Full text: Hessenland (7.1893)

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Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Z w e n g e i 
Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel. 
als Professor der Pharmazie und Botanik. Von 
seinen Werken ist das Lehrbuch für Pharmakognosie 
zu neunen. Für die gesetzliche Regelung des Apo- 
ihekerwesens in den Vereinigten Staaten hat er maß 
gebende Vorschläge gemacht. 
Am 16. September d. I. verschied zu Kassel nach 
langem schweren Leiden im 69. Lebensjahre der königl. 
preußische Oberst z. D. August Ho en. — Aus kur 
hessischem Dienste 1666 in den preußischen übertretend, 
nahm der Verstorbene als Bataillonskommandeur im In 
fanterieregiment 81 rühmlichen Antheil an dem Feldzug 
von 1870/71. Zum Oberstlieutenant befördert und 
mehrere Jahre Bezirkskommandeur in Nassau, schied 
er 1881 als Oberst in sehr geschwächter Gesundheit 
aus der Armee und nahm seinen Wohnsitz in Kassel. 
Den Verstorbenen zierten die edelsten Eigenschaften 
des Geistes und Herzens, seltener Freimuth und 
heilerer Sinn auch in Trübsal und schweren Stun 
den. Er war hochgeschätzt und beliebt in den 
weitesten Kreisen. In den letzten Jahren seines 
Lebens betheiligte er sich in aufopfernder Weise an 
den Bestrebungen, den Wittwen der kurhessischen 
Offiziere die gesetzliche Gleichstellung mit den Wittwen 
der Zivilbeamten und den Fortbezug der hessischen Pension 
zu erwirken, ein Bestreben, dem in der Sache selbst auch 
der wohlberechtigte Erfolg zu Theil wurde. Zz. 
Am 19. September starb zu Kassel plötzlich im 
77. Lebensjahre der frühere kurfürstlich hessische Oberst 
lieutenant William Ralph von Heathcote. 
Der Verblichene entstammte einer sehr reichen eng 
lischen Familie, die s. Z. aus England nach Kassel 
übergesiedelt war. Heathcote trat als Avantageur in 
hessische Militärdienste, wurde 1836 Lieutenant im 
kurhessischen Garde-du-Corps-Regiment, aus welchem 
er später in das knrhessische Dragoner-Regiment, 
bezw. in das 2. kurhessische Husarenregiment ver 
setzt wurde. 1845 wurde er zum Premierlieutenant, 
1850 zum Rittmeister, 1857 zum Major und 1864 
zum Oberstlieutenant befördert. Nach den Ereig 
nissen von 1866 legte er sein Kommando nieder, 
und damit schloß seine militärische Laufbahn. In 
nahen Beziehungen stand er zu dem verstorbenen 
letzten Kurfürsten von Hessen, den er alljährlich in 
Prag und auf seinen Gütern in Horowitz besuchte. 
In Kassel war er wegen seiner außerordentlichen 
Wohlthätigkeit hochgeschätzt und beliebt. Vornehmlich 
war er ein treuer Beschützer der hülflosen Waisen 
kinder, für die er stets ein warmes Herz und eine 
offene Hand hatte. 
Am 17. September verschied zu Wehlheiden 
nach kurzem Krankenlager an den Folgen einer 
Lungenentzündung der Geheime Regierungsrath a. D. 
Karl Franz Kühnert, ein verdienstvoller 
hessischer Beamter. Derselbe war geboren als Sohn des 
Baurathes bei der vorhinnigen kurfürstlichen Ober 
baudirektion zu Kassel, Justus Kühnert, am 17. Sep 
tember 1817, an demselben Tage, an welchem er 
nach 76 Jahren aus dem Leben schied. Nachdem er 
das Lyceum Fridericianum 1835 absolvirt hatte, 
studirte er zu Gießen, Heidelberg und Marburg 
Rechts- und Staatswissenschaft. Nach glänzend be 
standener Staatsprüfung wurde er Referendar in 
Kassel und war dann vom Jahre 1849 bis 1851 
bei der Bezirksdirektion in Eschwege als Assessor 
thätig. Anfangs der fünfziger Jahre gehörte Kühnert 
zu den durch das Ministerium Hassenpflug ,Gemaß- 
regelten«, er wurde nach Schmalkalden versetzt 
und mit Dreiviertel seines Gehaltes zur Dis 
position gestellt. Doch bald durch den erfolgten Um 
schwung der Verhältnisse wieder festangestellt, sehen wir 
Kühnert bereits Ende der fünfziger Jahre als Re 
gierungsrath in Hanau, wo er bis zum Jahre 1868 
verblieb. Dann war er in Kassel ein Jahr Mit 
glied der Landeskreditkassen-Direktion, wurde 1869 
zum Geheimen Regierungsrath in Oppeln ernannt 
und später in gleicher Eigenschaft an die Regierung 
in Lüneburg versetzt. Hier verblieb er bis zu seiner 
vor zwei Jahren erfolgten Pensionirung. Nach der 
selben zog es ihn wieder nach der hessischen Heimath, 
und nahm er in Wehlheiden Wohnung. Neben 
außerordentlichen Geistesgaben war der Verewigte 
auch durch Irefflichen Humor uud Heiden sgüte ab 
gezeichnet, welche ihm einen großen Kreis von 
Freunden erwarben. Sein Andenken wird in Ehren 
bleiben. (K. A. Z.) 
Znhaltsverzeichniß des Septemberheftes Nr. 3. der „Tou 
ristischen Mittheilungen aus Hessen-Nassau und Waldeck": 
Noch ein Hessenlied. Vom Harze. Eine dreitägige Tour 
durch das Rhöngebirge, von G. Haupt Der Bilstein bei 
Großalmerode (Schluß). Berichte. Ausführliche Kritiken. 
Briefkasten. Anzeigen. 
Berichtigung. 
In dem Artikel der vorigen Nummer „Ebernburg und 
Landstuhl" ist als Schöpfer des Hutten-Sickingen-Denk- 
mals unser hessischer Landsmann G. Kaupert aus Versehen 
angegeben. Der Künstler ist N. Cauer von Kreuznach. 
Briefkasten. 
Dr. W. Tr. — Wien. Herzlichsten Glückwunsch. 
H. K. - J. — München. Empfangen Sie unseren ver 
bindlichsten Dank sür den neuen Beweis ihres gütigen 
Wohlwollens. Die Zusendung wird in der nächsten 
Nummer zum Abdrucke gelangen. 
Dr. S. — Hanau. Besten Dank sür die freundliche 
Mittheilung 
Dr. W. R. — Kassel. Freundlichsten Gruß.
	        

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