Full text: Hessenland (7.1893)

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Die Reihe der Inschriften an öffentlichen Ge 
bäuden und nationalen Denkmälern aus hessischer 
Zeit ist meines Wissens erschöpft. Man könnte 
allenfalls noch den Pfeiler in der Artilleriestraße 
erwähnen, der uns die Erbauungszeit der Straße 
angiebt: 
Artillerie-Strase 
Gegründet 
von 
Kurfürst 
Wilhelm II. 
1829. 
Seit 1866 sind außer den Inschriften an den 
beiden Denkmalen für die Patrioten von 1809 
noch einige entstanden , und zwar am Auethor 
und am Justizpalast. Das Auethor wurde 1876 
mit dem preußischen Adler gekrönt und mit 
Reliefdarstellungen aus dem Kriege von 1870 
geschmückt und dadurch zu einem Siegesdenkmal 
umgeschaffen. Vier Inschriften verherrlichen den 
alten und neuen Kriegsruhm der Hessen und 
verkünden, daß 
Hessischer Tapferkeit im Kriege Gegen Frank 
reich 
1870 und 1871 
dies Denkmal gewidmet ist. 
An den zwei Theilen des Justizpalastes finden 
wir die Worte 
Gerichtsgehäude. Erbaut 1880. Gott 
schütze das Recht. Das Recht schützt 
das Land. 
Jedem das Seine. Gerecht und mild, 
und 
Regierungsgebäude Erbaut 1880. Er 
baut unter dem siegreichen Koenige 
Wilhelm. 
Des Landes Wohl das hoechste Gesetz. 
Gott mit uns. Für Recht und Volk. 
Wenden wir uns nun zu den Sprüchen und 
Inschriften an Kasseler Privat Häusern. Wir 
wollen uns auch hierbei nach der Zeit der Ent 
stehung richten, soweit sie durch eine Jahreszahl 
näher bestimmt ist. Ein noch aus den Zeiten 
der Kugelherren stammendes Relief am Brink 
(Nr. 8) trägt die Unterschrift 
Marien elende. 
Es gehört der zweiten Hälfte des 15. Jahr 
hunderts an. 17 * * ) Die älteste Inschrift mit Jahres 
zahl, die mir aufgestoßen ist, befindet sich Oberste 
Gasse 57 und besteht in den einfachen Worten: 
Abbas Hasvngensis 1518. ,8 ) 
l7 ) Vergl. v. Dehn-Rotfelser u. Lotz, Baudenkmäler, 
Seite 29. 
> 8 ) Das Haus gehörte seit 1502 dem Abte von 
Hasungen; vergl. Nebelthau, alt. Gebäude, S. 24. 
Dann folgt vom Jahre 1589 am Altmarkt 26, 
nach der Essiggasse hin, die Inschrift: 
Was - Got • Beshrt • Das • Bleit • Yn 
Erwert 1589. 
Derselbe Spruch, nur in etwas anderer Schreib 
art, steht an einem Hause hinter dem Marstall 
(Nr. 20): 
Was Got Besehe. Bleit Vnerwert. 
Anno 1602. 
Ungefähr zur selben Zeit schmückte ein Kasseler 
Bürger, Namens Nikolaus Krause, seine neu- 
crbauten Häuser mit folgenden Sprüchen. 
Hinter dem Judenbrunnen 12 findet sich der 
freundliche Wunsch: 
Alle Die Mich Kennen Den 
Gebe Gott Was Sie Mir Gönnen 
Nicolavs Kravse Anno 1597 1!) ) 
und am Töpfenmarkt 15 lesen wir: 
Wer Gott Vertravt 
Hat Wohl Gebart 
Nicolavs Kravse 1605. 
Ein Bewohner des früheren Essighauses 
(Essiggasse 1) stößt den Seufzer aus 
Mein Hilf 
Stehet zv 
Got o Got 
Wend 
Al Me 
In Eh 
Lend 
Die Inschrift geht noch weiter, aber entziffern 
kann man nur noch die Zeit der Erbauung 
IAHR 
1607 
DEM 8 
IVNII. 
In der Kruggasse (Haus Nr. 2) lesen wir an 
einem mit Wappen und Hausmarken geschmückten 
Hause: 
Alle Mein Thvn Zu lecker Frist 
Stehet Im Namen Ihesv Christ 
Mein Anfangk Ynd Mein Ende 
Stehet Alles In Gott Hende 
Der Stehe Mir Bey F'rve Ynd Spat 
Bis Mein Leben Ein Ende Hatt 
1609. 
1610 baute Kaspar Lutgendorff sein stattliches 
Haus am Graben (Tränkepforte 2) und setzte 
sich ein Denkmal durch das Sprüchlein über 
seiner Hausthüre: 
") 3« ganz Hessen verbreitet, z. B. an Häusern in 
Veckerhagen, in Weymar, in Melsungen.
	        

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