Full text: Hessenland (7.1893)

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Höre zu dem Klang, betn schönen, 
Der von fern herüber zieht 
Und in zauberischen Tönen 
Singet sein melodisch' Lied. 
Wie Gebet durchzieht's die Seele, 
Führt den Geist zu lichten Höh'::; 
Abendglöckchen, Abendglöckchen, 
Reizend bist du, lieblich schön. 
Kling! Klang! tönt's noch einmal wieder, 
Dann verstummt der letzte Schall, 
Wie das Leben, wie die Lieder, 
Wie der Sang der Nachtigall. 
Karl Weöer. 
Mohnrng?) 
(Schwälmer Mundart.) 
Noch gest 2 ) Dü stolzen Senns s ) dohär, 
Äs es) 4 ) die Welt Deng eeje'^) wär; 
Da Dü best jong, kennst kee Beschwere 3 ); 
Doch glööw mer nür, es kommt die Zeiht, 
£) ach, villicht es see net weiht, 
Da wescht ööch Dü, meng Frengd, bescheere^. 
Met donklem Greffel schreiwt is Meer 
Dr Storm so schneirig, fest ö schwer 
Met gremmem Flüch seng Leed zü Zeihre, 
Da kreischt dos Meer ver Wieh, ö groo 
Ö schwaz vermommt sich's Himmels Bloo 
I Ahngst ver solchem Wieh ö Leihre. 3 ) 
Noch schwellt die Hoffneng 9 ) Der die Brost 
Voll Läwensmüt ö Läwenslost, 
Ö noch demm Höchste get Deng ©irchoc 10 ), 
So siejesstolz n ) ö ohne Bahng. 
Doch hemmst net Dü des Schecksols Gahng 
Ö schwere Schlok im Äreläwe 12 ). 
Bie manche Bliet 13 ), ach, fällt von: Bööm 14 ); 
Bie manche Hoffneng wedd zü Schööm 15 )! 
Net lang es hei dos Gleck ze schauwe 16 ). 
Met ongerbettlich hatten: Schlok 
Kommt ööch fer Dich gewest in Dok 
Des schweren Leeds met Ahngst ö Grauwe. 17 ) 
Da ächz nü net bie Störn: ö Meer, 
Äs ob sin Gött im Himmel wär, 
O sei in Mann i Störn: ö Wälle 13 ), 
.Ö jommre net: Ach, Göttche meng! 
Da dänk doch nür: Es müß so seng. 
Es länkt dos All in hohrer Welle 19 j. 
Ö glööw mer nür, reißt ööch dos Kleed, 
Dü stest da ewer Dengem Leed —, 
Net siejesstolz, ne, ganz bescheere; 
Ö kampfesmatt dankst Dü noch Gött, 
Daß hä Dich so geleetseelt höt, 
Ö däß Dü därfst i Freere scheere 29 ). 
Kurt Hinkn. 
*) Mahnung, ^ gehst, 3 ) Sinnes, 4 ) als ob, B ) eigen, 
°) Beschwerden, 7 ) Dann wirst auch Du, mein Freund, 
bescheiden, 
8 ) Mit dunklem Griffel schreibt ins Meer 
Der Sturm so schneidig, fest und schwer 
Mit grimmem Fluch sein Leid zu Zeiten, 
Dann weint das Meer vor Weh, und grau 
Und schwarz verhüllt sich des Himmels Blau 
In Angst vor solchem Weh und Leiden, 
9 ) Hoffnung, 10 ) Streben, "> siegesstolz, 12 ) Erdenleben, 
1S ) manche Blüthe, 14 ) Baum, 15 ) wird zu Schaum, 
") hier das Glück zu schauen, 17 ) Mit unerbittlich hartem 
Schlag kommt auch für Dich gewiß ein Tag des schweren 
Leids mit Angst und Grauen, 18 ) Wellen, 19 ) Wille, 
20 ) daß er Dich so geleitseilt (geführet) hat, und daß Du 
darfst in Frieden scheiden. 
Aus Keimuth und Fremde. 
Universitätsnachrichten. Der Privatdozent 
und Assistent an dem mineralogisch-petrographischen 
Institut der Universität Marburg Dr. Reinhard 
Brauns hat einen Ruf als Professor der Mineralogie 
an die technische Hochschule in Karlsruhe erhalten 
und angenommen. — 
Der außerordentliche Professor Dr. Karl Berg- 
bohm ist zum ordentlichen Professor der juristischen 
Fakultät der Universität Marburg ernannt 
worden. — 
An der Universität Marb nrg ist der „Bosstschen 
Zeitung" zufolge die Vertretung der mittleren 
und neueren Kunstgeschichte sowie der Geschichte 
des Kunsthandwerks dem Professor Dr. Karl 
Alhard von Drach übertragen worden. Von 
Berus Mathematiker hat er schon seit geraumer 
Zeit seinen Studien eine kunstwissenschaftliche 
Richtung gegeben und war in Folge dessen während 
der letzten drei Jahre beurlaubt. Außer den 
während dieses Urlaubs ausgeführten Reisen in 
Deutschland, Oesterreich, Italien und der Schweiz 
lvar Drach in Berlin längere Zeit hindurch am 
königlichen Kunstgewerbemuseum beschäftigt sowie
	        

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