Full text: Hessenland (7.1893)

Le Kntwickelung der geistlichen und weltlichen Gerichts 
barkeit Ln den fürstlich Kefsen-Dafsel'fchen Wanden. 
Von H. Metz. 
(Fortsetzung.) 
III. 
Die weltliche Gerichtsbarkeit. 
Bevor wir auf die weltliche Gerichtsverfassung 
von Hessen eingehen, ist es znm Verständniß der 
selben nothwendig, einen Blick auf die weltlichen 
Gerichte der Deutschen, sowie auf die Eintheilung 
Deutschlands in Grafschaften und Centen zu 
werfen. 
Die weltlichen Gerichte der Deutschen waren 
in allgemeine und besondere oder Partikular- 
Gerichte eingetheilt. Die ersteren hatten sich 
mit allen denjenigen Sachen zu beschäftigen, die 
durch Gesetz und Herkommen nicht vor ein anderes 
Gericht gewiesen waren, den letzteren waren nur 
bestimmte Klagen übergeben. 
Die Partikulargerichte waren mit besonderen 
Leuten besetzt, so die Hübnergerichte mit Hübnern, 
die Manngerichte mit Lehnleuten u. f. w. Die 
allgemeine Gerichtsbarkeit wurde durch königliche 
oder kaiserliche Amtsleute versehen, soweit die 
selbe nicht dem Adel in seinen Allodial-Land- 
schaften eigenthümlich zustand. — Ganz Deutsch 
land war in Grafschaften, eomitatus, diese wieder 
in Centen, centenae, eingetheilt. In den 
letzteren übten die Centgrafen, centenarii, das 
Richteramt aus, von deren Jurisdiktion aber 
die Erkenntniß über die Todesstrafe, über das 
Eigenthum der unbeweglichen Güter und der 
Leibeigenen, über Knechtschaft und Freiheit eines 
Menschen, ausgeschlossen war. Diese Richter 
standen unter den Gaugrafen, von denen jähr 
lich wenigstens drei Gerichte, Landgericht oder 
Grafengeding, unter dem Namen der „ungebotte- 
nen Dinge" abgehalten werden mußten. Es 
wurde hierbei nicht nur die allgemeine Gerichts 
barkeit über den ganzen Gau, sondern auch über 
die von der Jurisdiktion der Centgrafen aus 
geschlossenen Dinge, ausgeübt. Von diesem 
Gerichtszwange war Niemand als die optimales,' 
der heutige hohe Adel, befreit. 
Als das Grafenamt erblich wurde und sich 
die Eintheilung Deutschlands in Gaue verlor, 
bestellten die Grafen ihre eigenen oomites oder 
Landrichter, welche die oberste Gerichtsbarkeit 
über eine Anzahl von Centen, die als Unter 
gerichte unter ihnen standen, ausübten. Die 
Richter erhielten die Stelle als lebenslängliches 
Lehen, und in der Regel wurde ein Angehöriger 
des hohen Adels hierzu ausersehen. Als Unter 
beamte fungirten noch bei einem solchen Gerichte 
der Büttel, Gerichtsdiener, boäellus, dieser 
mußte öffentlich ausrufen und dem Volke ver 
künden , daß das Landgericht gehalten werden 
sollte. Die Urtheile wurden nicht vom Richter 
allein gesprochen, sondern nur auf Befragen 
und den Rath der Schöppen, die aus den an 
gesehensten und würdigsten der Freigeborenen, 
bei den Landgerichten aber aus dem hohen Adel 
gewählt wurden. Auch der „Umstand", d. h. 
das die Gerichtsstütte umstehende Volk, wurde, 
wenn die Sache darnach beschaffen war, bei den 
ungebotenen Dingen zu Rathe gezogen. 
Die Appellation ging von den Grafengerichten, 
wenn die Provinz keinem Herzog unterworfen 
war, wie Hessen, an die Königsgesandten, tnissi 
regales, in wichtigeren Dingen an den König 
selbst. 
Diese eben geschilderte Gerichtsverfassung hatte 
auch in Hessen Gültigkeit. Hier befand sich das 
erste hessische Landgericht zu Maden bei Fritzlar, 
dasselbe wurde laut einer Urkunde vom Jahre 
1045 von einem Grafen Wernhcr verwaltet... 
„quäle visi sutnus habere Vanahae in pago 
Hessin atque in comitatu Werinheri comitis 
scilicet Madanum ..." Dieses Landgericht zu 
Maden wird auch schlechthin das Landgericht zu 
Hessen oder das Gericht zu Maden genannt. 
Welche Gegend das Gericht umfaßt hat, ist un 
bestimmt. 
In der an der Diemel und Weser gelegenen 
Herrschaft Schonenberg befand sich ein Land 
gericht. Dieses unifaßte an dreißig Ortschaften 
und Meierhöfe, Wartberg, Westheim, Aschcndorf, 
Nordgeismar, Bunnicken, Gothardeschen, Süthen, 
Humbrechtessen, Leckebe, Rothersen, Sihardesen,
	        

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