Full text: Hessenland (7.1893)

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von dem plötzlichen Tode des Oberbürgermeisters 
nach Fulda gelangt. Die Nachricht schien hier schier 
unfaßbar, und erst als vom Rathhause die Trauer 
fahne herabwehte, glaubte man sie. Die Stadt 
behörde von Fulda beschloß, die Leiche durch einen 
Deputirten abholen 31t lassen. Justizrath Ignaz 
Rang, der Bruder des Verblichenen, und das 
Stadtraths-Mitglied Richard Schmitt begaben sich 
sofort nach Kassel. Dort ordneten sie iu Gemein 
schaft mit dem Landesrath Dr. L. Knorz, einem All 
verwandten und Freilnde des Dahingeschiedenen, 
das zur Uebersührung der Leiche Erforderliche 
an. Am Sonntag Vormittag wurde die Leiche, 
nachdem sie zuvor vom Hosphotographell Kegel 
ausgellomlnell war, eingesargt und hierauf nach 
10 Uhr vom Dechant Stoff eingesegnet und 
zur Bahn geleitet. Zur Trauerfeier hatten sich 
die Spitzel: der Behörden, viele Freullde nnb Be 
kannte des Verstorbenen eingefunden. Dem mit 
Kränzen reich geschmückten Sarge folgten bei der 
Verbringung der Leiche zum Kasseler Bahnhof im 
Geleite der Oberpräsident Magdebilrg, der Regierungs- 
präsident Gras Clairon d'Haussonville, der Ober 
landesgerichtspräsident Eceius, der Landesdirektor 
Freiherr von Hundelshausen, der Polizeipräsident 
Graf Königsdorff, der Senatspräsident Petri nnb viele 
Andere. Am Sonrltag Abend gegen 7 Uhr traf die 
Leiche in Fulda ein und wurde unter großem Andränge 
des Publikums iu feierlich stillem Trauerzuge von dem 
Stationsgebäude nach dem lleuen Rathhause geleitet. 
Fackelträger begleiteten den Zug, und hinter dem 
Leichenwagen schritten die Mitglieder des Stadt 
rathes und des Bürgerausschusses sowie sämmtliche 
städtische Beamten. Die Leiche wllrde in dem 
großen, schwarz ausgeschlagenen nnb entsprechend 
dekorirten Saale des Rathhauses auf dem Parade 
bette ausgestellt, um am Dienstag, den 10. Oktober, 
um 3*/2 Uhr in feierlichster Weise der Erde über 
geben zu werden. 
Nicht nur in Fulda, Kassel nnb den übrigen 
hessischen Städten, auch weit über die Grenzen 
unseres engeren Vaterlandes hinaus' hat das Hin 
scheiden des Oberbürgermeisters Franz Rang die 
lebhafteste Theilnahme hervorgerufen, zählte er 
doch zu den bekanntesten, angesehensten und be 
liebtesten Persönlichkeiten unseres Heimathlandes 
Hessen, dessen treuer Sohn er stets gewesen ist. — 
Franz Dagobert Justus Rang war am 
18. Juli 1831 zu Neuhof bei Fulda geboren. 
Er entstammte einer sehr angesehenen altsnldaischen 
Beamtensamilie, die durch Generationen hindurch 
in ununterbrochener Reihenfolge sürstäbtliche und 
fürstbischösliche Amtsvögte auszuweisen hat. Sein 
Bater, der Geheime Justizrath Justus Rang, ge 
storben zu Fulda am 3. November 1859 im Alter 
von 57 Jahren, war ein ausgezeichneter Jurist, ein 
hervorragendes Mitglied der Obergerichte zu Mar 
burg und Fulda, eine Zierde des kurhessischen 
Richterstandes. Ueberall, wo derselbe gewirkt hat, 
steht er heute noch wegen seiner vorzüglichen 
Charaktereigenschaften im besten Andenken. Er 
sowohl wie seine Gattin Therese, geborene Zahn, 
eine hochgebildete Frau und vortreffliche Mutter, 
waren auf das Eifrigste bestrebt, ihren Kindern, 
zwei Söhnen und einer Tochter, die sorgfältigste 
Erziehung zu Theil werden zu lassen. Sie ließen 
es sich angelegen sein, nicht nur die geistige, son 
dern vornehmlich auch die Herzensbildung berfetben 
zu fördern und ihnen jene ernst-sittliche, religiöse 
Gesinnung einzupflanzen, die, auf Ueberzeugung 
beruhend, ein Erbtheil der Familie ist. Und ihre 
Aussaat fiel ans guten Boden. I 
Franz Rang besuchte mit bestem Erfolge 
das Gymnasium zu Marburg. Nach Ab- 
solvirung desselben widmete er sich von 1850 
bis 1853 dem Studium der Rechtswissenschaft an 
den Universitäten Marburg und Bonn. Er war 
ein sehr angesehener Student, in Marburg Korps 
bursche und Senior der „Teutonia", in Bonn 
Korpsbursche der „Hansea". Im Jahre 1854 
trat er nach bestandenem Fakultäts- und Staats 
examen als Referendar bei dem Obergerichte zu 
Fulda in den juristischen Vorbereitungsdienst. 
Seinen «Kenntnissen und seinem Talente hatte er 
es zu verdanken, daß er schon nach wenigen 
Jahren die Richterqualifikation erhielt; doch ver 
ließ er den juristischen Dienst, um die im Herbst 
1862 aus ihn gefallene Wahl als Oberbürger 
meister der Stadt Fulda anzunehmen. 
Mehr denn 31 Jahre hat er diese, hohe verant 
wortliche Stelle bekleidet, er hat sich um seine 
Vaterstadt, an der er mit allen Fasern seines 
Herzens hing, wohlverdient gemacht, und sein 
Streben und Wirken wird nimmermehr vergessen 
werden. Als er am 10. Oktober 1887 sein fünf 
undzwanzigjähriges Jubiläum als Oberbürger 
meister feierte, da zeigten die zahlreichen Ehrungen, 
die ihm die Bürgerschaft Fuldas bereitete, so 
recht, von welchen Gefühlen der Liebe und Dank 
barkeit dieselbe für ihren Oberbürgermeister beseelt 
war. — 
Von 1867 bis 1871 war Franz Rang Mit 
glied des Norddeutschen Reichstages. Er schloß 
sich der „freien Vereinigung" an, welcher u. A. 
auch der bekannte Abgeordnete von Bockum-Dolffs 
angehörte. 
Von 1868 bis zu seinem Tode war er un 
unterbrochen Mitglied des Kommunallandtages 
für den Regierungsbezirk Kassel, bezw. des 
Provinziallandtags der Provinz Hessen-Nassau.
	        

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