessen-Cassel bei 
Seite lassen, so läßt sich das Fehlen einer hand 
lichen hessischen Geschichte für weitere Kreise nicht 
mehr verneinen. Lieferung 1 geht bis zum Tode 
des Landgrafen Otto (1328) und erledigt knapp, 
aber völlig klar die erstell drei Hauptstücke (die 
älteste Zeit — Hessen als Glied des Franken- 
reiches — Zeit der Zerstückelung unb Unselbst 
ständigkeit) sowie den Abschnitt 1 des IV. Hauptstücks, 
die Erhebung zur Laudgrafschaft: Heinrich I. und 
seine Söhne Johannes unb Otto. . . . Lieferung 2 
ist voll selbstständiger Gedanken bis S. 144 in 
der Geschichte der Landgrasschast von 13,28--1409, 
namentlich unter Hermann dem Gelehrten. Darm 
folgt das V. Hauptstücks: die Zeiten Philipp's 
und seiner Söhne (1509 — 1604), das erst am 
Schluß von Lieferung 3 auf S. 263 mit Philipp's 
Tode (1567) schließt und erst S. 280 zum 
Jahre 1604 kommt. Neben selbstständiger Dar 
stellung, die namentlich die unselige Doppelehe 
genügend würdigt, gefällt das Hervorheben des 
allgemein Kulturhistorischen. Das VI. Haupt 
stück llmfaßt die Seiten 281 —372 und heißt: „Der 
fast fünfzigjährige Streit zwischen den Enkeln unb 
Urenkeln Philipp's des Großmüthigen." Es braucht 
fast den ganzen Raum der Lieferung 4 und thut 
deutlich dar, daß die Geschichte Hessen-Cassels von 
der Darmstadts nicht zu trennen ist. Hauptstück VII 
geht von 1650 — 1789 in etwas flüchtigerem 
Tempo, obwohl Landgraf Karl nicht uneben in 
Licht- und Schattenseiten herausgekommen ist. 
Doch stört eine Menge leicht zu entfernender Druck 
fehler den Genuß der Darstellung nicht wenig; 
auch nimmt die Beurtheilung der Subsidienverträge 
einen gesünderen Standpunkt ein, als es bisher dem 
freilich durch frivole Angriffe verbissenen hessischen 
Partikularismus möglich war. Vom Hauptstück VIII, 
das bis 1866 gehen soll, liegt auf den Seiten 
445—480 zur Zeit nnr die Geschichte Hessen- 
Cassels und des westfälischen Zwischenreiches 
vor, doch können wir trotz aller Mängel, die 
hauptsächlich im Fehlen der letzten Ueberarbeitung 
durch den greisen Verfasser und in zu schneller 
Herausgabe zu suchen sind, diese Geschichte 
Hessens von Münscher als die zur Zeit beste 
zum Festgeschenk empfehlen. 
Eine ausführliche Kritik müssen wir uns nach 
Abschluß des Werkes jedoch bis in die Einzelheiten 
noch vorbehalten.*) 
Cassel, 14. Dezember 1893. 
Dr. Seekig. 
Sagenkranz aus Hessen-Nassau und der Wart 
burg-Gegend von Carl Hehler. Zweite, be 
deutend vermehrte und verbesserte Allslage. 
• Cassel (Gustav Klaunig) 1894. 
Dieses vor wellig Jahren in erster Auslage 
erschienene Büchlein hat sich, abgesehen von zahl 
reichen, allch einer günstigen Besprechung im 
Hessenland, mit Recht schnell viel Frellnde erworben, 
und sticht die neue Auslage durch Allsscheiden 
unechter Sagen unb bessere Fassung anderer 
Vortheilhaft von ihrer Vorgängerin ab. 
Auch äußerlich eignet es sich durch seine geschmack 
volle Ausstattllng vorzüglich zur Weihnachtsgabe 
für Jilng unb Alt. 
Maria, Landgräfin von Hessen, geborene 
Prinzessin von England. Ein Beitrag zur 
Sittengeschichte des achtzehnten Jahrhunderts 
von Dr. Erich Meye r. Gotha (Friedrich 
Andreas Perthes) 1894. 
Dieses auf Grund aller erreichbaren Materialien 
gezeichnete Lebensbild erweitert sich in der Pros. 
Lorenz'schen Art der Geschichtsbetrachtung zu einer 
anziehenden, psychologischen Skizze und einem ab- 
*-) Soeben erscheint Lieferung 6 als Abschluß des 
Bandes, der Kurhessen bis 1866 und das Großherzogthum 
bis 1871 schildert, sodaß das vollendete Werk gerade noch 
zu Weihnachten zu recht kommt.
	        

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