Full text: Hessenland (7.1893)

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Wie die „Hessischen Blätter" berichten, ist dem 
Stadtsekretär Dem me in Hersfeld, dem Verfasser 
der „Nachrichten und Urkunden'zur Chronik 
von Hersseld", nach dem kürzlich erfolgten 
Erscheinen des II. Bandes dieses Werkes vom 
Vorstand des Vereins für hessische Geschichte und 
Landeskunde zu Kassel folgendes Schreiben zil 
Theil geworden: 
Kassel, den 3. Oktober 1893. 
Hochgeehrter Herr Stadtsekretär! 
Durch die Überreichung der von Ihnen mit so großem 
Fleiße und ausgezeichneter Sachkenntniß ausgearbeiteten 
Chronik von Hersfeld haben Sie den Verein für hessische 
Geschichte zu besonderem Danke verpflichtet. Der unter 
zeichnete Vorstand weiß sehr wohl die Schwierigkeiten der 
bisher von Ihnen fertiggestellten Arbeit zu würdigen, und 
er kann Ihnen aus voller Ueberzeugung das Zeugniß 
ausstellen, daß Sie Vortreffliches geleistet haben. Die 
beiden umfangreichen Bünde sind ein neuer ehrenvoller Be 
weis für hessischen Fleiß und hessische Gründlichkeit. Der 
Gelehrte, der Forscher, welcher auf die Quellen zurückgeht, 
weiß die mühevolle und selbstlose Hingabe, welche die 
Ausarbeitung solcher Quellenwerke wie das Ihrige erfordert, 
nicht hoch genug anzuschlagen, denn solche sind die Grund 
lagen, auf denen sich die Geschichte aufbaut. Es wäre zu 
wünschen, daß wir in unserem Hessenlande recht viele 
Männer hätten wie Sie, Männer von solchem Fleiß und 
solcher warmen Liebe zur Heimath, — dann würde unsere 
heimische Geschichte noch weit besser gefördert werden, als 
dies bisher der Fall gewesen ist Je häufiger jetzt 
mittelmäßige und unbedeutende Geschichtswerke, Werke, die 
kritiklos aus zweiter und dritter Hand Geschöpftes dem 
Leser darbieten, wie Pilze aus der Erde schießen, um so 
willkommener heißt der Vorstand die Gelegenheit, auf ein 
so tüchtiges Quellenwerk wie das Ihrige öffentlich hin 
weisen zu können. 
Von dem Stadtrathe zll Hersseld ist Herrn 
Demme in Anerkennung der Verdienste, welche er 
sich durch Ordnen des städtischen Archivs und 
Herausgabe des oben erwähnten Geschichtswerkes 
erworben, das Prädikat „Archivar" verliehen worden. 
Am 13. Oktober starb in Kassel im 65. 
Lebensjahre der Mittelschullehrer A. Rabe, ein 
Mann, der als Leiter des hessischen Lehrervereins 
und Herausgeber der von Chr. Liebermann be 
gründeten hessischen Schulzeitung sich große Ver 
dienste ■ um den hessischen Lehrerstand und die 
Volksschule erworben hat. Aber nicht nur in Hessen, 
sondern auch im weiteren Vaterlande hat sein Tod 
die schmerzlichste Theilnahme hervorgerufen, gehörte 
er doch den Vorständen des preußischen imb des 
deutschen Lehrervereins als eifrig thätiges Mitglied 
an. Auch sonst stand Rabe im öffentlichen Leben, 
er war lange Jahre Direktor der Kasseler Liedertafel 
und gehurte dem außerordentlichen Bürgeransschusse 
daselbst an. - Sein Leichenbegängnis zu den: seine 
Verehrer aus allen Theilen des Hessenlandes her 
beigeeilt waren, war wohl das stattlichste, das in 
langer Zeit in Kassel gesehen worden ist. Ende 
September hatte Rabe noch die hessische Lehrer- 
versammlung in Karlshafen in voller Rüstigkeit 
geleitet, ein Gallensteinleiden, das in Folge eines 
Falles wieder bei ihm austrat, machte feinem 
schaffensfrohen Leben ein Ende. 
A. K. 
Am 11. November starb zu Marburg plötz 
lich im 80. Lebeusjahre der vorhinnige Universitäts 
syndikus , Obergerichtsrath a. D. Hermann 
Platner, eine in Marburg und in Hessen über 
haupt sehr bekannte nnb beliebte Persönlichkeit. 
Er war der zweite Sohn des geistreichen Pro 
fessors der Rechtswissenschaft, Geheimen Hosraths 
Dr. Eduard Platner, widmete sich, nachdem er das 
Pädagogium seiner Vaterstadt absolvirt hatte, dem 
Studium der Rechtswissenschaft, war Referendar 
am Obergericht in Marburg uud wurde schon 
frühzeitig, nachdem er das damals noch übliche 
Assessorexamen bestanden, zum Obergerichtsassessor 
ernannt, später in gleicher Eigenschaft an das 
Obergericht in Fulda versetzt und dort zum Ober 
gerichtsrath befördert. Als im Jahre 1850 die 
Hassenpflug'schen Septemberordonnanzen erschienen, 
nahm der versassllngstreue Mann seinen Abschied 
aus dem Staatsdienste nnb zog sich in seine 
Vaterstadt Marburg zurück. Hier war er mehrere 
Jahre als Hülfsarbeiter des Obergerichtsanwalts 
Metz thätig, bis ihm 1856 auf Vorschlag des 
akademischen Senates das Amt des Universitäts 
syndikus übertragen wurde. 1883 trat er wegen 
vorgerückten Alters in beit Ruhestand. Gleich 
seinem Vater und seinen Brüdern ein Freund der 
Natur und Liebhaber von größeren Spaziergängen 
und Dauerläufen unternahm er in seiner Jugend 
fast täglich zur bestimmten Stunde seinen Gang 
nach dem zwei Stunden von Marburg entfernten 
Dorfe Anzefahr bei Kirchhain,und dieser Gepflogen 
heit hatte er den Spitznamen „Schulmeister 
von Anzefahr, zu verdanken, den ihm seine 
Freunde im Scherze beigelegt hatten. Schon 
während seiner Uuiversitätszeit hatte er neben den 
juristischen auch philosophische Studien betrieben, 
die er später fortsetzte, und selbst als er in den 
Ruhestand getreten war, widmete er sich noch den 
Wissenschaften und besuchte sogar theologische 
Kollegien, namentlich diejenigen des Professors 
Harnack. Wegen seines freundlichen, gefälligen 
Wesens und seiner gediegenen Charaktereigenschaften 
erfreute sich der Verblichene der allgemeinen Hoch 
schätzung Ehre seinem Andenken. 
Nach Schluß der Redaktion geht uns von 
Wächtersbach die Nachricht zu, daß daselbst am 
14. d. M., Nachmittags ^5 Uhr, Seine Erlaucht
	        

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