Full text: Hessenland (7.1893)

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ziehen im Begriffe stand, schrieb Wilhelm an die 
erbverbrüderten Kurfürsten: sie würden nun aner 
kennen, wie verletzend die papistische Partei alle 
Rcichskonstitutionen verachte; da man so geduldig 
gewesen, den Kurfürsten Gebhard nicht mit den 
Waffen zu unterstützen, so müsse man deshalb 
nicht alle mißbräuchlichen Folgen seiner will 
kürlichen Entsetzung noch den Umstoß des Landes 
und Religionsfriedens und die Herüberziehung 
des Niederländischen Kriegs zugeben. Es sei 
Zeit, die Köpfe zusammenzustecken, wenn sie anders 
freie Deutsche bleiben und das väterliche Gut 
auf ihre Erben bringen wollten. 
Als Herzog Ferdinand von Bayern mit seinen 
Truppen in das Erzbisthum Köln kam, wurden 
die Grenzgebiete der Grafen von Waldeck, von 
Wittgenstein und Berleburg und die Besitzungen 
der Familie von Gaugreben durch die Truppen 
belästigt. Sie wandten sich um Schutz an den 
Landgrafen. Dieser stellte dem Herzog vor: „er 
werde wissen, wie in dem Zuge gegen Karl V. 
er, der Landgraf, und Landgraf Moritz an der 
bayerischen Grenze kein Huhn verscheucht, sonst 
müsse er thun, was seines Amtes sei". Der Herzog 
antwortete zwar, die Grafen seien der Unterstützung 
Gebhard's verdächtig, Westfalen sei seinem Bruder 
verwandt itnb er selbst handele nach kaiserlichem 
Befehl, aber seine Truppen zogen sich doch zurück. 
Landgraf Wilhelm befand sich in jener Zeit in 
Bad Ems. Er drang von dort aus bei den 
Kurfürsten um bessere Einrichtung der Kreis 
verfassung, „deren Kontributionen so schlecht ein 
gingen, daß man kaum Tinte und Papier davon 
bestreiten könne". 
Die evangelischen Bürger zu Köln, welche den 
Landgrafen Wilhelm um Fürsprache angingen, 
ermahnte er, ihr Kreuz mit Geduld zu ertragen, 
und sprach sich gegen die bewaffnete Koalition 
aus, welche der bei Wilhelm von Oranien flüchtig 
lebende Kurfürst Gebhard zu Stande zu bringen 
suchte. In den Aachener und Straßburger 
Religionsstreitigkeiten selbst schloß Wilhelm sich den 
vermittelnden Kurfürsten an. An den Rath zu 
Aachen schrieb er kurz vor seinem Tode (1592): 
„da man jetzt, statt die geschlagenen Wunden zu 
heilen, die päpstliche Inquisition und das Recht 
des Stärkeren handhabe, die Evangelischen ohne 
Haupt und in dogmatische Streitigkeiten verwickelt 
seien, so könne er ihnen nichts Anderes rathen, 
als Hülfe bei Gott zu suchen." 
Die Niederländer unterstützte er durch Ver 
mittelung eines Geldanlehens des Prinzen von 
Oranien sowie durch Gestattung des Zuzugs seiner 
Vasallen zu dem oranischen Heere. Im Uebrigen 
bewahrte er aber volle Neutralität; in diesem 
Sinne lehnte er sowohl den Antrag Johannes' 
von Nassau-Dillenburg, des Bruders Wilhelm's 
von Oranien, auf Verhaftung der Gesandten 
Alba's auf hessischem Gebiete ab als auch das 
Anerbieten Philipp's II. auf Gewährung einer 
Pension, „nicht um ihm mit seinem Leibe oder 
Kriegsvolk, sondern um ihm in aufrichtigen billigen 
Dingen zu dienen" (1570). 
Der Kurfürst von der Pfalz hatte ein mit 
spanischen, im Reiche verbotenen Münzen beladenes 
für den burgundischen Kreis bestimmtes Schiff 
bei Mannheim in Beschlag genommen. Landgraf 
Wilhelm wurde von Philipp als ein Betheiligter 
des Rheiuzolls ersucht, zur Aufhebung des Arrestes 
mitzuwirken. Auf dieses Ansuchen antwortete er, 
„freie Schiffahrt und Verkehr des Rheines zu 
fördern, sei er immer bereit; in jener Sache den 
älteren und vornehmeren Kurfürsten zu unter 
richten, gezieme ihm nicht, er hoffe aber, daß der 
Kurfürst sich nach des Kaisers als seines Ober 
hauptes Weisung und des Reiches Gesetzen richten 
werde" (1568). Auf dem Reichsdeputationstage zu 
Frankfurt (1577) erklärte er sich ans Veran 
lassung der Beschwerden Juan's d'Austria gegen 
den Prinzen von Oranien für friedliche Ein 
wirkung, weigerte aber jede Hülfe an den König 
von Spanien, da er entschlossen sei, keinen Falls 
bei der Verfolgung seiner Glaubensgenossen mit 
zuwirken und, bis die Religion vom König frei 
gestellt werde, sich in nichts einzulassen. 
Mit der Königin Elisabeth von England stand 
er in enger Freundschaft. 
Als im September 1569 zu Erfurt ihr Antrag 
auf Abschluß eines Vertheidigungsbündnisses von 
den evangelischen Fürsten berathen wurde, sprach 
Landgraf Wilhelm sich durch seinen Gesandten 
Johann Mehsenbug dagegen aus, weil die päpstlich 
gesinnten Fürsten daraus leicht einen Vorwand 
zum Angriff entnehmen könnten. Er hielt aber 
eine Verbindung der evangelischen Fürsten unter 
einander für wünschenswerth und befürwortete 
Anlehnung an England: „denn er wisse von 
seinem Vater, daß er immer gerathen, die 
evangelischen Fürsten sollten auf diese vermögende 
und geldreiche Fürstin, da sie selbst um der 
Religion willen so vieles ausgestanden, ihr Augen 
merk richten". Er wies sodann darauf hin, daß 
die Gegner der evangelischen Lehre nur dadurch 
die Möglichkeit gewinnen würden, die zur Kriegs 
führung erforderlichen Truppen zusammenzubringen, 
daß sie in den evangelischen Ländern selbst 
Werbungen veranstalten dürften. Er schlage da 
her vor, daß die evangelischen Fürsten ein feierliches 
Verbot erlassen möchten: „daß sich keiner ihrer 
Unterthanen gegen eigene Religionsverwandte
	        

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