Full text: Hessenland (7.1893)

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Wilhelm IV.» der Werse, Landgraf von Hessen. 
1567 — 1592. 
Von H. Metz. 
^Fortsetzung.) 
t lch auf dem folgenden Reichstage (1576) 
waren die hessischen Gesandten angewiesen, 
unter Anführung aller bisherigen Ver 
letzungen des Religionsfriedens im Anschlüsse an 
Kurpfalz auf die förmliche Bestätigung jener 
Deklaration zu dringen. Sachsen schloß sich diesem 
Vertrage nicht an, und der Kaiser begnügte sich 
mit einer Ermahnung an die evangelischen wie 
katholischen Stände. Der Landgraf schrieb bei 
dieser Gelegenheit an Kurpfalz: „Seine Stimme 
sei eine Stimme in der Wüste; man habe es 
vor fünfzig Jahren versäumt, jetzt würden die 
jenigen, die von jeher die Religion für die Ursache 
aller Empörung ausgegeben, unter dem Vorwände, 
die Urquelle aller Unruhen allenthalben zu ver 
stopfen, das Schwert in die Hand nehmen." 
In Fulda dauerten die Streitigkeiten fort, und 
der Bischof Julius Echter von Mespelbrunn 
befahl ebenfalls seinen Unterthanen die Rückkehr 
zum katholischen Glauben. Die Widerstrebenden 
wurden unter Einbehaltung des dritten Theils 
ihres Vermögens aus dem Lande vertrieben. 
Landgraf Wilhelm nahm viele der Vertriebenen 
auf und machte dem Bischöfe Vorstellungen mit 
dem Hinzufügen, daß er die Protestanten bei 
dauernder Verfolgung unter seinen Schutz nehmen 
werde. Er erreichte hierdurch, daß der Bischof 
von den harten Maßnahmen abstand und auf 
friedliche Bekehrung durch Missionare sich beschränkte. 
Im Jahre 1567 nahm Wilhelm den Pader- 
borner Prediger Martin Haitbrand, welcher den 
Gottesdienst nach evangelischem Muster eingerichtet 
und einen bedeutenden Anhang unter der Bürger 
schaft gewonnen hatte, als Flüchtling auf und 
wandte sich in dessen Interesse vergeblich an den 
Bischof. 
Das Stift Hersfeld stand unter hessischem 
Schutze und neigte schon seit Luther's Zeit zur 
evangelischen Kirche hin. Landgraf Wilhelm 
knüpfte die Beziehungen des Stifts zu Hessen 
noch enger. 
Nach, dem Tode des Bischofs Nembert von 
Paderborn versuchte Landgraf Wilhelm seinem 
Bruder Georg die Administration des Stifts zu 
verschaffen. Er versprach, um alle Bedenken 
wegen des protestantischen Bekenntnisses seines 
Bruders zu beseitigen, in dessen Namen den Er 
laß einer Asseknrationsakte. Aber nicht Landgraf 
Georg, sondern ein Graf von Hoya wurde (1568) 
gewählt, der als eifriger Katholik auftrat, aber 
nur wenige Jahre regierte (bis 1574). Ihm 
folgte Bischof Heinrich von Bremen, welcher beide 
Konfessionen gleichstellte, aber schon 1585 starb. 
Schon bei seinen Lebzeiten >var das Domkapitel 
von Gregor eingeschüchtert. Gregor XIII. hatte 
Jesuiten in das Gebiet eingelassen. Heinrich's Nach 
folger wurde (1585) Theodor von Fürstenbcrg, 
welcher während seiner zweiunddreißigjährigen 
Regierung alle evangelischen Prediger vertrieb. 
Die Absicht Gebhard's, Truchsessen von Walden 
burg , das Erzbisthum Köln der evangelischen 
Religion zuzuführen war gescheitert; Landgraf 
Wilhelm hatte auch hier gerathen, „sich nicht zu über 
eilen und mit verständigen Theologen itnb politischen 
Räthen gefaßt zu sein". Wilhelm stand ebenso 
wie seine Brüder, namentlich Ludwig von Ober 
hessen, auf Seiten des Erzbischofs; er legte unter 
dem 13. Februar 1583 dem Kaiser brieflich an's 
Herz, dieser möge die Sache von Reichswegen 
entscheiden, damit sie dem in sich uneinigen Dom 
kapitel und der Einmischung fremder Herrscher 
entzogen werde. Ein thätiges Eingreifen der 
evangelischen Fürsten war durch deren Uneinigkeit 
gehindert. Sachsen und Brandenburg stimmten 
für parteilose Unthätigkeit, Württemberg zögerte 
wegen augenblicklicher Hinneigung des Erzbischofs 
zum Kalvinismus, am thätigsten zeigte sich der 
Kurfürst Ludwig von der Pfalz. 
Als Gebhard abgesetzt und an dessen Stelle 
Ernst von Bayern, bereits Bischof von Freising, 
Lüttich und Hildesheim, zum Kurfürsten gewühlt 
wurde und mit Truppen in das Erzbisthum einzu-
	        

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