Full text: Hessenland (7.1893)

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im königlichen Museum zu Kassel sür seine Zwecke 
thätig. Er hat seither namentlich die im Marburger 
Staatsarchiv während vieler Jahre gesammelten 
Nachrichten über Kunst und Gewerbe in Hessen 
literarisch zu verwerthen gesucht, und außer einer 
Anzahl von in Fachzeitschriften veröffentlichten 
Aufsätzen über Keramik, Glasindustrie, Gobelin 
webereien u. a. liegen von ihm ein Prachtwerk 
über die im königlichen Museum zu Kassel befindlichen 
älteren Silberarbeiten sowie eine in kunst- und 
kulturhistorischer Beziehung wichtige Publikation 
über einen Prachtpokal aus dem Jahre 1571, den 
sog. hessischen Willkomm zu Dessau, als Ergebnisse 
seiner Arbeit vor. Auch über die Kasseler Gemälde 
galerie hat Professor von Drach Werthvolles ver 
öffentlicht. Als neueste seiner Arbeiten erwähnen 
wir die in den Jahrbüchern der kunsthistorischen 
Sammlungen des österreichischen Kaiserhauses er 
schienene Biographie des Kammeruhrmachers 
Rudolfs II., des Jost Byrgi, eines Schweizers, 
der vorher in hessischen Diensten stand und außer 
durch seine mechanische Kunstfertigkeit namentlich 
durch mathematische Erfindungen, wie die der 
Dezimalbruchrechnung und der Logarithmen, bekannt 
ist, und der auch zu dem Warburger Goldschmied 
und Kupferstecher Anton Eisenhoit Beziehungen 
hatte. Ueber diesen letzteren hat Drach schon vor 
einigen Jahren im Kunstgewerbeblatt beachtenswerthe 
Mittheilungen gemacht. — Wir fügen obigem Berichte 
noch hinzu, daß Professor Dr. von Drach, dem unsere 
Zeitschrift „Hessenland" mehrere sehr gediegne 
kunstgeschichtliche Abhandlungen verdankt, jetzt seine 
Studien über die frühere berühmte Fuldaer Porzellan- 
sabrik beendet hat, und daß er demnächst das 
Resultat seiner Forschungen auf diesem Gebiete zu 
veröffentlichen beabsichtigt. — 
Unser hessischer Landsmann, der Geheime 
Regierungsrath, Professor der Kunstgeschichte 
Dr. Karl Justi in Bonn (geb. am 2. August 
1832 zu Marburg) ist von der Akademie der 
Wissenschaften in München zllm korrespondirenden 
Mitgliede ernannt worden. — 
Zu Haslemere in der Grafschaft Surreh ist am 
4. Dezember Englands berühmter Physiker John 
Tyndall gestorben. Der große Gelehrte hat 
seine Studien zum Theil in unserm Hessenlande, 
an unserer Landesuniversität, gemacht. Im Jahre 
1850 studirte er dort unter Bunsen (die hoch 
betagte Excellenz lebt jetzt in Heidelberg) Chemie, 
unter Kohlrausch Physik und unter Stegmann 
Mathematik. Das köstliche Porträt, das er von 
letzterem entworfen, haben wir im „Hessenland" 
von 1891, in Nr. 13, S. 179 gebracht. — 
In Marburg wurde John Tyndall auf Grund 
seiner Dissertation „Die Schranbenfläche mit ge 
neigter Erzeugnngslinie und die Bedingungen des 
Gleichgewichts für solche Schrauben" von der 
philosophischen Fakultät die Doktorwürde ver 
liehen. — A. 
Der Personalbestand der Studirenden 
an der Universität Marburg beträgt in diesem 
Wintersemester 822 gegen 837 im Vorjahre. 
Außer diesen immatrikulirten Studirenden haben 
noch 43 Personen vom Rektor die Erlaubniß zum 
Hören der Vorlesungen erhalten, demnach erhöht 
sich die Gesammtzahl der Berechtigten auf 868. 
Von den immatrikulirten Studirenden entfallen 110 
auf die evangelisch-theologische, 195 auf die juristische, 
216 auf die medizinische und 304 auf die philo 
sophische Fakultät. Der Staatsangehörigkeit nach 
vertheilen sich die Stildirenden aus folgende Länder: 
Preußen 683 (Hessen-Nassau 280), übrige Reichs 
länder 110, Oesterreich-Ungarn 2, Frankreich 2, 
Großbritannien 7, Niederlande 1, Rußland 6, 
Schweden 1, Schweiz 4, Afrika 2, Amerika 3, 
Asien 1. Als Dozenten sind an der Universität 
gegenwärtig thätig: in der theologischen Fakultät 
6 ordentliche Professoren und 4 Privatdozenten, 
in der rechtswissenschaftlichen Fakultät 6 ordentliche, 
2 außerordentliche Professoren und 5 Privat 
dozenten, in der medizinischen Fakultät 10 ordent 
liche, 1 Honorar-, 4 außerordentliche Professoren, 
6 Privatdozenten und 1 Lehrer der Zahnheilkunde 
und in der philosophischen Fakultät 24 ordentliche, 
13 außerordentliche Professoren und 10 Privat 
dozenten. — 
Nekrologe. Am 22. November verschied zu 
Fulda nach zweitägigem Krankenlager im 76. 
Lebensjahre der Bibliothekar an der Landesbibliothek 
Amand von Keitz. 43 Jahre ist derselbe im 
Bibliotheksache beschäftigt gewesen, von 1850 bis 
1856 als Praktikant, von da bis zu seinem Tode 
als Bibliothekar. Er war so zu sagen mit der 
Fuldaer Landesbibliothek verwachsen, und wesentliche 
Verdienste hat er sich um dieselbe erworben. Ge 
boren am 19. Mai 1818 zu Fulda als Sohn 
des Seminar- und Reallehrers Michael Keitz, 
besuchte er das Gymnasium seiner Vaterstadt und 
studirte nachher zu Marburg Philologie. Hier 
wurde er durch seinen Onkel, den bekannten Pro 
fessor der Geschichte Dr. F. Nehm, der zugleich 
die Stelle des ersten Bibliothekars an der Uni 
versitätsbibliothek bekleidete, in die Bibliotheks 
wissenschaft eingeführt, und hier hatte er Gelegen 
heit, den Grund 51t seinen Kenntnissen in der
	        

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