Full text: Hessenland (7.1893)

272 
schwedische Universität Gothenburg erhalten und 
angenommen. 
Todesfälle. Am 2. Oktober starb zu Geln 
hausen im 72. Lebensjahre der Postdirektor a. D. 
August Hahn. Er war geboren am 4. Mai 
1822 zu Wilhelmshöhe als Sohn des Registrators 
bei der Obersinanzkammer Friedrich Hahn, der im 
Jahre 1823, wie so viele andere, das Mißgeschick 
hatte, unschuldiger Weise in die Untersuchung 
wegen der „Drohbriefe" verwickelt zu werden. 
August Hahn beabsichtigte zunächst, sich dem Steuer 
sache zu widmen, trat aber später in den Thurn 
und Taxisffchen Postdienst, war als Beamter bei 
den Postämtern zu Bischhansen, Bellnhausen, Mar 
burg, Detmold, Bückeburg, Neustadt thätig, wurde 
1859 zum Postmeister in Gelnhausen befördert 
lutb 1871 zum Postdirektor daselbst ernannt. Nach 
zurückgelegtem 60. Lebensjahre trat er in den 
Ruhestand und verbrachte seinen Lebensabend in 
der ihm liebgewordenen Barbarossastadt Gelnhausen. 
Der Verblichene war ein Mann von vortrefflichen 
Charaktereigenschaften, der mit treuer Liebtz an 
seinem Heimathlande Hessen hing. Friede seiner Asche. 
Am 5. Oktober verschied zu Hanau nach 
längerem schweren Leiden im 74. Lebensjahre der 
Realschuldirektor a. D. Friedrich Becker, ein 
in den weitesten Kreisen bekannter und allgemein 
hochgeachteter und beliebter Herr. Geboren am 
18. März 1820 zu Nentershausen, erhielt er zunächst 
von seinem Vater, dem dortigen Lehrer, einen sehr 
sorgfältigen Unterricht, besuchte sodann das Gym 
nasium zu Hersseld und studirte vom Herbst 1841 
an zu Marburg Theologie, später wandte er sich 
dem Studium der Mathematik und der Natur 
wissenschaften zu. Nachdem er die Prüfungen in 
beiden Fakultäten, der theologischen wie der philo 
sophischen bestanden, nahm er 1847 eine Hauslehrer 
stelle in Berlin an. Im Oktober 1848 trat er 
als Praktikant bei dem Gymnasium zu. Kassel ein, 
1850 wurde er als beauftragter Lehrer an das 
Gymnasium zu Fulda versetzt und im April 1856 
zum Hülsslehrer daselbst befördert. Im September 
desselben Jahres wurde er als ordentlicher Lehrer 
bei der Realschule in Hanau angestellt und am 
12. Mai 1876 zum Direktor derselben ernannt. 
Dieses Amt bekleidete er bis zum 31. Dezember 
1888, an welchem Tage er in den Ruhestand trat. 
Der Verblichene hat sich um die seiner Leitung 
unterstellte Unterrichtsanstalt die größten Verdienste 
erworben. Er war ein Mann von umfangreichern 
Wissen, dabei zierte ihn Bescheidenheit in hohem 
Grade. Seinen Kollegen war er ein sehr wohl 
wollender, freundschaftlich gesinnter Vorgesetzter; 
seine Schüler hingen mit großer Liebe und Ver 
ehrung an ihm. Eitle lange Reihe Don Jahrerl 
war er Vorsitzender der „Wetterauischen Gesellschaft 
für die gesammte Naturkunde", deren reiche Samm 
lungen er rlach jeder Richtung hin zu vervoll 
kommnen bestrebt war. Auch während feiner 
Lehrerzeit irr den 50er Jahrerr zu Fulda hat er 
sich um derr dortigen „Verein für Naturkunde", 
desserr Mitbegründer er war, sehr verdient gernacht. 
Als großer Musikfreund urrd Musikkenrrer betheiligte 
er sich mit Vorliebe arr den musikalischen 
Bestrebungen überall, wo er gerade wirkte. Irr 
Hanau gehörte er dem „Jnstrumentalvereirr" als 
thätiges Mitglied arr, in Fulda war er Vorstands 
mitglied des „Sängerkranzes", und schon als Student 
irr Marburg leitete er den dortigen „akademischen 
Gesangverein", urrd der glänzende Verlauf des dort 
im Juli 1845 gefeierten Särrgerfestes ist zum 
großen Theile seinen Bemühurrgen zu verdanken. 
Das Hinscheiden -dieses vortrefflicherr Mannes, dem 
man nur das Beste rrachrührnerr karrrr, wird vorr 
Allen, die ihrr kanrrten, lebhaft beklagt. Sein 
Anderrken wird in Ehren bleiberr. 
Am 9. Oktober starb zu Kassel nach langem 
schweren Leiden im 81. Lebensjahre der rühmlichst 
bekannte hessische Schriftsteller Jakob Christoph 
Karl Hossmeister. Seirr Nekrolog folgt irr der 
nächsten Nummer. 
In schmuckem Gewände repräsentirt sich der rreue 
Jahrgang der von uns schon mehrfach erwühnterr 
Zeitschrift „Universum" (Dresden-^, Verlag von 
Alfred Hauschild). Arr eirre illnstrirte Zeitschrift 
werden heute garrz andere Anforderungen gestellt als 
vor 15 oder 20 Jahren, wo das Lesepublikum noch 
unserer heutigen Ansicht rrach urrglaublich anspruchs 
los war. Ohne die einer Familien-Zeitschrift 
gesteckten Grenzen zrr verlassen, weiß aber das „Uni 
versum" auch den verwöhnten Geschmack zu befrie 
digen und vermag, was seine Leistungen in Bild 
und Text anlangt, mit jedem anderen Unternehmen 
erfolgreich in die Schranken zu treten. Wie aus 
dem von der Redaktion mitgetheilten Programm 
hervorgeht, ist auch für den lausenden Jahrgang dem 
„Universum" die Mitarbeit der hervorragendstell 
nnb beliebtesten Schriftsteller aus belletristischem und 
populärwissenschaftlichem Gebiete gesichert. Wir 
können deshalb unsern Lesen: diese gediegene Zeitschrift 
mit gutem Gewissen empfehlen. 8. 
Berichtigung. 
In dem vorletzten Verse des Leitgedichtes in der Nummer 18 
des „Hessenlandes" muß es statt „fallen" heißen „rollen". 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwenger in Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.