Full text: Hessenland (7.1893)

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Oergebt, Unsterbliche, betn Sterblichen! 
Doch durch die qualerfüllte Seele fuhr, 
wie Morgengruß der Freiheit, — der Gedanke: — 
Wenn nicht durch Euch an tausendfachen Mördern 
Sich rächen soll der Trieb gemeiner Selbstsucht, 
So übernimmt Pompejus Euer Amt, 
Die blut'gen Denker in den Staub zu treten, 
Auf daß ihr Fuß nicht mehr entweiht die Tempel, 
Darin der Mund des Volks nach Rettung jammert. 
Und seht, — Ihr Unerforschlichen, schon ist 
Antonius besiegt, wie Oktavian, 
Kampflos besiegt durch meiner Flotte Macht, 
Die allen Früchten Afrikas bett weg 
Nach Rom versperrte, daß nun alle Schrecket: 
Des Hungers grinsend durch die Gassen jagen, 
Das Volk nach mir ttur, nach Pompejus ruft, 
Mich feinen Retter nennt, und daß die Feinde 
Der Freiheit zittern, weil ich auf den Wellen 
Der heimathlichen Meere Schätze führe, 
Für die ganz Rom zu meinen Füßen sitlkt, 
Wenn ich die Hände öffne: das Gespenst 
Der Hungersnoth zu bannen. — Denn wie Flammen 
Umzüngelt die Paläste schon die Wuth 
Des wildetnpörten, hungerbleichen Volkes. 
Da, nah' dem Ziele, — nahe meinem Siege, 
Der Stunde nahe, wo ich schon das Jauchzen 
Der abgezehrten Massen vor dem Forum 
Zu hören, schon zerschmettert Gktavian 
Zu sehen glaubte, wo die Aufregung 
In Glück und Wohl ich umzukehren hoffte: — 
Da — sendet Ihr, o Götter, Blitz und Donner- 
Auf tneine Schiffe, gleich als ob der Fimmel 
verzehrend Feuer auf die Erde gösse. 
— Dort! — dort, — die Feuergarben! wie sie mächtig 
herniederprasseln, daß die Wassersäulen 
hochschleudern meine Schiffe! heil'ge Götter, 
Laßt sie nicht berstet:, wenn sie niederstürzen! 
vergebenes Bitten! — Donner rollt auf Donner! 
Die Meereswogen, die sich thürmenden, 
Sii:d schaumgepeitscht von zürnenden Tritonen, 
Daß mich das aufgeregte Reich Neptuns 
hinabzureißen droht zutn finstern Orkus. — 
Ist das der Götter Lohn dafür, daß ich 
Det: tief im Elend Schmachtenden den hunger 
Zn stillen mich entschloß? Wohlan! — So mag 
Sich meines Schicksals dunkler Schluß erfüllen, — 
Pompejus trotzt den stnrmgepeitschten wogen, 
Wie er des Vaterlandes Feinden trotzt, 
Und wird die Kraft des Sterblichen verdoppeln, 
Das Volk aus der Parteien Zwist zu rettet:. 
Denn mehr als Alles ehrt den Mann die That, 
Die er ans Pflicht dem Vaterland erweist, 
Nicht, — tut: damit bet: Göttern zu gefallen. 
Was seh' ich? — ha, mein Lentulus, auch Du, 
Der Muthigste, hast Furcht vor dieser Sturmfluth? 
wer gab Befehl, die Anker fest zu legen? 
Auf! — Rede mit den Schiffen in der Sprache, 
Die wir gewohnt sind, die auch kein Orkan, 
Der wüthendste nicht überdonnern kam:. 
Die Flotte soll die Anker wieder lichtet: 
Und unsre Fahrt dem Götterkönig dant: 
Ein Heldenschauspiel, wie kein zweites, sein. 
— was sagst Du? — An dem Strand Siciliet:s seiet: 
Die Schiffe sicherer als auf dem Wege 
Nach Rom? — Und all Ihr Andern sagt das Gleiche? 
Ihr glaubt, im Nichtsthun an det: Rüstet: hier 
Der Sache eines großen Volks zu nützen, 
Indessen seine Feinde vorwärts schreitet: 
Und ungestraft sich feiner Ohnmacht freuen? 
wo sind von sonst die wetterstarken Segler? 
hab ich seit heute Knaben den:: an Bord? — 
Die Sonne Afrikas, die Euch gebräunt, 
Fat:d sie, statt Muthes, wachs in Eurer Brust? 
Und führ' ich Römer an, die nicht ihr höchstes 
Dem vaterlande gern und willig opfern? 
wie, — hör' ich recht? — Ihr meint, zu ankern fei 
Uns nöthig, um zu lebet:? — Feige Seelen! 
Ist des Pompejus Wille höher nicht 
Im Werthe als das Lebet: von Luch Alle::? — — 
Der Hunger Roms ist meiner Kriegslist Schuld; 
Doch angesichts des Sieges naht die Sühne: 
Brot — bringt Pompejus dem gequälte:: Volke 
Und Frieden, um's in Ruhe zu genieße::. 
Drum rasch a::'s Werk! — Eilt! Macht die Anker frei! 
Gedoppelt feien heut' die Ruderschläge! 
Denn nöthig ist's, zu segeln, nicht ist's t:öthig, 
Zu leben noch, we::n Rom im Sterben liegt. 
Nie Entwickelung der geistlichen und weltlichen Gerichts 
barkeit in den fürstlich Hesten-Kastel'fchen Landen. 
Die Partikulargerichte. 
Von H. Metz. 
(Schluß.) 
Die Gastgerichte. 
Diejenigen Gerichte, welche nur über gewisse 
Gattungen von Sachen zu urtheilen hatten, wurden 
Partikulargerichte genannt. Es bestanden von 
derartigen Gerichten in Hessen die Gastgerichte, 
Friedensgerichte und die Eigenthumsgerichte. 
Die zum Vortheil der Reisenden und Kanflerlte 
eingerichteten Partikulargerichtc wurden Gast 
gerichte, auch Kaufgerichte oder gekaufte Gerichte 
genannt, da für die mit der Gerichtshaltung 
verbundenen Bemühungen der Obrigkeit gewisse
	        

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