Full text: Hessenland (7.1893)

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In der That vereinigte sich die kleine Gesell 
schaft soeben wieder. Die gegenseitigen Erleb 
nisse austauschend, fuhr man heim, umgeben von 
dem vollen Reiz eines Sommerabends, der den 
Linden süßen Duft entlockt und die Vogelstimmen 
weckt, wo eben nur das Treiben der Menschen 
die kleinen Sänger zur Geltung kommen läßt. 
(Fortsetzung folgt.) 
Ktrrneßinohrt. 
Gedicht in niederhessischer Mundart. (Unteres 
Schwalmgebiet, Kreis Fritzlar.) 
En Firschler') äß des scheenste Mohrt 2 ) 
Dos im de Kirmeßzitt. 
Do äß keng 2 ) Bursch, ders iBeft 4 ) kann, 
Der uff dos Mohrt nit gitt. 
Natirlich nimmt hä's Mächen mirre 2 ). 
So worschb) vun je, so äß es hirre 2 ). 
Bi dickem Quätschennäbbel^) schunt, 
Im Ührer sechse frih, 
Do zieht üß jereni Dorfe rüß 2 ) 
Ne laange, laange Rih'"). 
De Mähre hunn sich uffgeduunert"), 
Däß sich Engs' 2 ) übersch's Angre wungert. 
Un dünne' 2 ) derbi de Bursche 
En nigem Kirrel") un Schaal. 
Die röchen Doback üß Piffen 
Un machen Mordschandal"). 
Im Ochte'°) sing se schunt en der Stoodt. 
Dann äß des Vergnigen öch perot ' 2 ). 
Do wird sich nü derdörch gequätscht 
Un wärsch '^) en noch so für. 
Bi jerer Büre'") müß me stinn, 
Bi Schüh'n un Bäzzelschnür 2 °), 
Bi Blechwerk, Dippen, bloen 2 ') Schürzen, 
Bi Gorken, Worscht un Zockerhärzen. 
Der Bursch, der hie sich lumpen lüht 22 ) 
Un gor nix kost un schenkt, 
Der Hot öch bi dem Kirmeßtanz 
Kinn Mächen, dos hä schwenkt. 
En Zockerhärz äß doch des Wingste 22 ), 
Dos köft sim Schatz öch der Geringste. 
Un Carressel wird öch gefohr'n, 
Un's Glicksrod nit verfehlt. 
Der Läßte 24 ) gitts gern Wärthshüß rinn, 
Wo de Musicke späält 22 ). 
Des Tängzen 22 ) äß doch gor zü scheene, 
Gitts öch en Stüpps 22 ), an Orm un Beene. 
Retür zü zinn 2 ^) se engzelich, 
Zem Meerschten 22 ) Zwää und Zwää. 
De Bursche hon mänchmol 22 ) en Strich, 
Un Hahlen 2 ') groß Jüchhee! 
Mänchmol hon se sich öch geschmässen 22 ) 
Un sich de Kirrel uffgerrässen 22 ). 
Dos wor dann's Schinnste"') noch vom Mohrt, — 
So prohlen 22 ) se hernoh. — 
De Mähre kräschen 22 ) lüt vär Angst, 
Un sing 22 ) doch eentlich froh. 
Dann de Bursche hun sich nürt geschlvhn 2 ^), 
Däß de Mähre ähre Corosche 22 ) soh'n. 
Krida Storck. 
l) Fritzlar. 2 ) Markt. 8 ) kein. 4 ) der es irgend 
kann. 6 ) mit. e) so war's von jeher. 7 ) heute. 
8 ) Zwetschennebel. 9 ) heraus. i°) Reihe. ") aufgeputzt. 
12) Eines über das Andere wundert. dicht, ") Kittel, 
's) Mordskandal. >°) Um Achte. > 7 ) parat. >») Und 
würd' es ihnen noch so sauer. > 9 ) jeder Bude. 20) Schuhen 
und Mützenband. 21) blauen. 22) läßt. 28) Wenigste. 
24) Zuletzt. 25) spielt. 26) Tanzen. 27) Stupps. 
28) gehen sie einzeln. 20) meistens, so) manchmal. 
8i) halten. 32) geschmissen. 88) aufgerissen. 84) Schönste. 
85) prahlen, sc) schrieen laut. 37 ) sind doch eigentlich. 
8») geschlagen, ss) Courage sahen. 
Aus alter un- neuer Zeit. 
Marburgs feierliche Woche. Es war 
am 13. September 1832. Der gefeierte Vertreter 
der Volksrechte, Mitbegründer der kurhessischen Verfassung 
und Märtyrer derselben, Professor vr. Silvester 
Jordan, kehrte von Höxter nach Marburg zurück. 
Dort hatte er nach dem Tode seiner Gattin, Marie 
Staudinger aus München, mit der er zehn Jahre 
in glücklichster Ehe gelebt, in der Tochter des be 
kannten Geschichtsforschers Dr. Paul Wigand, Pauline, 
eine zweite hochgebildete Lebensgefährtin gefunden, 
der es beschieden war, Freud^ und unsägliches Leid 
treu und redlich mit ihm zu theilen. Am 2. Sep 
tember hatte die Vermählung in Höxter stattgefunden. 
Auf dem Rückweg fand das Ehepaar überall be 
geisterte Begrüßung, zählte doch Silvester Jordan zu 
den volksthümlichsten Männern in Deutschland. 
War der Empfang in Kassel, dem Schauplatze von 
Jordan's Wirken als Volksvertreter, seitens der 
Bürgerschaft schon ein enthusiastischer, so erwarteten 
den hochverehrten Mann in seiner Heimathstadt 
Marburg wahrhaft fürstliche Ehrungen. 
Es liegt uns eine bei N. G. Elwert erschienene 
Broschüre aus jener Zeit vor, betitelt „Jordan's 
Ankunft und die Feier des 15. September, oder 
Marburgs feierliche Woche in den Tagen des 11., 
13. und 15. Septembers^, der wir nachfolgende 
Schilderung entnehmen. 
Schon der 11. September 1832 hatte sich in 
Marburg zu einem Festtage gestaltet. Am Abende
	        

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