Full text: Hessenland (7.1893)

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an diesem offenen Grabe laut und öffentlich Zeugniß ab 
zulegen von dem, was der Verstorbene nicht nur seiner 
Stadt, nicht nur als Mitglied des Bezirks-, Landesausschusses 
und als Kommunallandtagsabgeordneter dem ganzen um 
ihn trauernden Hessenlande, sondern was er namentlich 
auch den hessischen Städten gewesen ist. Hier in dieser 
schönen, über 30 Jahre von ihm so vortrefflich verwalteten 
Stadt, der ältesten Kulturstätte im Lande, wurde unter 
seiner freudigen Zustimmung und wesentlichen Mithülfe 
der hessische Städtetag gegründet, um für die gemeinschaft 
lichen Interessen der hessischen Städte ein einheitliches, 
alle Kräfte fest zusammenhaltendes Organ herzustellen. Er 
gehörte von Anfang an dem Vorstande an, war von An 
fang an Mitvorsihender desselben, war auf allen Versamm 
lungen Referent in den wichtigsten Angelegenheiten und 
Begründer und Vorsitzender des aus dem Städtetag her 
vorgegangenen Sparkassenverbandes der hessischen Städte. 
Aber nicht nur durch das, was er in dem Städtetag und 
für denselben geleistet und geschafft hat, nein, noch viel 
mehr durch das, was er in ihm war, durch seine ganze 
Persönlichkeit, durch seine reiche Erfahrung, seine beson 
nene Weisheit, sein liebenswürdiges, vornehm-bescheidenes 
und mildes Wesen ist er geradezu die Zierde und der 
Stolz des Städtetages und der in ihm vereinten hessischen 
Städte gewesen. Wir werden Dich, theuerer Freund, auf's 
Schmerzlichste vermissen, und Du wirst uns unersetzbar sein, 
aber wir geloben um so mehr, das, was Du geschaffen, 
als theures Erbe zu bewahren und zu pflegen, und Dein 
Name, Franz Rang, Oberbürgermeister von Fulda, wird 
nicht vergessen werden, solange die hessischen Städte treu 
verbündet zusammen stehen werden. Ruhe sanft, lieber 
Freund, Dein Gedächtniß bleibt in Ehren und im Segen. 
Der hessische Städtetag und die Stadt Kassel senden Dir 
durch mich in diesen Kränzen ihren letzten freundlichen 
Gruß." 
Während die Vereine am Grabesrande vorüber 
zogen und als letzten Abschiedsgruß die umflorten 
Fahnen über dem mit Blumen bedeckten Sarge 
schwenkten, fielen zum Schluß der ergreifenden 
Trauerfeierlichkeit die Erdschollen auf denselben 
nieder, welche die Leidtragenden vor dem Scheiden 
von der geweihten Stätte zum Zeichen ihrer Liebe 
und Verehrung dem Todten spendeten. — 
Nur Wenigen dürfte es erinnerlich fein, daß 
Franz Rang zweimal zum lebenslänglichen Ober 
bürgermeister der Stadt Fulda gewählt worden ist. 
Dieses eigenthümliche Verfahren hing mit den 
Versassungswirren der damaligen Zeit zusammen. 
Die erste Wahl war im Herbste 1862 aus Grund 
der provisorischen Bestimmungen erfolgt, durch 
welche nach Erlaß der oktroyirten Verfassung vom 
13. April 1852 die hessische Gemeindeordnung 
vom 23. Oktober 1834 Abänderungen erlitt, die 
aber nach Wiedereinführung der Verfassung vom 
5. Januar 1831 durch die landesherrliche Ver 
kündigung vom 21. Juni 1862 bis zur weiteren 
Ordnung durch die Landstände noch beibehalten 
wurden. Als nun durch das Gesetz vom 15. Mai 
1863 jene provisorischen Bestimmungen von der 
kurhessischen Ständekammer als ungesetzlich auf 
gehoben wurden, mußten aus Grund des 8 2 des 
letztgenannten Gesetzes überall da, wo die Orts 
vorstände nicht nach der ursprünglichen Gemeinde- 
ordnung von 1834 gewählt worden waren, neue 
Wahlen angesetzt werden. Oberbürgermeister Franz 
Rang hatte sich in der kurzen Zeit seiner Amts 
führung aber das Vertrauen seiner Mitbürger und 
speziell der Mitglieder der städtischen Körperschaften 
in so hohem Grade erworben, daß seine Wieder 
wahl auf Lebenszeit, diesmal sogar, wenn wir 
nicht irren, einstimmig, erfolgte. 
Schwere Zeiten hat der Verblichene als Ober 
bürgermeister von Fulda durchzumachen gehabt, 
aber den Muth hat er niemals sinken lassen. Sein 
Streben ist immer das edelste, das beste gewesen, 
stets war er bemüht, das Wohl seiner geliebten 
Vaterstadt mit allen seinen Kräften zu fördern, 
und wohlverdient hat er sich um dieselbe gemacht. 
Soll ich seine Verdienste einzeln angeben? Das 
würde zu 'weit führen; sind sie doch noch frisch 
im Gedächtnisse eines Jeden, und sind sie doch 
allgemein anerkannt und gewürdigt worden. Er 
war ein wahrer Vater der Stadt, wohlwollend 
und entgegenkommend gegen Jedermann, treu, offen 
und bieder, hochherzigen und edelmüthigen Charakters. 
Nicht minder verdienen seine Leistungen als 
Mitglied des Kommunallandtages, des Landes 
ausschusses, des Bezirksausschusses, des Kreistages 
und Kreisausschusses als hervorragende bezeichnet 
zu werden. Er war ein guter Redner, ein treff 
licher Stilist, in seinen nach Form wie nach Inhalt 
ausgezeichneten Referaten, mochten sie in Wort oder 
Schrift bestehen, wußte er stets das Rechte zu treffen. 
Seine liebenswürdige Persönlichkeit, sein „vornehm- 
bescheidenes mildes Wesen" gewannen ihm die 
Sympathien Aller, die mit ihm in Berührung 
kamen. Er war ein treuer Sohn seiner Kirche, 
sein tief-religiöser Sinn, seine aufrichtige Frömmig 
keit waren ihm Herzensbedürfniß. Und sein 
Familienleben? Die zartesten, innigsten Bande 
der Liebe und Verehrung herrschten zwischen den 
einzelnen Familiengliedern. Zweimal war er ver- 
heirathet. Gleich nach seiner Ernennung zum 
Oberbürgermeister verehelichte er sich mit Fräulein 
Anna Waxmann aus Würzburg; nach deren fünf 
Jahre später erfolgtem Tode vermählte er sich mit 
Fräulein Pauline Schantz, Tochter des im Jahre 
1880 verstorbenen Landrathes Ludwig Schantz 
von Rotenburg, und in wenigen Tagen würde die 
silberne Hochzeit gefeiert worden sein, wenn nicht 
der unerbittliche Tod dazwischen getreten wäre. 
Den unermeßlichen Schmerz, der die trauernde 
Wittwe, die Söhne und Töchter durch das allzu- 
srühe plötzliche Hinscheiden des theuren Gatten und 
Vaters betroffen, wer, der den edlen Verblichenen 
gekannt, sollte ihn nicht nachfühlen! Beide Ehen 
waren die glücklichsten. Es waren, ich sage nicht
	        

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