Full text: Hessenland (7.1893)

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oder im Grabe ruht. Aber Eines weiß ich ge 
wiß, ich weiß, daß, wenn sie lebt, unsere Ge 
danken sich in stimmungsvollen Stunden, wie 
heute an der Neige des Tages, einen, und daß 
Leoni Dupret ihr Versprechen gehalten hat, mit 
welchem sie auf der Ruine am Bodensee ihre 
Hand zum Freundschaftsbunde in die meine 
gegeben. 
Dte Kchloacht. 
Gedicht in Weiterauer Mundart 
von Kriedrich von Hrais. 
Hannjuste Hahn') haut Schloacht. 
's treibt met Schnie eann eaß so fresch 
— Zmm siwwe Auer, do gabb's Kresch 3 ); 
Do woar dann gleich vermouth3), 
Deaß schuhnd ds Säuche blout 4 ). 
Dr Hob 5) wärt ruuth eann weiß. 
E Zeres schafft se gout wäi's kann; 
Ds Hannesi, doas hoabbt6) dre Pann^), 
Hen ehs 8) — fähr 9 ) hen se schlau — 
Naut vo err duure Sau. 
Mir io) easse emohl devohn, 
Eann doun ") sich Gouts ohn Flaasch eann Woscht. 
Uhns Feind, dr Hunger eann dr Doscht '2), 
Däi muffe innerleihe'%) 
Eann schuhnd beim Queallflaasch schweihe. 
Nauschihrig ' 4 ) die Keann 15) 
Zmm's Säuche her. Segoar die Hond 
Sein schnäuberig nooch Flaasch eann Schlond. 
„Ds Heseholz ebei" 
— Do woar dr Hob schuhnd frei. 
Aach die ahld Wääs'6), däi kohm 
Eann saht „genn Dach 17 j Gevoarrermann, 
„Ei met Verrlaab, woas weiht'8) si dann? 
„'s eaß doach derrallerbest 
„Wann Ahns niet Schruutfricht 1 9 ) mäst." 
Gebroit^"), geschoabt woar bahl, 
Dann woar gefchnearre 21) kreuz eann quer, 
„Etzt schwinn22) emohl die Uhrn23) häi her!" 
Die Keann, däi läife e Steck 
Bei dreatthalb Schouh serreck. 
Etzt scheckt dr Meatzeler2 4 ) aus 
De Konneroad nooch dr Gintherpreß 
Eann met dr Gritt, dr mächt e Späß. 
Däi eaß zoum Werttche^ gange 
Eann soll ds Woschtmooß26) lange. 
Wäi Generoalmarsch laut's — 
Jmm's Hackkloatz drewe^) sich drei Bosch 23), 
Sein sruh eann hahle ihrn Deschkosch 29), 
Trinke vo Zeit ze Zeit 
Vo wäje Troackenheit. 
Die Weibsleu ohn dr Bonn so), __ 
Däi schneire Gräiwesi), all dr Stoat! 
Däi wärrn die Ärrwett 9 ^ goar nätt soad; 
Eann Alles Läibs eann Gouts. 
Bei so err 33) Helf, do dout's. 
„Eann die Gevoarrerleu?" 
Däi worrn geloare, reckte ohn, 
Hun saich Genihe^) rächt gedohn, 
's hott sich Kahns schmiert. 
's horr ohn naut mangihrt35). 
Reissoppe kohm derrihrscht 36) 
Eann Rinnchesflaasch met Mörrch s?) debei, 
Dann Speack eann Kraut eann Herrschebrei 38), 
Se deare 89) sich die Moih *o)' 
Eann koachte Schnorrboartsbroi"). 
Se bleawwe schihn beinahn 4? ), 
Ds Gloas broocht Ahns dem Annern zou, 
. Jhrscht imm zwelf Auer geng's zerr Rouh. 
Se hun sich innerhahle *3) 
Die Zunge eann die Ahle. 
Die Läffil worrn gewescht. 
Etzt „prost die Mohlzett" häiß, ihr Keann, 
„Mir schwächte aach bahl, feand uch eann! 
„Uhns Säuche eaß bahl fett, 
„Mir mache's wirrer wett." 
De Moarie trugt die Mahd 
Eamm Häusern Deppe 44 ) Soppe aus, 
„E Complement aus Hannjust's Haus!" 
E Woscht lägk off emm Grond 
Schihn äppelich eann rond. 
Eann Hannjust's Hausehrn geng's; 
Die Keann met Houste eann met Schnoppe 4 ^): 
„Ge Moarje imm e Meatzelsoppe!" 
Die Wääs Lisbeth, die ahld. 
Hott naut wäi ausgedaalt. 
's eaß wirrer emol geschwächt, 
's eaß gesoargkt ferr lange Zeit. 
Wer waaß wäi schwer dr Schmelzer weiht 4 6)? 
De Majeruhnsgeroach 
Spihrt merr nooch Woche noach. 
Gihr eyt dr Bauer aus, 
Se denkt e: e Steck Woscht rächt gout 
Eaß besser wäi e Fearrernhout 47 ) 
Eann wäi e Gäulszih 4 «) deck 
Hott hen eamm Sack sein Steck. 
Eaß streibber 49 ) aach die Welt. 
Dr Bauer säht: „aich hun kahn Foacht50). 
„Hätt Zeres off dr Welt geschwächt, 
„'s geb, waaß dr Herr, kahn Streit." 
Do seaht err 5i), wu's ohn leiht 52). 
1) halten. 2) Gekreische. 3) vermuthet. 4 ) blutet. 
5) Hos. 6) hält. 7) Pfanne. 8) er esse 9 ) sagt er. 
io) wir. 'i) thun. 12) Durst. iS) unterliegen. 1 4 ) neu 
gierig. 15 ) Kinder, ißj Base. 17) guten Tag. I8 ) wiegt. 
1 9 ) 'Schrotfrucht. 20) gebrüht. 21) geschnitten. 22) ge 
schwinde. 23) Ohren. 24) Metzger. 25) Wirthchen. 
26) Wurstmaß. 27) drehen. 28) Bursche. 2s) Diskurs, 
so- Bolle (Mulde). 3i) Wurstkrieben. 32) Arbeit. 
33) solch' einer. 34) Genüge. 35) — gefehlt. 36 ) zuerst. 
37) Meerettig. 38) Hirsebrei. 39) thaten. 49 ) Mühe. 
-") Schnurrbartsbrühe (vorzügliche kräftige dunkle Sauce). 
4 2) bei einander. 4 -3) unterhalten. 44 ) im Topfe von 
Steingut. 4 5) Schnupfen. 48 ) wiegt. 47 ) Federhut. 
48 ) Gäulszehe. 49 ) streitbar. 50) Furcht. ft i) Da seht 
Ihr. 25) woran es liegt. 
Aus Heimach und Fremde. 
Wie alljährlich seit dem Hinscheiden des letzten 
Kurfür st enFriedrichWilhelm von Hessen, 
so war auch in diesem Jahre, am Sterbetage, den 
6. Januar, sein Grabmal auf dem alten Fried 
hofe zu Kassel reichlich mit Kränzen und Schleifen
	        

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