Full text: Hessenland (7.1893)

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tempore Domini Hermanni Lindenheim Decani, 
Petri Hardenberg et Henrici Weingarthen 
magistrorum 
fabricae ecclesiae huius. 8 ) 
Eine weitere Inschrift, die sich an einem 
Pfeiler der Martinskirche befinden und von der 
verheerenden Pest 1442 berichten soll, habe ich 
nicht entdecken können. Erst aus dem Jahre 
1583, also beinahe l 1 /? Jahrhunderte jünger, 
sind die nächsten Inschriften. Sie beziehen sich 
auf die Erbauung des Zeughauses in der jetzigen 
Artilleriestraße und sind von dem gelehrten 
Landgrafen Moritz verfaßt. 
W.L.Z.H. 
Auspiciis est structa Dei domus alta parentis 
Wilhelmi praestans principis istud opus. 
Anxius hic noster populus solamen habebit, 
Quod Deus avertat, si premat acre malum. 
Cum furit hostis atrox aedes tunc arma 
ministrant 
Et frumenta simul dant dominante fame. 
Nos tegat alma manus divini numinis omnes, 
Omnes exsaturet nos benedicta manus. 3 * 5 ) 
und 
W.L.Z.H. 
Quodsi forte roges tanto molimine noster 
Struxerit hoc princeps cur Guilielmus opus, 
Hassia quo fugeret duro discrimine pressa, 
Subsidium praesens atque iuvamen erit. 
Haec distincta locis geminum domus afferet usum 
Armamenta viris ac alimenta fami. 
Urgeat hostilis seu vis seu turpis avarus, 
Hic sibi provisum patria nostra sciat. 
M . H . L . Anno 1583. 6 ) 
3) Im Jahre des Herrn 1440 wurde dies Werk hier 
begonnen, als Herr Hermann Lindenheim Dekan war und 
Peter Hardenberg und Heinrich Weingarthen den Bau 
dieser Kirche leiteten. Vergleiche auch Schminke, Kassel 
1767, Seite 351, Nebelthau, Denkwürdigkeiten von Kassel 
(Z. d. h. Gesch.-Ver. N. F. III. Seite 90.) Hoffmeister, 
Künstler und Kunsthandwerker in Kassel, unter „Hardenberg". 
4 ) Vergleiche Nebelthau, Denkwürdigkeiten, S. 78: 
M. C. sic trinis cum L. VI. quoque binis 
Mundi per gyrum regnat epidemia totum 
Cladis de peste pereunt homines tibi (?) teste (?) 
Pars hominum bina penetrat coelestia regna. 
b) Wilhelm Landgraf zu Hessen. 
Unter -des Höchsten Schutz erwuchs zu gewaltigem Baue 
Hier dies stolze Werk meines fürstlichen Vaters Wilhelm. 
Trost wird unser Volk in großer Noth hier finden, 
Wenn, was Gott verhüt', Unglück heimsucht das Land. 
Wüthet grausam der Feind, dies Haus beut Waffen zur Abwehr; 
Lebensmittel zugleich in Hungersnöthen gewährt es. 
Mög' uns beschirmen all' die gütige Hand des Höchsten, 
Möge der gütige Gott von uns wehren die Noth! 
6) Wilhelm Landgraf zu Hessen. 
Wer da fragt, warum Fürst Wilhelm solche Mühe 
Auf diesen Bau verwandt, der wisse: Schutz und Hülfe 
Wird er bieten dem Land; in Gefahr eine Zufluchtsstätte 
Soll er jederzeit unserm Hessenland sein! 
Zwiefach nützet uns dies herrlich gelegene Bauwerk, 
Noch eine Erinnerung aus der Regierungszeit 
Wilhelms IV., des Weisen, ist das mit Wappen 
und Inschrift geschmückte Elisabethenhospital. 
Die lateinischen Berse lauten: 
Sancta . quod . Elisabet . quondam . fundavit . 
alumnis 
WiJhelmus . princeps . eiusdem. clara. propago 
Divite . struxit. opus . sumtu . et. providentibus. 
auxit 
Esset. ut. emeritis . requies . merces . que. la- 
borum. 
1587 Renovatum 1771. 7 * ) 
Wilhelms des Weisen Sohn Moritz der Ge 
lehrte gründete 1618 das Collegium Mauritianum, 
die hohe Schule für seinen Adel, im alten 
Karmeliterkloster am Marställer Platze. Ueber 
dem Durchgänge vom Renthofe zur Fuldagasse 
lesen wir die Distichen: 
Hoc pius ex voto seris memorabile seclis 
Mauritius primus condidit author opus 
Hic pietas artesque togae Martisque Minerva 
Docta probe sedem gaudet habere suam. 
0 patris hoc patriae monumentum fulminis 
exors 
Tutela aeternum stet maneatque Dei 
ConsILIo CLarens CLarens VlrtVte LjCe VM. 8 ) 
Die nächste Inschrift läßt uns in ihren Resten 
den Einsturz des runden Thurmes vor der Schlagd 
und seinen Neubau durch Landgraf Wilhelm VI. 
errathen: 
Wilhelmus 
Sextus 
Molem hanc animis fun 
damentis aquarum . . 
... ac visq. 
collapsam 
inter se hing m . 
... us eodem . a 
. . . Anno C . . . . L1I.. 9 ) 
Waffen beuts für den Krieg, Brot m Hungersnoth. 
Dränget nun Feindesgewalt, bedroht uns der gierige Unhold, 
Findet Hülfe das Land hier zu jeglicher Zeit! 
Moritz Landgraf von Hessen. 1583. 
7 ) Diesen Bau, den einst St. Elisabeth für ihre Pfleg 
linge gegründet hat, hat Fürst Wilhelm, ihr erlauchter 
Sproß, mit beträchtlichen Kosten errichtet und reichlich ver 
sorgt, damit die Altersschwachen hier Ruhe fänden und den 
Lohn für die Mühen des Lebens. 
8) Der Gründer dieses Gebäudes ist Moritz I., der in 
frommer Scheu auf Grund eines Gelübdes den Bau er 
richten ließ, ein Denkmal für spätere Zeiten. Hier ihren 
Sitz zu haben freut sich Religion und Minerva, die gleich 
trefflich beherrscht die Künste des Friedens wie die des 
Krieges. Möchte der Blitz dies Denkmal, das der Vater 
des Vaterlandes errichtet, gnädig verschonen; möge es im 
Schutze Gottes ewig stehen und erhalten werden, eine 
Leuchte der Weisheit und Tugend. 1618. — Bei Schminke 
und Neuber (Renthof—Hessenland 1890), statt pius — opus. 
9) Vergleiche auch Nebelthau, ältere Gebäude in Kassel, 
Seite 23, wonach der Thurm 1652 neu aufgeführt wurde.
	        

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