Full text: Hessenland (7.1893)

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resp. Nonnen verloren hatten; diese Prvpsteien 
waren der Neuenberg bei Fulda, Michaelsberg 
in Fulda, Johannesberg, Petersberg, Blankenau, 
Sannerz, Holzkirchen, Thulba bei Hammelburg 
und Zella bei Dermbach. Die übrigen in Fulda 
wohnenden Kapitulare bekleideten noch Stellen als 
Regierungs-, Mze-Dom- und Hoskammerpräsideut, 
Polizeipräsident, Hospitalienpräsideut, Land-Ober- 
einnahme- und Chausseepräsident, Obersorstamts- 
präsident, und einer war noch Rector magnifieus 
der 1733 gegründeten Universität. Aus diesen 
Kapitularen ward der Fürstabt erwählt. Es 
waren diese Stellen in Fulda, wie in den übrigen 
geistlichen Fürstenthümern, Bersorgungsanstalten 
für die nachgebornen Söhne des katholischen Adels. 
Der älteste Sohn eines Grafen oder Freiherrn 
bekam das Majorat, der zweite wurde Domherr, 
die übrigen erhielten als Kammerherrn, Generäle 
oder hohe Offiziere eine würdige Versorgung. In 
jeder Beziehung zeigte sich der Hof von Fulda 
anderen geistlichen und weltlichen ebenbürtig. Hof 
chargen, Marstülle, Jagdsport, Militäraufwand, 
prächtige Residenz- und Lustschlösser finden wir 
wie dort, auch eine Universität und Porzellan- 
fabrik fehlte in Fulda nicht. 
(Fortsetzung folgt.) 
■! -8H- 
Aus der sog. guter: alter: Zeit. 
» er Wilddiebstahl hatte zur Zeit der Regierung 
des Landgrafen Philipp des Großmüthigen 
~ in außerordentlichem Maße in unserem Hessen 
lande, namentlich im Reinhardswalde, zugenommen. 
Strenge Gesetze waren gegen die Wilddiebe erlassen 
worden, sie fruchteten nur wenig. Als gelindeste 
Strafe konnte noch die Wippe oder tratto di corda 
gelten. Oben am Querbalken eines Schnellgalgens 
befand sich eine Rolle, in welcher ein Strick lief, 
an dem die aus den Rücken gebundenen Hände des 
Verurtheilten befestigt wurden. Derselbe wurde 
nun in die Höhe gezogen und plötzlich fallen ge 
lassen, doch nur so weit, daß er schwebend blieb 
und den Boden nicht erreichte. Es war diese 
Strafe um so schmerzhafter, als der Unglückliche 
nur an den Armen hing und diese dadurch aus 
eine unnatürliche Weise rückwärts bis über den 
Kops. gebogen wurden. Außerdem stand am Rein 
hardswalde, unsern Jmmenhausen, eine hohe Warte 
und aus dieser drohend ein weithin sichtbarer 
Galgen. 
Schon im Jahre 1543 war zwischen Förstern 
und Wilddieben in der dortigen Gegend ein Ge 
fecht vorgefallen, in welchem mehrere der ersteren 
theils schwer verwundet, theils getödtet wurden, 
und als Landgraf Philipp fern von seinem Lande 
in kaiserlicher Hast lag, da traten die Wilddiebe 
immer kecker auf. 1550 fielen wieder einige 
Förster durch die Kugeln der Wilddiebe, urtb wenn 
auch einer der letzteren, welcher ergriffen worden 
war, mit dem Leben an jenem Galgen büßte, so 
schreckte dies die verwegenen Gesellen doch nicht ab. 
Ein gegenseitiger Kriegszustand bestand zwischen 
den Förstern und den Wilddieben, die blutigen 
Zusammenstöße mehrten sich in unheilvoller Weise. 
Da ereignete sich denn ein Vorfall, der zll einem 
eigenthümlichen Gerichtsverfahren den Anlaß gab, 
das wohl einzig in seiner Art dasteht. G. Land a u, 
dessen Schrift „Die Geschichte der Jagd intb der 
Falknerei in beiden Hessen" wir diesen Artikel 
entnommen haben, berichtet darüber: 
Es war am 7. Februar 1551, als mehrere 
Schützen zu Roß üud zu Fuß unter Führung 
Engelhardts von der Wiek in den Reinhardswald 
zogen, um auf Wilddiebe zu streifen. Schon 
Morgens 9 Uhr stießen sie bei der Schmelzhütte 
an der Lempe (östlich von Hombressen) auf sechs 
solcher Gesellen. Sobald mar: sie bemerkte und 
itrtb Junker Engelhard „Schützen her" rief, 
wendeten sie mn und stellten sich an einem Graben 
bei einem „gewaltigen Eichbaum". Engelhard 
forderte sie auf, sich zu ergeben, drohend, daß sonst 
keiner von ihnen mit dem Leben vom Platze kommen 
solle. Doch das war vergebens. „Steht, ihr lieben 
Brüder!" rief einer, „es will hie doch itit anders 
seyn, wir müssen die Haut dazuthlln." Als 
Engelhard entschlossen seine Büchse auf sie drückte, 
die aber versagte, war dieses das Zeichen zum 
Gefechte, nub von beiden Seiten wurde (jefeuert. 
Gleich bei den ersten Schüssen brach Eugelhard's 
Pferd zusammen, und einer seiner Begleiter fiel 
tödtlich verwundet, ein anderer fand in der Ver 
folgung den Tod. Aber auch von den Wildschützen 
ließen drei ihr Leben. Schon lagen zwei getödtet, 
als auch der dritte im Springen: über einen 
Grabe:: einen Schuß durch den Leib erhielt. Trotz 
dem vertheidigte er sich noch, und erst als sein 
Verfolger ihm das Schwert auf. den Kops stieß, 
bat er um Gnade und reichte seine Büchse hin. 
Doch auch seine Stunde- hatte geschlagen, denn
	        

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