Full text: Hessenland (7.1893)

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ur Geschichte der ältesten Heilung in Kessen 
und ihres Kegrünöer's. 
Von I. NeSelthau. 
(Schluß.) 
er Sohn und Erbe Johann Carl Böffs, 
Georg Philipp, geboren den 12. Juni 1712, 
war beim Tode des Vaters erst sieben Jahr 
alt. Die Mutter sührte das Geschäft für ihn 
mit Hülfe Kühn's fort, die Regierung verlängerte 
das Privilegium weiter von 10 zu 10 Jahren, 
auch geschieht dies nach dem Anfall Hanaus an 
Hessen-Kassel — 28. »März 1736 — durch den 
Statthalter, späteren Landgrafen Wilhelm VIII. 
unter dem 4. März 1737 in der bisher üblichen 
Weise. An Beschwerden gegen den Inhalt der 
Zeitung fehlt es auch unter der neuen Leitung 
nicht. Doch sind dieselben meist mehr persön 
licher als hochpolitischer Natur. Es sei nur noch 
eine davon hervorgehoben, da sie auf die An 
schauung jener Zeit ein bezeichnendes Licht wirft. 
Die Fürstlich Ansbach-Bayreuthische Regierung 
zu Onvlzbach wendet sich mit folgendem Schreiben 
nach Hanau unter dem 12. Juli 1729. „Nach 
dem man in Erfahrung bringen müßen, wes 
maßen einige Zeitungsschreiber an ein und 
anderen Orten ein bereits in Anno 1727 
erdichtetes gotteslästerliches durch öffentliche 
Zeitung aber allbereit von hießiger Hochfürst 
licher gnädigster Herrschaft widersprochenes, an 
sich aber allerhand üble Folgungen nach sich 
ziehendes Lied abermalen abgesungen und aus 
gestreuet, worinnen einige unter denen fälschlich 
angegebenen Namen gar nicht vorhandene Juden 
in der Stadt Schwabach beschuldigt worden daß 
sie an einem Charfreitag einen Hund gekreuziget 
und dabei die Passionshistorie auf eine ärger 
liche Weise vorgestellet Hütten, als findet man 
sich genöthigt, deni publico sothanes ganz un- 
wahrhaffte Ausstreuen in öffentlichen Zeitungen 
nachmalen kund und wißen zu machen, und wir 
ersuchen dem nach die Herren und Freunde den 
anliegenden Aufsatz*) in die allda druckende 
Zeitung inseriren und übrigens dergleichen 
leichtfertige Liedersinger auf betreten zur wohl 
verdienenden scharfen Strafe ziehen zu laßen 
und durch ein darmit statuirendes Exempel dem 
täglich mehreres zunehmenden Aergerniß die 
sördersamste abhilfliche Maaße zu geben. Wir 
werden sothane Gefälligkeit bei anderen occasionen 
zu reciprociren nicht unterlaßen, und seyen 
übrigens zu freundlichen Diensten willig und 
bereit." 
*) Ist in den Akten aber nicht vorhanden. 
Im Jahr 1740 erhebt sich ein Streit zwischen 
der Regierung und dem Besitzer der Zeitung, 
der uns in seinem Verlauf werthvolle Einblicke 
in die Verhältnisse des Blattes gewährt. Nach 
und nach hatte die Regierung Böff dahin ge 
bracht, daß er Bekanntmachungen derselben in 
seine Zeitung aufnahm, ohne dazu durch den 
Wortlaut seines Privilegiums verpflichtet zu 
sein. Nun verlangte die Verwaltung des neu 
eingerichteten Lombards zu Hanau das Gleiche 
für ihre Uroclama und zudem noch ein Frei 
exemplar der Zeitung. Dagegen lehnten sich 
die Besitzer auf und verweigerten solchem An 
sinnen Folge zu geben. Die Regierung, welche 
anfänglich dem Anspruch des Lombards bei 
getreten war, veranlaßte eine Vernehmung 
Kühn's zu Protokoll. Dieser führt darin ans: 
Sie, die Besitzer, hätten bisher willig die 
Avertissements der Regierung aufgenommen, 
und würden das auch ferner thun. Das Lom 
bard sei aber keine Einrichtung des Staats, 
sondern stehe nur unter dessen Aufsicht. Durch 
den Druck solcher Bekanntmachungen entständen 
erhebliche Kosten und da er dafür kein beson 
deres Blatt herzustellen vermöge, so würde der 
Raum seiner Zeitung dadurch beschränkt. Er 
sei hauptsächlich auf den Absatz des Blattes 
nach auswärts angewiesen, sollte das Unternehmen 
gewinnbringend sein; auswärtige Leser hätten 
aber kein Interesse an dergleichen Avertisse- 
ments. Die Zeiten wären schlecht, Papier und 
Druck, besonders aber die Korrespondenzen 
theuer, und der Vertrieb im Jnlande werde 
hauptsächlich durch den unerlaubten Handel den 
die Unterbeamten mit den gelieferten Frei 
exemplaren trieben, beeinträchtigt. Die Re 
gierung fordert von Kühn eine Aufstellung der 
Lasten, die auf der Zeitung ruhen, ein, die 
Folgendes ergiebt: 41 Freiexemplare, jedes zu 
3 Gulden gerechnet, die Abgabe der schon früher 
angeführten auswärtigen Zeitungen, deren Be 
schaffung einen jährlichen Kostenaufwand von 
40 Gulden 30 Kreuzer erfordert, sodann 
75 Gulden an die Rentkammer und den gleichen 
Betrag für den zeitigen Herrn Präsidenten, in 
Summa 313 Gulden 30 Kreuzer. 
Die Hanauer Regierung nimmt sich, der alten 
Ueberlieferung getreu, der Kasseler gegenüber 
des Zeitungsunternehmens entschieden an, — 
die im Laufe der Jahre so gestiegenen Lasten
	        

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