Full text: Hessenland (7.1893)

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Starck. Geboren war derselbe 1825 zu Kassel 
als Sohn des nachmaligen Generalmajors C. F. 
Starck. Er widmete sich der militärischen Lauf 
bahn, besuchte die Kadettenanstalt zu Kassel, wurde 
1845 Lieutenant im 1. kurhessischen (Leib-) 
Husarenregiment, wurde 1851 zum Premierlieutenant 
und Regimentsadjutant befördert und 1859 zum 
Rittmeister ernannt. Nach der Einverleibung 
Hessens in Preußen trat er zunächst, als Rittmeister 
und Eskadronches in das Dragonerregiment Nr. 16 
ein, wurde 1868 zum Major befördert, 1869 als 
etatsmäßiger Stabsoffizier in das 2. schlesische 
Dragonerregiment Nr. 8 versetzt, in welchem er 
den Krieg gegen Frankreich. 1870/71 mitmachte. 
1873 wurde er zum Oberstlieutenant befördert. 
Am 16. Oktober desselben Jahres wurde er zum 
Brigadier in der dritten Gendarmeriebrigade in 
Berlin ernannt, und am 22.-März 1876 wurde 
ihm der Charakter als Oberst verliehen. 1881 
trat er in den Ruhestand und verblieb zunächst 
in Berlin. Während eines längeren Aufenthaltes 
in Italien ereilte ihn zu Neapel der Tod. Oberst 
von Starck war ein sehr tüchtiger Offizier, all 
gemein hochgeschätzt und beliebt wegen seiner vor 
trefflichen Charaktereigenschaften. 
Am 24. November wurden zu Cincinnati 
(Ohio) im Krematorium die Gebeine eines Mannes 
in Asche verwandelt, der eine bewegte, ereigniß- 
volle Vergangenheit hinter sich hatte. Es war 
der Maler Johann Aubery, der nach kurzer 
Krankheit im Alter von 84 Jahren dort ver 
storben ist. Er entstammte einer alten Hugenotten 
familie, die sich in Kassel niedergelassen hatte, 
wo er am 13. August 1810 geboren wurde. 
Der Knabe zeigte schon frühzeitig bedeutende 
Anlagen zum Zeichnen und Malen und erhielt eine 
ausgezeichnete Ausbildung. Bald erregte er durch 
seine Arbeiten Aufsehen, und als Jüngling von 
etwa 20 Jahren wurde er an den kurfürstlichen 
Hof zu Kassel berufen, wo er als Künstler hoch 
geschätzt wurde. Seine großen Fähigkeiten und 
die Protektion des kurfürstlichen Hauses ebneten ihm 
die Wege, und im Jahre 1838 begab sich der erst 
25jährige Künstler an den Hof Louis Philippus nach 
Paris. Dort erkannte man rasch sein Talent, und 
der kunstsinnige König beehrte ihn nicht nur mit 
Aufträgen, ihn selbst und andere Mitglieder seiner 
Familie zu malen, sondern schickte ihn auch zu 
Studienzwecken nach Belgien, Italien und Deutsch 
land. Da kam das Revolutionsjahr 1848, und 
Louis Philipp mußte fliehen. Aubery schloß sich 
nicht dem Könige an, sondern begab sich nach Rom, 
wo er fünf Jahre verblieb. Aus Veranlassung von 
Verwandten kam er 1853 nach Cincinnati. Neben 
zahlreichen Skizzen brachte er ein größeres Bild, 
„Hiob im Kreise seiner Freunde", mit, das als 
ein Kunstwerk hohen Ranges berühmt wurde. Bald 
nach seiner Ankunft machte Aubery die Bekanntschaft 
eines Fräuleins Adele von Lang aus Stuttgart, 
die er als Gattin heimführte. Aubery widmete 
sich hier zuerst allein der Porträtmalerei, und nur 
in seinen Mußestunden arbeitete er an anderen 
Werken. Seit dem Tode seiner innig geliebter: 
Frau, die vor zwei Jahren aus der Kabelbahn 
verunglückte, lebte Aubery in Zurückgezogenheit. 
Trotz seines hohen Alters war Aubery bis zuletzt 
in seiner Kunst thätig, und zahlreiche Skizzen und 
ein prächtiges Gemälde, „Die Frau Nero's" dar 
stellend, zeugen von seinem unermüdlichen Schaffens 
drang und seinem künstlerischen Können. (Voss. Ztg.) 
Hessische Bücherschau. 
Vom Weihnachtstisch e. Zu Weihnachts- 
gaben gestatten wir uns folgende poetischen Werke 
hessischer Autoren ganz besonders zu empfehlen: 
Gedichte von D. S a u l. Deutsche Verlags 
anstalt, Stuttgart. 
„Aus allerlei Tonarten." Verdeutschte 
spanische und eigene Lyrik von Otto 
Braun. Stuttgart, I. G. Cottaffche Buch 
handlung. 
„Heimathliche Bilder und Gestalten", 
von Carl Pr es er. Marburg, Verlag von 
Oscar Ehrhardt. 
„Fides" von Anna Weidenmüller, Leip 
zig, Verlag von Georg Wigand. 
Spanische Lieder von Gustavo Adolfo 
Becquer. Deutsch von Richard Jordan. 
Halle, Verlag von Otto Händel. 
„A u s g e w änderte." Roman von H. K ei s e r- 
Jordan. Stuttgart, Verlag von W. Kohl 
hammer. 
„Baalsopfer." Novellen von M. Herbert, 
Köln am Rhein, Verlag von I. P. Bachem. 
Zuur diesjährigen Weihnachtsfeste können nach 
folgende drei Bücher, von denen eingehende Be 
sprechungen in Vorbereitung sind, nach genauer 
Durchsicht und Prüfung allen Freunden heimischer
	        

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