Full text: Hessenland (7.1893)

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Mark in die Münze, trug 200000 Gulden 
Kammer- und 50000 Gulden Kabinetschulden 
ab und hinterließ bei der Säkularisation 1802 
eine Baarsumme von 213 094 Gulden in der 
Staatskasse. Im Sommer pflegte der Fürst 
entweder aus der Fasanerie, dem von Adolf von 
Dalberg als „Adolfshof" errichteten Landsitze 
(cs war dieses der zweite Querbau, wo jetzt der 
Kastellau wohnt), welchen Amand von Bnseck als 
Lustschloß ausbaute, zu residiren oder auf dem 
Bieberstein, dem jetzt noch stehenden Schlosse, auch 
im Thiergarten, wo das Jagdschloß hinter deni 
Weiher bei der jetzigen Fohlenweide stand, auch 
wurde zeitweise nach dem Schlosse Jvhanncsberg 
tut Rheingau, wo unter der Pflege der Fuldaer 
Fürsten der edelste Rheinwein gedieh, über 
gesiedelt. 
Es wurde auch überall gut getafelt, zu de» 
Hvftafeln wurden außer den vielen geistlichen 
Herren auch weltliche Beamte und Würdenträger 
eingeladen. Bon dem einfachen Sinn des Fürsten 
Adalbert giebt auch folgende in der hiesigen 
Familie Rang erhaltene Begebenheit ein schönes 
Zeugniß ab. Unser • verehrter Herr Oberbürger 
meister Rang hatte eine prachtvolle goldene 
Schnupftabaksdose von seinem Großvater ererbt. 
Sie hat die Form einer Perlmutter-Muschel. 
Mit dieser Dose hat cs folgende Bewandtnis;. 
Da Geschäfte mit Gold und Juwelengegenständen 
damals noch fehlten, wurden diese hausirt. Bei 
den Hof- und Festtafeln gingen denn auch jüdische 
Handelsleute, sogenannte Hofjuden, ein und ans. 
Da kam bei einer Tafel des Fürsten just im 
Jahre 1793 ein solcher Mann herein und bot 
eine herrliche Dose aus, welche die Bewunderung 
sämmtlicher hohen Herrn erregte. Tein Fürsten 
wurde diese Dose zuerst angeboten. Er fragte 
nach dem Preise, da ihn, derselbe jedoch zu hoch 
war, schickte er den Handelsmann fort. Diesem 
winkte aber der neben dem Fürsten sitzende Dvm- 
dechant Freiherr Lothar von Brcidbach zu Bürres 
heim, der Bruder des vorletzten Kurfürsten von 
Mainz, und zahlte alsbald die geforderte Summe. 
Aber auch die schöne Dose gab er sofort dem 
ebenfalls geladenen Amtsvvgt zu Neuhof, Hof- 
kammerrath Christian Franz Rang, zum Geschenke. 
Der Herr konnte es machen, die Propste! Neuen, 
berg lieferte einen Reinertrag von 22 090 Gulden; 
gewiß eine schöne Einnahme für einen ledigen 
geistlichen Herrn. Diese Propstei, deren Propst 
ständiger Stifts- und Dvmdechant war, bezog 
Zinsen und Gefälle von nahe und fern, z. B. 
aus den jetzt Sachsen-Weimarischen Orten Ostheim 
und Sondheim. Die übrigen Propsteien waren 
ebenfalls gut dvtirt, die geringste Prvpstei war 
der Michaelsberg, welcher ungefähr 4000 Gulden 
einbrachte. Jeder Propst hatte für sich einen 
kleinen Hofstaat, wo auch die Damen, Anverwandte 
der hohen Herren, nicht fehlten. Ich kenne ein 
schönes Bild des fuldaischen Hofmalers Herrlein, 
welches einen Propst vom Johannesberg mit 
einem Gefolge von Damen und Herren aus der 
Jagd darstellt. Herrlein's beste Leistung ist der 
Baumschlag und die schmucke grüne Jagdkleidung 
der Damen und Herren mit feinen Pferden. 
Adalbert's Regierung zeichnete sich nicht nur 
durch weise Sparsamkeit ans; er schuf auch milde 
Stiftungen und große Bauten. Im Jahre 1789 
stiftete er eine Witwen- und Waisenkasse für die 
Staatsdiener und das Militair, welche heute noch 
besteht. In der Löherstraße erbaute er ein Haus, 
welches jetzt dem Liqnenrfabrikante» Herrn Heil- 
brunn gehört und das Harstall'sche Wappen trägt, 
als Waisenhaus für 12 Knaben. Als später das 
Waisenhaus in das Hospital znm heiligen Geist 
verlegt wurde, ist das Haus an den Bäcker 
Sennefelder verkauft worden und hieß noch zu 
meiner Studienzeit das „Waisenbäckers". Der 
Brunnen am Gemüsemarkt mit der abgestumpften 
Säule, an welcher man noch das schöne Harstall'sche 
Wappen, zwei Adlerflügel mit Pilgerstab in der 
Mitte, sehen kann, ist auch von ihm erbaut 
worden. Im Rhöngebietc hat er sich außer in der 
schon erwähnten Kirche in Thnlba noch dreimal 
vereivigt. Er erbaute das Schloß Saaleck bei 
Hammelburg neu in der Gestalt, wie es jetzt noch 
steht. Er ließ die Schweizereigebäude auf dem 
Dnmmcrsfeld, das jetzige Wiefenhans, wo die 
Rhönclubisten so gerne rasten, neu errichten. 
Sodann baute er auch das geräumige Schloß 
Fürsteneck bei Eiterfeld neu, welches gegenwärtig 
königlich preußische Domäne ist. 
Bor hundert Jahren hatte der durch die 
französische Rcvnlotivn entstandene Krieg gerade 
begonnen, 1792 zog bereits das preußische Heer 
auf den neu erbauten Landstraßen über Fnlda, 
um sich mit der kaiserlichen Armee am Rheine, 
welche in der Pfalz und in Baden stand, zu 
vereinigen. Die „Fuldaischen Polizei-, Kvinmerzien- 
nnd Zeitungsanzeigen" vvin Jahre 1793 berichten 
von den Truppenbewegungen und deren wechselnden 
Erfolgen, von der Belagerung von Mainz, den 
Schlachten bei Kreuznach und im Elsaß. Die 
Hinrichtung des Königs und der Königin von 
Frankreich erregten in Fulda große Theilnahme; 
die Throne wankten, man sah das Ende so vieler 
voraus, wie es schon Heinrich von Bibra auch 
von Fulda geahnt hatte. Allerdings erst neun 
Jahre später trat das Ende der geistlichen Herr 
schaft hier ein; dieser Regierungswechsel ist nach
	        

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