Full text: Hessenland (7.1893)

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eingerichtet. Zu ersterer Gattung gehörte das 
Partikulargericht, das Heinrich der Eiserne 1353 
der Geistlichkeit zu Grüneberg zu ihren Wclthändeln 
bestellte. Ein gleiches Gericht hatten auch die 
„ehrbaren Mannen" bei Hofe vor dem Marschall. 
Zu derselben Klasse gehörte wohl auch das 
spätere Kriegskollegium und alle Garnison- Kriegs- 
Gerichte, das Bergrathskvllegium, die Universitäts 
konsistorien und endlich die französische Kommission 
auf der Ober-Neustadt zu Kassel, insoweit die 
Franzosen in der Altstadt in Personalsachen unter 
ihr standen. Zu der anderen Klasse von Sachen, 
die sich nicht auf bestimmte Personen beziehen, 
rechnet man die geistlichen Konsistorien, die 
Polizeikommissarien, das Kommerzienkollegium 
zu Kassel. 
Wie nun der Prozeß in den alten hessischen 
Gerichten gchandhabt wurde, werden wir in einer 
späteren Schrift sehen. 
Oberbürgermeister Franz Rang +♦ 
(Schluß.) 
W 
|ie groß die Sympathien waren, welche die 
Bürgerschaft Fuldas für ihren so uner- 
wartet dahingeschiedenen Oberbürgermeister 
Franz Rang hegte, dafür liefert den sprechendsten 
Beweis die außerordentliche Theilnahme, die sich 
bei seiner Beerdigung kund gab. Alle Kreise der 
Bevölkerung waren in dem Leichenzuge vertreten, 
und jedem der Theilnehmer merkte man sichtlich 
den tiefen Schmerz ob des herben Verlustes an. 
Am 10. Oktober 1862 war Franz Rang in sein 
neues Amt als Oberbürgermeister der Stadt Fulda 
im dortigen Rathhause eingeführt worden, einund 
dreißig Jahre später an demselben Tage wurden 
seine sterblichen Ueberreste ans demselben Gebäude 
zur letzterr Ruhe nach dem alten Friedhof über 
geführt. Unübersehbar war der Leichenzug, der 
sich am 10. Oktober, Nachmittags 3 1 / 2 Uhr, durch 
die Straßen bewegte. Die meisten Geschäfte in 
denselben waren geschlossen, die brennenden Gas 
laternen waren mit schwarzem Flor umhüllt, um 
so auch äußerlich der Trauer Ausdruck zu geben. 
Den Leichenkondukt eröffnete die Schuljugend; 
dieser folgten die sämmtlichen Vereine und Kor- 
porationer: der Stadt mit umflorten Fahnen und 
Standarten. Die amtirenden Geistlichen schritten 
wie herkömmlich dem Wagen mit dem Sarge voraus. 
Reich war derselbe mit Kränzen umgeben, aus 
beiden Seiten gingen schwarzgekleidete Knaben, 
Blumenkissen, Kränze und Palmen tragend. Die 
Fortsetzung des Geleites bildeten zunächst die An 
verwandten des Verstorbenen, dann die Mitglieder 
des Stadtrathes und des Bürgerausschusses, die 
städtischen Beamten, die auswärtigen Deputationen, 
der hochwürdigste Bischof, das Domkapitel, die 
Geistlichkeit der Stadt Fulda und viele auswärtige 
Priester; dann folgten die Spitzen der Behörden, 
und eine lange Reihe von Bürgern aller Stände 
machte den Schluß wohl des größten in Fulda ge 
sehenen Leichenbegängnisses, das durch eine muster 
hafte Ordnung und den tiefen Ernst der Theilnehmer 
wahrhaft erhebend und erbauend wirkte. Unter 
den fremden Leidtragenden befanden sich u. A. der 
Präsident des Kommunallandtages Kammerherr 
v. d. Malsburg, der Landesdirektor v. Hundels 
hausen, die Landesräthe Knorz, Schröder und 
Zuschlag, die sämmtlichen Mitglieder des z. Z. in 
Kassel tagenden Landesausschusses, der stellvertre 
tende Vorsitzende des Bezirksausschusses, Negie 
rungsassessor von Ditfurth, als Vertreter des 
Regierungspräsidenten, der Erbprinz Friedrich 
Wilhelm von Mnburg-Büdingen, der Gras Fro- 
berg - Montjoie von Gersfeld, der Kammerherr 
v. Bothmer als Vertreter der Landgräfin von Hessen 
re., ferner die Vertreter der Nachbarstädte Hanau, 
Hünseld, Gersseld, Tann, Soden, Wächtersbach, 
Gelnhausen, Allendors a. d. Werra, sowie die Mit 
glieder des Kreisausschnsses und Kreistages, endlich 
viele Bürgermeister aus der Umgegend. Unter 
feierlichem Geläute der Glocken erreichte der 
Trauerzug den alten Friedhof, aus dem der Heim 
gegangene seine Ruhestätte neben dem Grabe seines 
Vaters fand. Nach dem liturgischen Akt und der Ver 
senkung des Sarges nahm Stadtpsarrer Riehl 
das Wort zu einer ergreifenden Rede am offenen 
Grabe. Darauf wurde ein Gebet für den Ent 
schlafenen verrichtet, dem sich das Grablied: 
„Hier unten ist Friede", von den vereinigten 
Mitgliedern der Fuldaer Gesangvereine gesungen, 
anschloß. Nachdem die Töne verhallt waren, 
widmete Oberbürgermeister Westerburg aus 
Kassel seinem dahingeschiedenen Kollegen mit be 
redten Worten einen warmen Nachruf, den wir nach 
dem „Fuldaer Kreisblatt" hier wiedergeben: 
„Auf's Schmerzlichste ergriffen stehen neben der trauernden 
Bürgerschaft Fuldas, neben dem vollzählig anwesenden 
Landesausschusse die Vertreter der hessischen Städte an der 
Gruft des unvergeßlichen Freundes und Kollegen. Als 
Vorsitzendem des hessischen Städtetages und als Oberbür 
germeister der Hauptstadt' des Landes kommt es mir zu.
	        

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