Full text: Hessenland (7.1893)

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Wir werden jetzt. in eine ganz andere Zeit 
versetzt. Ein neuer Stadttheil entsteht vor unsern 
Augen, dessen erstes Gebäude sich durch folgende 
Inschrift kenntlich macht: 
Urbis prima domus. Posuit fundamina princeps 
CaroLVs Is VIVat, stet DoMVs VrbsqVe dIV. 
Renovatum W. Berninger. 1869. 10 ) 
Landgraf Karl hatte den durch die Aufhebung 
des Ediktes von Nîmes heimathlos gewordenen 
französischen Protestanten freundliche Aufnahme 
in seiner Residenz gewährt. Sie siedelten sich 
in der Oberneustadt an und brachten durch ihre 
Intelligenz und ihren Fleiß neuen Aufschwung 
in Handel und Gewerbe der Stadt. 
Bald wurde auch ein Gotteshaus im neuen 
Stadttheile errichtet. Die Inschrift über dem 
Haupteingange nennt uns den Erbauer 
.D.O.M. 
Carolus. 
Hassiarum . Landgravius . 
Princeps . Herose . Com . C . D . Z . N . 
Pio . zelo . in . Gallos . 
Ob . verum . Dei . cultum . patriis . eiectos. 
Laribus. > ^ 
Aedem . hanc . supremo . numini . dicatam. 
In . profugorum . solamen . 
Primo . lapide . iacto . a . fundamentis . extrui. 
iussit. 
Confecit. et. inauguravit. Anno . MDCCX. 
Exaudivi. preces . ad . me . tuas . et . elegi. 
Locum . istum . mihi . in . domum . sacram . 
I. Reg . VIIII. V . III. n ) 
Aus derselben Zeit stammt das ehemalige 
französische Hospital am Meßplatze, das noch die 
Inschrift trägt: 
Hôpital Oes François Réfugiés 
aber seit der Verschmelzung der Oberneustädter 
und der Französischen Gemeinde anderen Zwecken 
dient. 
10) Erstes Haus der Stadt. Den Grundstein legte 
Landgraf Karl. Lang' lebe der Fürst, lang' stehe dies 
Haus, lange Kassel! 1688. 
") Gott dem Allgütigen und Allmächtigen! Karl, Land 
graf von Hessen, Fürst von Hersfeld Graf von Katzenelln- 
bogen, Diez, Ziegenhain und Nidda, ließ in frommem Eifer 
für die um ihres wahren Glaubens willen von dem heimischen 
Herde vertriebenen Franzosen diesen dem Höchsten geweihten 
Tempel, zu dem er den Grundstein gelegt, zum Troste der 
Flüchtlinge von Grund aus aufrichten. Im Jahre 1710 
wuroe der Bau vollendet und die Einweihung vollzogen. 
— Ich habe dein Gebet und Flehen gehöret, das vu von 
mir gestehet hast, und habe dies Haus geheiliget. 1. Kön. 
9, Vers 3. 
Eine Tafel, die an das längst abgebrochene 
Weinberger Thor erinnert und jetzt vor dem 
Frankfurter Thor links in die Seitenmauer ein 
gelassen ist, trägt folgende Inschrift: 
Favente . Deo . T . 0 . M . 
Carolus . Hassiarum . Landgr: 
Princeps . optumus . 
Porticum . hanc . cum . fortalitio . posuit. 
. Et. suis . et. posteris . 
. Consecravit. 
. Anno. 
. Aerae . Christianae . 
. M . D . C . C . I. y . «) 
Karls Nachfolger, sein Sohn Friedrich I., 
wurde durch feine Heirath mit Ulrike Eleonore 
König von Schweden. Er trat bei seinem Re 
gierungsantritt vom reformirten zum lutherischen 
Bekenntnisse über und erbaute den Lutheranern 
Kassels, die bis dahin in das nahe gelegene 
Hannöversche Dorf Spickershausen zur Kirche 
hatten gehen müssen, ein eigenes Gotteshaus 
am Graben. 
Die Grundsteinlegung geschah am 8. November 
1734, wie wir aus der Inschrift, die das Gebäude 
trägt, ersehen; 
Genes: XXVIII. V. 17. 
Non est hic nisi domus Dei: 
Cuius 
Ex indulgentia Augustissimi 
Friderici I. 
Regis Sueciae Landgravii Hassiae 
Jactus fuit primus lapis 
D. VIII. Novemb: Ao MDCCXXXIV. 43 ) 
Eine Erinnerung an die Drangsale Kassels 
im siebenjährigen Kriege finden wir am Martins 
platze. Ueber dem Altane des alten Polytechnikums 
ist eine Kanonenkugel, die einen Pfeiler des 
Hauses zertrümmert hatte, eingemauert. Dabei 
stehen die erklärenden Worte, die die Jahreszahl 
in sich enthalten 
CoLVMna In fine obsiDIonls InfraCta 
D. XXVII. Mart. 14 ) * 8 
12) Unter dem gnädigen Schutze des Allmächtigen er 
richtete der edle Landgraf Karl von Hessen dies Festungs 
thor und weihte es der Mit- und Nachwelt im Jahre 
1704 der christlichen Zeitrechnung. 
is) Genesis XXVIU. Vers 17. Hier ist nichts anderes 
denn Gottes Haus: Sein Grundstein wurde gelegt am 
8. November 1734 durch die Gnade Sr. Majestät Friedrichs I., 
des Königs von Schweden, Landgrafen von Hessen. 
") Am Ende der Belagerung wurde diese Säule zer 
schmettert, den 27. März 1760. (Forts, folgt.)
	        

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