Full text: Hessenland (7.1893)

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Löwen. Es ist ein herrliches Werk, das von 
der kunstreichen Hand Deutschmann^s in 
Erfurt prächtig aus bairischem grüngrauen Sand 
stein ausgeführt worden ist. Die Vorderseite des 
Sockels ziert die Inschrift: 
Dem Andenken braver Hessen, 
den Opfern der Soldatenerhebung 
zuEschwege 1806 — 1807; 
die Rückseite: 
Am 21. Februar 1 807 starben durch 
französische Kugeln 
E. Psannkuch. I. Hup seid. 
I. G. Schäfer. C. Bachmann. 
H. Sommermann, 
kurhessische Soldaten aus dem Kreise 
E s ch w e g e. 
Als die Hülle sank, sangen die Mitglieder der 
Konkordia und des Jägerischen Männerquartetts 
das Lied : „Dir möchte ich meine Lieder weihn", 
dann bestieg der Vorsitzende des Comites für 
Errichtung des Denkmals, Rektor Wagner, die 
Tribüne, um die fünf Erschossenen in begeisterter 
Rede zu feiern und das Denkmal dem Vertreter 
der Stadt, Bürgermeister Vocke, zu übergeben, 
welcher dasselbe freundlichst für die Stadt über 
nahm und ihm für die Folge den Schutz versprach. 
Mit.eittem Hoch . aus, Se., Majestät, den Kajser 
schkvß 'Rektor Wagner seinen gediegenen Vortrag, 
in welches die Menge mit dem Liede: „Heil Dir 
im Siegerkranz" einstimmte. 
Die Feier vor dem Denkmal endete mit dem 
Absingen des Liedes: „Deutschland, Deutschland 
über Alles", worauf sich der Zug auflöste und 
die Fahnen der Vereine durch eine Turnerabthei 
lung nach dem Festsaale verbracht wurden. 
Noch bis zur Dunkelheit aber blieb das Denkmal 
von Neugierigen umwogt, während Photographen 
beschäftigt waren, dasselbe aufzunehmen. 
Am Abend versammelten sich in dem Ernst 
Holzapfel'schen Saale noch einmal die Festtheil- 
nehmer zum Festkommers und blieben beim Klange 
patriotischer Lieder und Reden in gehobener Stim 
mung bis in die späte Nacht vereint. Der Abend 
wird Allen ein unvergeßlicher sein. 
L. W. 
Griih -ich Gott, du stolzer Aöwr! 
Gin Halmzivrig. niedergelegt um Fuße des Hessen-Denkrnnls zu 
Gschloege um Tuge seiner Enthüllung. 
Herbstlich rauscht es durch die Lüfte, und die Hülle sinkt 
hernieder , 
Grüß dich Gott, du stolzer Löwe! . . Ei, das nenn' ich 
prächt'ge Glieder, 
Nenn' ich eine Königsmähne! Grüß dich Gott, du Stein 
gebild . 
Dessen, den die Landesfürsten führten in dem Wappenschild.— 
Grüß dich Gott, du Wüstenkönig! heil'ges Zeichen 
stolzer Fahnen, 
Dem da selbstbewußt zum Kampfe folgten meines Volkes 
Ahnen 
Seit der Zeit, wo sie gewandert aus dem fernen Steppenland 
Asiens als Jägerhorde in's Gefild am Edderstrand. 
Und wo immerhin sie rauschten diese Fahnen mit dem 
Leuen, 
Schmückten Sieges-Lorbeerkränze Haupt und Helme der 
Getreuen. 
Fragt den Halbmond; fragt die Pußten Ungarns, wo die 
Hessenschaar 
Mit Eugen, dem edlen Ritter, dem Besieger Belgrads, war. 
Fragt Moreas Myrthenhaine, d'rin der Chatten-Leu 
sich sonnte 
Unter heit'rem Griechenhimmel; fragt die Wahlstatt 
Negroponte, 
Wo im Vorderstreit sie rauschten über Leichen — auf 
dem Schutt 
Des erstürmten trutzgewalt'gen Türkenbollwerks Marabut. 
Fragt Siciliens Gestade; Schottlands felsenklüft'ge 
Clane; 
Fragt Kolumbus' neue Welten, meerumspült vom Ozeane; 
Fragt die Stadt der Kaiserkrönung, Deutschlands Perle 
an dem Main; 
Fragt die Berge, wo die Traube reifet zum Champagnerwein; 
Fragt am Rheinstrom auf und nieder und im städte 
reichen Flandern; , 
Fragt nach Neüß; fragt nach dem Nheinfels; weiter fragt 
nach all' den andern. 
Wo zur Rechten tapf'rer Britten stolz und siegreich sie 
geweht, 
Und wo ihre Ruhmeshalle, Hochstädt, unvergänglich steht. 
Ueberall im Vorderstreite stand der Löwe auf den 
Pranken, 
Hoch zum Schlag die wucht'ge Tatze auf den Erbfeind, 
auf die Franken; 
Grüß dich Gott darum, du kühnes, stolzes, edles Steingebild 
Dessen, welchem einst die Ahnen folgten treu mit Schwert 
und Schild. 
Ja, im Vorderstreit! Auch damals, als in Deutschlands 
weiten Forsten 
Frankreichs mächt'ge Kaiseradler blutberauschet wollten 
horsten; 
Als da Preußens Aar zerfleischet lag umgeben von Verrath, 
Und den Schild hob an der Werra kühn der hessische Soldat — 
Doch was will ich? Doch was fing' ich? Ist das heute 
wohl von Nöthen? 
Wirst du Steinbild nicht viel besser als die beste Lyra 
reden? 
Wirst du nicht die fünf Soldaten rühmend feiern stets 
auf's Neu', 
Die durch Frankenschergen starben für die Fahne mit 
dem Leu? 
Steingebild, ja, du wirst reden —, und die falschen 
Tagspropheten 
Müssen schweigen und mit ihnen alle, die sich nicht entblöden 
Die Geschichte zu verkehren und zu ziehn das Eichenlaub 
Von der Stirne deutscher Männer in gemeinen Alltagsstaub.
	        

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