Full text: Hessenland (7.1893)

280 
Theil des Textes zum 1. Akt der Nico lauschen 
Oper „Die lustigen Weiber von Windsor" rührt 
von ihm her. In frühester Zeit begannen auch 
schon seine heraldischen und numismatischen Studien 
welche für die Folge im Verein mit seinen Forschungen 
und Veröffentlichungen über die Geschichte der 
hessischen Fürstenhäuser den breitesten Raum seiner 
Thätigkeit eingenommen haben. Eine bald nach 
seinem Tode erschienene wohlwollende und sachkundige 
Besprechung im „Kasseler Tageblatt" nennt ihn 
mit Recht den Historiographen der hessischen 
Fürstenhäuser. Sein im Jahre 1861 erschienenes 
„Historisch-genealogisches Handbuch über 
alle Linien des hohen Negentenhauses 
Hessen" sowie „Hessens Regenten in 
historischen Umrissen für Volk und 
Jugend" und manche andere Arbeiten ähnlichen 
Inhalts sind die Ergebnisse dieser Studien. 
Das eigentliche Werk seines Lebens, die dem 
Großherzog Ludwig III. von Hessen gewidmete 
vierbändige „Historisch kritische Beschrei 
bung aller bis jetzt bekannt gewordenen 
hessischen Münzen, Medaillen und Marken 
in genealogisch-chronologischer Folge", 
ist als eine oer bedeutendsten Arbeiten über 
Numismatik anerkannt, hat den Ruf ihres Verfassers 
weit über Deutschlands Grenzen getragen und ist 
eine bahnbrechende Grundlage geworden für viele 
Werke ähnlichen Inhalts. Mit Recht sagt der 
bereits oben erwähnte Aussatz, Hoffmeister habe 
mit diesem Werk für die Behandlung der numis 
matischen Wissenschaft förmlich Schule gemacht. 
Ans Anlaß dieser Arbeiten unterhielt er eine 
rege Verbindung mit bedeutenden Münzkundigen 
des In- und Auslands, und namentlich hat die 
gleiche Neigung ihm die wohlwollende Freundschaft 
seines langjährigen Gönners,des Prinzen Alexander 
von Hessen, eingetragen, welche in einem reichen 
persönlichen und schriftlichen Verkehr zum Aus 
druck kam. 
Von äußeren Auszeichnungen sind ihm neben 
dem preußischen rothen Adler-Orden 4. Klasse vom 
Großherzog von Hessen das Ritterkreuz erster 
Klasse des großherzoglich hessischen Verdienstordens 
Philipp des Großmüthigen sowie die hessische 
goldene Verdienstmedaille für Wissenschaft und 
Kunst verliehen worden. Ferner erhielt er die 
würtembergische goldene Verdienstmedaille für 
Wissenschaft und Kunst und vom Fürsten Alexan 
der von Bulgarien dessen Verdienstmedaille 
in Gold am rothen Band. 
An der Hand seiner Studien uitb Arbeiten lebte 
er ein stilles, bescheidenes und sich von der Gegen 
wart immer mehr zurückziehendes Leben. Seine 
Neigungen lagen in der Vergangenheit. Was 
nicht der Geschichte angehörte, trat für seine 
Interessen zurück. Noch in den letzten Jahren 
seines Lebens beschäftigte ihn die Neubearbeitung 
der Piderituschen Geschichte der Stadt 
Kassel. 
So ist er still hinübergegangen, von beit Zeit 
genossen fast vergessen. Aber die Genossen seiner 
vergangenen Tage wissen, ein wie reiches Leben 
sich mit ihm geschlossen, welcher Schatz von Wissen, 
namentlich in der vaterländischen Geschichte, ein 
wie feinsinniger Geist mit ihm dahingegangen 
ist. Die Erinnerung hieran wird die an manche 
Schwachheiten seines Wesens überwiegen. 
Ein von ihm selbst im Jahre 1862 geschriebener 
Lebensabriß nebst einem Verzeichniß seiner sämmtlichen 
litterarischen Produktionen findet sich bei „Dr. 
Otto Gerland, Fortsetzung von Strieder's hessischer 
Gelehrtengeschichte, Kassel, bei Freyschmidt, 1863". 
H H. K. 
Ohm und Onkel. 
Erzählung von C. von Dincklage-Campe. 
(Fortsetzung.) 
e näher die Männer dem Kasernenhofe kamen, 
um so geräuschvoller ging es in den Straßen zu. 
Es spielten sich Abschiedsszenen aller Art ab. 
Hier schwuren sich Liebende ewige Treue, dort mischten 
sich Flüche und Verwünschungen in den Trennungs 
schmerz, und dann wieder sah man ein weinendes 
Mütterchen, welches dem Sohne ihren Segen als 
letzte Gabe bot. 
Eifrig vorwärtsstrebend, hatten die Männer 
den Königsplatz überschritten, und bald übertönten 
die Kommandorufe der Truppenführer und schmet 
ternde Fanfaren das Stimmengewirr. 
Menschen und Pferde drängten hier, keines 
Verbotes achtend, durch einander, bis des kom- 
mandirenden Generals von Heister Befehl zum 
Abmarsch mit klingendem Spiel diesem sinn 
verwirrenden Lärm ein Ende machte. 
Zwar gab die halbe Stadt und Schaaren von 
Landleuten den Abziehenden das Geleite. Wer 
keine Angehörigen unter den Soldaten hatte, dem
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.