Full text: Hessenland (7.1893)

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habe ja das Geschäft auch besorgt u. f. w. Nun 
erstattet Edelsheim selbst einen langen Bericht 
an den Landgrafen, in dem er ausführt und 
durch abschriftliche Anlagen beweist, daß die 
Zeitungen niemals vorher revidiret seien und 
daß, wie er von seinem Vater gehört, man aus 
dem Grunde jederzeit Bedenken getragen habe, 
die oft gehörte Zeitungsrevision einzuführen, „weil 
in Zukunft anstatt des Zeitungsschreibers der 
Revident angegriffen und, weilen man von einem 
solchen Oorroetoro um so viel nlehrere circum- 
spection praetendirt, die Beschwerden nur 
vergrößert würden. Zudem sei es vor Jemanden, 
der so wie er durch viele andere Geschäfte be 
ständig äistradiret, keine Möglichkeit, wöchentlich 
viermal, — so oft erschien damals das Blatt —, 
die Zeitung durchzulesen und jedesmahlen 
vorauszusehen oder zu ergründen, ob diese oder 
jene überschriebene Umstände in k'aeto wahr oder 
Niemanden anstößig seien". 
Ein landgräflicher Bescheid hierauf ist nicht 
vorhanden, es scheint, als ob die Angelegenheit 
wieder in Vergessenheit gerathen sei. Erst Erb 
prinz Wilhelm — später als Landgraf der IX. 
und Kurfürst der I. seines Namens —, der 
1764 die Regierung zu Folge der Assekurations- 
Urkunde von 1754 übernommen hatte, brachte 
sie wieder in Fluß, und befühl 1765 eine dies 
bezügliche Untersuchung. Die Regierung durch 
suchte die noch vorhandenen Akten und kam zu 
dem Schluß, daß uur für gelegentliche Be 
mühungen des jezeitigen Präsidenten um die 
Zeitungsangelegenheiten demselben jährlich 
75 Gulden gezahlt seien, der jüngere von Edels 
heim aber habe diese Einnahme abgelehnt. 
Darauf übertrug der Erbprinz die regelmäßige 
Ueberwachung dem Bibliothekrath Wegener, 
wofür der Zeitungsschreiber diesem jährlich 
50 Gulden zu zahlen hatte. Die Zeitung sollte 
von nun an stets vor dem Druck vorgelegt 
werden und der Besitzer zur Befolgung der 
Korrektur verpflichtet sein. Hiergegen wandten sich 
die Gebrüder von der Velde in ausführlicher 
Eingabe, die auch die Regierung dahin unter 
stützte, daß die Zensur auf das, was das fürst 
liche Haus angeht und sonst anstößig sei, be 
schränkt werden möge, da sie im übrigen doch 
gänzlich impracticable wäre. Auch sei für diese 
geringe Mühe der Zeitungsschreiber nicht mit 
einer solchen Abgabe zu beschweren. Demgemäß 
verfügte nun auch der Erbprinz. Doch geht 
aus späteren Bewerbungen verschiedener Beamten, 
Döring, Bergstrüßer, hervor, daß die Abgabe, 
sogar 75 Gulden, doch längst wieder eingeführt 
war, als Wegener 1790 starb. Das Zensoramt 
ging aber nicht auf einen der Vorgenannten, 
sondern auf den Hofgerichtsrath Rieß über. 
Das erst war der Anfang einer regelmäßigen 
Zensur. 
N a ch t ra g. Durch eine mir gütigst gemachte 
Mittheilung des evangelischen Pfarramts der 
Marienkirche zu Hanau bin ich in der Lage, 
außer anderen schon oben angegebenen Daten 
über die Familie Böff und van der Velde noch 
Folgendes über den Begründer der Zeitung, 
Justus Böff, nachtragen zu können. Er war 
der Sohn des Land- und Gerichtsschöffen 
Kilian Böff zu Fechenheim und verheirathet mit 
Jungfrau Anna Katharina, weiland Meister 
Leydens, gewesenen Bürgers und Fischers zu 
Frankfurt, hinterlassene eheliche Tochter. 
Berichtigen muß ich sodann die irrthümliche 
Angabe in Nr. 23 der Zeitschrift Heffenland, 
der neue Kalender sei am 1. Januar 1748 in 
Hessen-Kassel eingeführt, es war dies vielmehr 
schon mit dem Jahr 1709 geschehen. 
Ahr letzter Kries. 
Von H. Keller-Iorösn. 
(Schluß.) 
Jscf) habe nicht gewußt, daß es hier oben 
so herrlich sein könne", sagte Leoni Dupret, 
überwältigt von dem sonnendurchleuchteten 
Thale zu unsern Füßen —, und ihre Augen 
glitten über den See und die Contouren der 
Alpen. 
Ich störte sie nicht. Erst als sie sich mir 
wieder zuwandte und nach der zerklüfteten Ruine 
sah, zwischen der ich gelegen, bot ich ihr meinen 
Sitz an und sprach ihr zugleich meine Verwun 
derung über die Kühnheit aus, allein den ein 
samen Weg bis hierher gegangen zu sein. 
„Ich bin gewohnt, allein zu gehen," sagte sie 
ruhig, „wenn schon ich nicht immer den Muth 
habe, mich so weit in unbekannten Wegen zu 
verlieren. Heute aber hat mich der herrliche 
Morgen alle Bedenken vergessen lassen." 
„Wissen Sie, daß wir hier oben beinahe zwei 
Stunden von unserem Heim entfernt sind?" 
fragte ich sie.
	        

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