Full text: Hessenland (7.1893)

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Deutschen Verlagsanstalt (Stuttgart) erscheinen 
werden. Gleichzeitig wird von demselben Verfasser 
ein Bändchen „Humoristische Novellen" im Verlage 
von Oskar Ehrhardt in Marburg herauskommen. 
Diese Mittheilung wird gewiß den Lesern unserer 
Zeitschrift, die ja unseren verehrten' Freund Dr. Saul 
als Dichter und als Erzähler kennen und schätzen 
zu lernen Gelegenheit hatten, sehr willkommen sein. 
Wie das Amtsblatt der königlichen Regierung 
zu Kassel meldet, hat vr. Ludwig Bickell in 
Marburg seit dem 1. April d. I. das Amt eines 
Konservators der Denkmäler im Regierungsbezirke 
Kassel wieder übernommen, und werden die Be 
hörden, Beamten uitb Privaten von der königlichen 
Regierung ersucht, dem genannten Herrn in seinem 
Amte in jeder von ihm gewünschten Weise gefälligst 
behülflich zu sein. 
Ueber den Fortgang der Limessorschungen 
entnehmen wir den in eben erschienener Nr. 5 des 
„Limesbl." veröffentlichten Berichten der Strecken 
kommissare Folgendes: Im Kastell von Mar 
köbel (Kreis Harlan), wo im vorigen Jahre mehrere 
Thore, die Gußmauerfundamente des Prütoriums 
und andere Bauanlagen ausgegraben worden waren, 
sarld man zwischen der Mitte und der nördlichen 
Seitenmauer des Prütoriums ein aus fünf starken 
Sandsteinplatten hergestelltes, kaftenartiges Gelaß, 
welches so in den Fußboden eingelassen war, daß 
sein oberer Rand in gleicher Höhe mit dem alten 
Bauhorizont lag. Eine der Platten bildete den Boden 
des Gelasses, die andern standen auf ihr gegen den 
natürlichen Boden gelehnt und waren augenscheinlich 
ehemals mit einer sechsten Platte bedeckt, die in 
gleicher Höhe mit dem Fußboden den 1,18 Meter 
langen, 0,74 Meter breiten und 0,60 Meter hohen 
Jnnenraum abschloß. Wenn der Fußboden, wofür 
manche Anzeichen sprechen, mit Steinfliesen belegt 
war, so war der Ort des Gelasses für Uneingeweihte 
verborgen. Der Raum diente jedenfalls als „Ge 
heimarchiv" zur Aufbewahrung der Kasse und wich 
tiger Dokumente. — Im Kastell von Groß 
krotzenburg (Kreis Hanau) wurde u. a. ein voll 
kommen unversehrt erhaltener Entwässernngskanal 
aufgedeckt, der durch einen Thurm hindurch nach dem 
Main führte. Grabungen in der zum Kastell ge 
hörigen bürgerlichen Niederlassung förderten be- 
merkenswerthe Skulpturen und Inschriften zu Tage, 
besonders solche, die zum Marskultus in Beziehung 
standen. Ueberreste des Steinkörpers der von Groß 
krotzenburg nach Miltenberg durch das Mainthal 
führenden römischen Heerstraße wurden 170 Meter 
mainanfwärts vom Kastell Wörth bei Miltenberg 
und weiterhin aufgefunden. Auch wurden die Stein 
lagen einer andern alten Straße entdeckt, die sich 
von der Mainthalstraße abzweigte; doch konnte der 
weitere Verlauf dieser Straße nicht festgestellt 
werden, so daß es zweifelhaft bleibt, ob die auf 
gefundenen Steinreste einer die Odenwaldkastelle 
verbindenden Heerstraße, deren Dasein man ver 
muthen muß, angehörte):. 
Universitätsnachrichten. Die Privat 
dozenten vr. Karl Rath gen zu Berlin und 
vr. Paul Kehr zu Marburg sind zu außer 
ordentlichen Professoren in der philosophischen 
Fakultät der Universität Marburg ernannt worden, 
vr. Rath gen, aus Weimar stammend, war mehrere 
Jahre Professor der Staatswissenschaften an der 
Universität Tokio in Japan. Er veröffentlichte 
nach feiner Rückkehr aus Japan 1891 ein Buch 
über „Japans Volkswirthschaft uno Staatshaushalt", 
welches als wichtigstes Quellenwerk für die japanische 
Volkswirthschast betrachtet werden kann. Im Winter 
semester 1891/92 habilitirte sich vr. Rathgen an 
der Berliner Universität als Privatdozent für 
Volkswirthschaft und stand hier dem Professor 
vr. Gustav Schmoller bei der Leitung des volks- 
wirthschastlichen Seminars zur Seite. Kurze Zeit 
darauf wurde er vom Unterrichtsministerium damit 
betraut, an Stelle des zu einer Studienreise nach 
Amerika beurlaubten Professors vr. Hermann 
Paasche all der Universität Marburg die national 
ökonomischen Vorlesungen zu halten. — Der Historiker 
vr. Paul Kehr gehört seit 1889 dem Lehrkörper 
der Ulliversität Marburg an. Geboren ist derselbe 
1860 zu Waltershausen in Thüringen; seine 
Gymnasialstlldien machte er in Gotha und Halber- 
stadt , dam: widmete er sich an den Universitäten 
Göttingen und München dem Studium der Geschichte 
und klassischen Philologie. Nach Beendigung seiner 
Universitätsstudien ging vr. Kehr nach Rom, um 
in den vatikanischen Archiven Materialien zur 
deutschen Kaisergeschlchte zu sammeln. Ergebnisse 
seiner vatikanischen Forschungen sind Arbeiten über 
den Vertrag von Anagni, Studien über die päpst 
lichen Suppliken des 14. Jahrhunderts, über eine 
Purpururkunde Konrad^s III., Kaiserurkunden aus 
den vatikanischen Archiven zur Geschichte der 
Ottonen, Urkunden Otto's III. Gemeinsam mit 
Gustav Schmidt hat vr. Kehr im Austrage des 
Geschichtsvereins der Provinz Sachsen päpstliche 
Urkunden und Regesten aus den Jahren 1295 
bis 1387 bearbeitet. - 
Der außerordentliche Professor der englischen 
Philologie vr. Ferdinand Holthausen zu 
Gießen hat einen Ruf als ordentlicher Professor 
der deutschen und 'englischen Sprache an die
	        

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