Full text: Hessenland (7.1893)

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Paläographie zu legen, durch welche er sich später 
auszeichnen sollte. Nach absolvirtem philologischen 
Fakultätsexamen trat er 1850 bei der Landes 
bibliothek in Fulda als Praktikant ein. Schon 
nach kurzer Zeit wurde ihm von dem kurhessischen 
Ministerium der ehrenvolle Austrag zu Theil, 
eine Neukatalogisirung der Bibliothek vorzunehmen. 
Mit größtem Fleiße und Verständniß unterzog er 
sich dieser Ausgabe und vollendete seine Arbeit, 
die er nach dem Muster der Marburger Universitäts 
bibliothek ausführte, in verhältnißmäßig sehr kurzer 
Frist und in vortrefflicher Weise. So konnte es 
denn auch nicht fehlen, daß er nach dem am 
24. April 1856 erfolgten Tode des Bibliothekars, 
Professors Philipp Wehner, zum Bibliothekar der 
Fuldaer Landesbibliothek ernannt wurde. Mit 
der größten Bereitwilligkeit, Gefälligkeit ltrtb 
Freundlichkeit ist er stets allen entgegengekommen, 
die in Bibliotheksangelegenheiteu seinen Rath ein 
holten imd seine Dienste in Anspruch nahmen. 
Diese Eigenschaften fanden auch allgemein die ver 
diente Anerkennung. Großen Schmerz machte es 
ihm, als im Jahre 1874 das Fuldaer Landes 
archiv mit seiner berühmten Sammlung von 
Karolinger-Urkunden, das mehrere Jahre in den 
Räumen der Landesbibliothek aufbewahrt worden 
war und unter seiner Leitung gestanden hatte, 
aus höheren Rücksichten nach Marburg verbracht 
wurde, um dort mit dem Staatsarchiv vereinigt 
zu werden. — Bon Jugend an kränklich, hat 
Amand von Keitz doch eine lange Reihe von 
Jahren einen ganz außerordentlichen Fleiß ent 
wickelt, bis ihn sein zunehmendes Alter veranlaßte, 
bei seiner vorgesetzten Behörde, dem Landes 
direktorium in Kassel, um die Bestellung eines 
Bibliothekar-Gehilfen nachzusuchen^ welche Bitte 
ihm auch vor vier Jahren bereitwilligst gewährt 
wurde. — Mit literarischen Arbeiten ist Amand 
von Keitz nur selten in die Oeffentlichkeit getreten. 
In früheren Jahren hatte er die Absicht, eine 
Geschichte des Hochstists Fulda herauszugeben. 
Er hatte dazu die umfassendsten Vorstudien ge 
macht, unb es ist sehr zu bedauern, daß er seinen 
Plan nicht zur Ausführung gebracht hat. Kleinere 
Aufsätze von ihm sind in Fach- und Zeitschriften 
enthalten, so u. a. in unserem „Hessenland" 
Jahrg. 1890 (Nr. 14 u. 15) ein Artikel über 
die 0oäi668 Bonifatiani in der Landesbibliothek 
zu Fulda. Trotz seiner Kränklichkeit hat 
Amand von Keitz, Dank der liebevollen, auf 
opfernden Pflege seiner Nichte, einer ebenso edel 
sinnigen wie feingebildeten Dame, das hohe Alter 
von 7572 Jahren erreicht, ein Fall, der gerade 
bei dem Leiden, von dem er von Zeit zu Zeit 
heimgesucht wurde, wohl einzig in seiner Art da 
steht. — Alle, die den Verblichenen gekannt 
haben, werden ihm auch über das Grab hinaus 
ein treues, ehrenvolles Andenken bewahren. R. i. p. 
Am 22. November starb nach kurzer Krankheit 
im 67. Lebensjahre zu Schmalkalden der 
Bürgermeister, Major a. D. Friedrich Adolf 
Brack. Geboren am 25. Juni 1827 zu Schmal 
kalden als Sohn des Gendarmerierittmeisters 
Konrad Brack, widmete er sich der militärischen 
Laufbahn. Nach Absolvirung der Kadettenschule 
zu Kassel wurde er 1846 Lieutenant im 3. kur 
hessischen Infanterieregimente, machte den Feldzug 
in Baden mit, wurde 1854 zum Premierlieutenant 
befördert, 1860 als Lehrer an die Kadettenschule 
versetzt, 1864 zum Hauptmann im 1. kurhessischen 
(Leib-) Infanterieregiment ernannt und im Früh 
jahr 1865 in den kurhessischen Generalstab ver 
setzt. Im Jahre 1866 begleitete Hauptmann 
Brack den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von 
Hessen in die Gefangenschaft nach Stettin. Nach 
seinem Uebertritte in preußische Dienste war er 
zunächst dem großen Generalstabe in Berlin zu 
getheilt und wurde im Herbst 1867 als Haupt 
mann und Kompagniechef in das 58. Infanterie 
regiment nach Glogau versetzt. Als Major und 
Bataillonskommandeur im Landwehrbataillon Kosten 
machte er den Krieg von 1870/74 mit. Bei der 
Belagerung von Metz wurde er verwundet. Mit 
dem eisernen Kreuze geschmückt, kehrte er aus dem 
Kriege heim und wurde 1871 als Bataillons 
kommandeur in das Füsilierregiment Nr. 37 nach 
Schrimm versetzt. 1874 nahm er seinen Abschied 
und ließ sich in seiner Vaterstadt Schmalkalden 
nieder. 1883 wurde er zum Bürgermeister der 
Stadt Schmalkalden gewählt, und nach der acht 
jährigen Amtsdauer erfolgte 1891 seine Wieder 
wahl. Er war eine lange Reihe von Jahren 
Abgeordneter des Kommunallandtags und von 
demselben zum stellvertretenden Mitglied des Landes 
ausschusses gewählt worden. Auch dem Kreis 
ausschusse in Schmalkalden gehörte er als Mit 
glied an. Wie Major Brack ein strammer, tüchtiger 
Offizier war, so war er auch ein sehr rühriger, 
thatkräftiger Bürgermeister, dem das Wohl der 
Stadt stets am Herzen lag und der sich um die 
selbe wohlverdient gemacht hat. Mag er sich auch 
durch sein militärisches Wesen manche Gegner 
schaft zugezogen haben, so war man doch ein 
stimmig in der Anerkennung seines offenen, geraden 
und biederen Charakters. Friede seiner Asche. 
Zu Neapel verschied am 23. November un 
erwartet an einem Gehirnschlage in seinem 68. 
Lebensjahre der Oberst z. D. Friedrich von
	        

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